Kultur

Das Museum Langmatt - ein Sanatorium

Die Nähe zum Bäderquartier im Kurort Baden brachte die Verantwortlichen des Museums Langmatt auf die Idee, die ehrwürdige Villa einmal in ein Sanatorium zu verwandeln. Nicht ohne Humor wird das Haus zum Ort der Ruhe und Erholung, wo neben dem ästhetischen Genuss auch für das leibliche Wohl gesorgt ist.

Spielerisch greift das Sanatorium Langmatt das Thema der Entschleunigung auf, Achtsamkeit und Vertiefung der Sinne. Zeitgenössische Kunst und impressionistische Werke in den historischen Räumlichkeiten treten in überraschende Dialoge: von Videoprojektionen über Fotografie und Objekte bis hin zu Klanginstallationen. Die Räume haben ihre Funktionen gewechselt und ermöglichen eine Entdeckungsreise durch das ganze Haus bis nach draussen in den idyllischen Park. Die impressionistischen Gemälde sind im Haus neu verteilt und ermöglichen einen anderen Blick auf die Sammlung.

Christine Camenisch und Johannes Vetsch, Forêt embragée, Videoloop, 3-Kanal Videoinstallation, 2019. Foto: Museum Langmatt

Ein Ambulanzwagen steht prominent als Eyecatcher vor dem Eingang, ein Chevrolet Jahrgang 1952. Bei der Kasse wird man von den Mitarbeitenden in weissen Kitteln freundlich empfangen. Spätestens hier fragt man sich, ob man am richtigen Ort sei. Die Natur wird in die Räume geholt, im abgedunkelten Empfangssalon wehen Baumkronen über den Aktbildern von Degas, Renoir und Fragonard. Poetische Videoprojektionen von Christine Camenisch (*1956) und Johannes Vetsch (*1956) bringen hier und im Obergeschoss die Gemälde scheinbar in Bewegung, so dass man sie mit umso grösserer Aufmerksamkeit betrachtet.

Musik erklingt von weitem. Salonmusik gehört zur Regeneration und in der Bibliothek spielen zu gewissen Zeiten Musikstudenten auf dem hundertjährigen Steinway-Flügel unter den atmosphärischen Fotografien von Katrin Freisager (*1960). Am Kamintischchen kann man derweil Karten spielen. Wer mehr Bewegung braucht, begibt sich in die Galerie, die sich zur Federballhalle verwandelt hat. Badmintonsets stehen zur Verfügung und jeder kann sich in dieser um 1900 beliebten Sportart üben. Müde geworden, gibt es im Obergeschoss die Gelegenheit, sich im Schlafgemach auf ein Bett zu legen und ein Nickerchen zu machen. Vor dem Einschlafen kann man im leicht abgedunkelten Raum in das grosse Aquarell von Herbert Brandl (*1959) eintauchen und Renoirs Mädchen sowie Mary Cassatts Kleinkind gute Nacht sagen, sie in die Träume mitnehmen.

Schlafraum im Sanatorium Langmatt. Foto: Museum Langmatt

Unter dem von Arden Reed geprägten Begriff Slow Art wurde ein weiterer Raum im Obergeschoss mit zwei Airbag-Objekten von Florian Germann (*1978) ausgestattet. Hier kann man es sich auf einem Sessel bequem machen, seine Gedanken schweifen lassen und über den Gegensatz des sich rasch aufblähenden Airbags und dem in sich ruhenden Blumenstillleben von Renoir philosophieren. Wie doch auch Blumen manchmal blitzartig aus ihren Blütenknospen hervorspringen und vielleicht ist so ein Airbag eine Art Knospe – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Nach den philosophischen Betrachtungen ist sicher ein Gang in den Park angesagt, wo man am besten den Klängen aus dem historischen Garten-, Gewächs- und Badehaus folgt. Mario Marchisella (*1972) hat hier geheimnisvolle Klanginstallationen eingerichtet, die das Publikum in eine andere Welt entführen. Neben dem Gartenhaus plätschert ein Brunnen und ein paar Schritte weiter lädt das eigens eingerichtete Kneippbad zur Abkühlung ein. Schuhe ausziehen und barfuss Wassertreten erfrischt Körper und Geist. Danach die Natur hautnah auf dem Barfussweg erleben, der die Füsse tüchtig massiert.

Kneippbad und Barfussweg im Park Museum Langmatt. Foto: Ruth Vuilleumier

Wenn Hunger und Durst aufkommen, ist für Abhilfe gesorgt. Auf der Terrasse und in der Cafeteria sind gesunde Säfte, Beeren und Nüsse aufgestellt, die man in den Liegestühlen oder an den Bistrotischchen geniessen kann. Doch damit ist der Rundgang noch nicht zu Ende. Auf der Veranda im Obergeschoss können die Besucher nochmal nachspüren und Rückmeldung geben, wie gut ihnen die Kur in diesem Sanatorium bekommen ist und wie sie sich nach dem Rundgang fühlen.

Als Bhaltis kann man während oder nach dem Rundgang schmunzelnd das Begleitheft lesen und den Ausführungen von Frau Hugentobler, einer fiktiven Persönlichkeit, die humorvoll durch die Ausstellung führt, folgen. Die Ausstellung ist ein Gesamtkunstwerk auf Zeit, bei dem nicht nur die Künstler beteiligt sind, sondern auch die Museumsverantwortlichen zu Konzept- und Installationskünstlern geworden sind

Teaserbild: Sanatorium Langmatt, Ambulanzwagen, Chevrolet, Baujahr 1952. Foto: Museum Langmatt

Sanatorium Langmatt – Ein Jungbrunnen, mit Begleitprogramm: bis 25.8.2019