FrontKolumnenTrennt euch!

Trennt euch!

Satirische Gedankensplitter: Es darf geschmunzelt werden!

Seit ein paar Monaten zieht ein neuer Prophet (oder Missionar oder wenigstens Wanderprediger) durch die Lande, mit der ebenso simplen wie zum Kopfschütteln anregenden Botschaft «Trennt euch!» Von Liestal nach Ulm, von Dürnten nach Weil am Rhein: Überall füllen sich die Säle, und das Publikum ist bereit, an der Kasse einen tüchtigen Obolus zu deponieren, nur um aus erster Hand respektive aus erstem Mund Passagen aus dem hochgelobten Bestseller zu hören.

«Trennt euch!» Ich kenne weder den Schriftsteller noch sein Buch, und darum weiss ich auch nicht, wer sich eigentlich trennen soll. Ist vielleicht jene Kleinstadt gemeint, deren Bewohner sich von ihrem Präsidenten trennen sollen, weil er vor vier Monaten seiner Gemeindeschreiberin die Tür im Gemeindehaus vor der Nase zugeschlagen hat, was für einen zünftigen publizistischen Wirbel sorgte? Eventuell auch die Trennung von jenem Steuerbeamten, der – um seine Steuerzahler so richtig quälen zu können – über das Wochenende einen Stapel Steuererklärungen zur Bearbeitung mit nach Hause nahm. Oder gar das Parlament, das seinerzeit in einem Anfall von Wahnsinn eine Pumpe/eine Pumpin zum Mitglied der Landesregierung wählte und nun wieder los werden möchte/sollte/müsste.

«Trennt euch!» Ich komme ins Sinnieren, und meine Gedanken schweifen ins Wallis. Dort flüstert einem Fussballklub-Präsidenten eine seltsame Stimme im Kopf immer wieder ein, «Trennt euch!» Und er trennt sich mit solcher Regelmässigkeit von seinen Trainern, dass er mit ihnen – sollte sein Klub mal aus der nationalen Meisterschaft verbannt werden – zwei Mannschaften bilden könnte, die zur Ergötzung des Publikums jedes Wochenende gegeneinander antreten würden…

Oder die Kleiderindustrie, die mit «Trennt euch!» die Klamotten meint und den Konsumentinnen weismacht, mit der alle dreieinhalb Monate wechselnden Modetendenz mithalten zu müssen. Oder sind mit «Trennt euch!» gar die überflüssigen Pfunde gemeint, von deren Abschied weniger der Kunde profitiert als Fitness-Apostel, Super-Wunder-Mitteli-Hersteller oder fettabsaugende Schönheits-Gurus?

Wie? Es seien Menschen angesprochen, die in einer Beziehung leben, wird mir soeben ins Ohr souffliert! Vier von fünf Verbindungen seien schwach-, irr- oder aber auf keinen Fall sinnig und gehörten im Interesse aller Beteiligten (also in der Regel zwei) aufgelöst. «Schluss machen, aber subito!» lautet das Credo des selbst ernannten Experten.

Ich weiss nicht, ich weiss nicht. «Trennt euch –von diesem Buch!» würde ich dem verehrten Publikum am liebsten empfehlen. Und wartet auf jenen Autor, der wohl nächstens die Publikation mit dem Titel «Bleibt zusammen und reisst euch zusammen!» auf den Markt wirft. Denn erfahrungsgemäss folgt auf jeden Furz mit Sicherheit das Gegenteil des Gegenteils vom Gegenteil. In diesem Fall: Hoffentlich.

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