FrontKulturSchnee und Eis und gar kein Grün

Schnee und Eis und gar kein Grün

Der Garten im Januar. Eigentlich sollte der Januar im Gartenjahr nicht vorkommen. Weihnachtsstern und Amaryllis schwächeln und von Schneeglöckchen keine Spur.

Wie sollen da Gartengefühle aufkeimen? Eisige Temperaturen, Schnee, der wegen der Kälte einfach liegen bleibt und weit und breit keine Spur von Frühling. Also: Ab auf die Skiern.

Wer es sich lieber im warmen Wohnzimmer gemütlich macht, könnte in Gartenbüchern oder -Katalogen blättern – oder sich literarisch auf das neue Gartenjahr freuen.

Zum Beispiel mit Erich Kästner. In seinen Monatsgedichten finden sich immer wieder kleine Aperçus zur Natur und zum Garten. Zum Beispiel im März:

Schneeglöckchen ahnen nun, was sie bedeuten.
Wenn du die Augen schliesst, hörst du sie läuten.

Sommergefühle

Oder aus den Augustversen:

Stockrosen stehen hinterm Zaun
in ihren alten, brüchigseidnen Trachten.
Die Sonnenblumen, üppig blond und braun,
mit Schleiern vorm Gesicht, schaun aus wie Frau’n,
die eine Reise in die Hauptstadt machen.

Schwarz und weiss – und kalt

Weiter wollen wir noch gar nicht gehen. Wer will denn im Januar schon Herbstgedichte hören! Aber aus dem «Januar», das passt gut:

Die Amseln frieren. Und die Krähen darben.
Und auch der Mensch hat seine liebe Not.
Die leeren Felder sehnen sich nach Garben.
Die Welt ist schwarz und weiss und ohne Farben.
Und wär so gerne gelb und blau und rot.

Ein Garten im Schnee ist zwar schön, aber auf die Dauer etwas langweilig. Für Gartenbegeisterte zumindest.

Natürlich hat der Garten mit seinen runden Schneekissen, seiner Ruhe und Eintönigkeit einen eigenen Reiz. Und vor einem Monat leuchteten auch noch rote Hagebutten und die blauschwarzen Beeren des Weissdorn aus dem schwarzen Geäst. Nun aber sind sie verschwunden. In den Mägen all der hungrigen Vögel, die im Moment in der Eibe herumturnen, um auch dort die letzten Beeren zu vertilgen.

Ohne Handschuhe und Mützen

Um die aklimatisierten Pflanzen im Garten braucht man sich im Januar keine grossen Gedanken zu machen. Eine kompakte Schneedecke ist für sie der beste Schutz und wenn es mal ohne Schnee gefriert, haben sie so ihre Tricks, zu überleben. Zum Beispiel mit einem eingebauten Frostschutz, indem nur ihre Samen überwintern oder durch  Nährstoffreserven in unterirdischen Knollen, Zwiebeln oder Rhizomen.

Für viele einheimische Gewächse sind die strengen, frostigen Wochen sogar von Vorteil. Sie starten abgehärtet in den neuen Vegetationszyklus, auch weil viele Schädlinge dezimiert wurden. Ist ja bei uns auch so: Wer immer nur im warmen Zimmer sitzt, den wirft auch das kleinste (Frühlings)-Lüftchen schon um. Nur das mit unseren «Schädlingen», das haben wir noch nicht so im Griff.

Das ist ein Krokus, Herr Goethe und keine Safranblüte!

Aber Frühling darf es dann schon werden, so in ein paar Wochen. Und mit Goethe:

Das Beet, schon lockert sich’s in die Höh,
Da wanken die Glöckchen, so weiss wie Schnee;
Safran entfaltet gewalt’ge Glut,
Smaragden keimt es und keimt wie Blut.

Primeln stolzieren so naseweis,
Schalkhafte Veilchen, versteckt mir Fleiss;
Was auch noch alles da regt und webt,
Genug, der Frühling, er wirkt und lebt.

Gut, mit dem herbstblühenden Safran hat er sich etwas vertan, der Dichterfürst. Meinte wohl eher Krokus. Aber ansonsten: Wir freuen uns auf den Frühling!

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