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Zeit haben ist Lebensqualität

Am nächsten Sonntag ist wieder «Tag der Kranken». Einer der vielen Gedenktage im Laufe eines Jahres. Diesmal mit einem sinnigen Motto.

Wie immer am ersten Sonntag im März wird in der Schweiz der «Tag der Kranken» begangen. Dieser Tag soll an all die Menschen erinnern, die im Alltag Hilfe und Pflege brauchen oder die die sich privat oder beruflich für Kranke und Gebrechliche engagieren.

Ein Tag im Jahr

Es ist dabei ähnlich wie mit dem Muttertag: Man denkt an einem Tag im Jahr an Menschen, denen es nicht so gut geht, bringt vielleicht sogar irgendwem einen Blumenstrauss vorbei und hört sich, wenns hoch kommt, die Ansprache eines Bundesrates, einer Bundesrätin im Radio an – dann aber geht es weiter mit dem gewohnten Alltag.

Zeit kann exakt bestimmt werden, Minute für Minute. Zeit kann aber auch als Lebensqualität gefühlt werden. (B.R.)

Der Gedenktag 2018 steht unter dem Motto «»Zeit für dich, Zeit für mich, Zeit für uns» und geht somit im Grunde alle an. Denn Zeit haben oder sich Zeit nehmen, ist eines der grossen, aktuellen Probleme. Am Ende eines Lebens bereuen die Meisten, zu wenig Zeit gehabt zu haben – für die Familie, für Freunde, für Kontakte, ja zum Leben, zum Glücklichsein. Das hat die in England tätige Palliativpflegerin Bronnie Ware bei der Begleitung Sterbender immer wieder festgestellt.

Leben ist nicht nur Arbeit

Kein Einziger habe es bedauert, nicht noch härter gearbeitet zu haben, nicht noch mehr Karriere gemacht zu haben. Aber die Trauer darüber, viel Wichtiges versäumt, seine Träume nicht gelebt zu haben, sei immer präsent gewesen. Das müssen nicht die immer wieder hinausgeschobenen Reisen, die Sportarten oder Sprachen, die man nie gelernt hat, sein, das sind viel kleinere Dinge.

Sind getaktete Leben die richtigen Leben?

Sich nicht die Zeit genommen haben, dem Partner zu sagen, wie gut er einen tut, den Kindern, wie stolz man sei auf das, was sie geworden sind, den Freunden, wie wichtig sie für einen sind.

Wer, um es mit einem Modewort zu sagen, achtsam lebt, der schiebt den Besuch bei den betagten Eltern, der zunehmend verwirrten Freundin nicht immer hinaus, weil er spürt, dass genau solche Momente glücklich machen. Nicht nur die Andern, auch sich selber.

Heute wird so viel von einer «Work-Life-Balance» geredet und noch mehr von den Burnouts, die überdeutlich aufzeigen, dass einen der Alltag über den Kopf gewachsen ist. Zeit für sich zu nehmen, innezuhalten, sich wieder auf das Leben zu besinnen und sich auf Wesentliches zu konzentrieren, muss wieder einen höheren Stellenwert bekommen.

Sich Zeit nehmen

Die digitalen Medien mit ihrer Informationsflut sorgen dafür, dass nie Langeweile aufkommen muss, dass jeder immer beschäftigt sein kann – und wenn es nur mit dem Lesen all der News ist. Dabei ist Zeit doch viel zu kostbar, um in Miniportionen über den ganzen Tag verstreut zu werden.

Nutze die Zeit – und verschenke sie. Das macht glücklich.

«Zeit für mich» steht bei dem Gedenktagmotto für mich an erster Stelle. Nicht, weil ich so egoistisch wäre. Aber wer sich bewusst Zeit – und Auszeiten – nimmt, der hat plötzlich viel mehr Kapazität. Kann eine Freundin, einen Freund anrufen, einen längst fälligen Besuch machen, in die Zukunft planen. Wer aus dem getakteten Alltag mal aussteigt, ruhig wird, der merkt, dass eine halbe Stunde Nichtstun, also Zeit verschwenden, manchmal mehr bringt als die gewohnten Aktivitäten.

Sich Zeit nehmen, um Zeit zu haben, das ist ein Motto, das sich jeder, ob krank oder gesund, hinter die Ohren schreiben sollte. Und nicht nur an einem national verordneten Gedenktag.

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