FrontKolumnen„Die Gesundheit ist nicht das Wichtigste"

„Die Gesundheit ist nicht das Wichtigste»

Dieser eine Satz geht mir immer wieder durch den Kopf, lässt mich nicht mehr los. Ich versuche immer wieder zu ergründen, stimmt er, oder ist es nicht doch so, wie es immer war und ist: Wenn wir uns untereinander mit den Worten verabschieden, sagen wir meist: „Blib gsund, das isch doch s’Wichtigschte“.

Es war am letzten Dienstag an der ersten Veranstaltung des neu gegründeten Sozialliberalen Forums zum Thema „Gesundheit anders“. Markus Arnold, der Ethiker, der  ehemalige Parteipräsident der CVP des Kantons Zürich, der emeritierte Professor der Universität Luzern, der 66 Jährige sprach ihn gelassenen, doch beherzt und voller Überzeugung aus. Es gäbe so viel anderes, das wichtig, das Wichtigste sei: die Leidenschaft für einen Beruf, für eine Berufung, die Leidenschaft, um ein Buch zu schreiben, ein engagiertes Leben zu führen, leidenschaftlich zu lieben, oder die Leidenschaft für einen Sport, den unbändigen Willen, den höchsten Berg im Land, in der Welt, den Mont Everest zu besteigen, auch und gerade angesichts der Todesgefahren.

Und ist es denn erstrebenswert, als todkranker Mensch alles zu unternehmen, um ein paar Monate länger zu leben? Jede Sekunde könne eine Sekunde vor dem Tod sein. „Gesund anders“ beinhalte auch eine Auseinandersetzung mit dem Tod.

Felix Schneuwly, einer der renommiertesten Experten der Schweiz in der Gesundheitspolitik, warnte von einer Hektik, wie sie jetzt in der Politik an den Tag gelegt werde. Mehr Gelassenheit tut Not. Eine sinnvolle und umfassende Koordination der Leistungen aller sei unerlässlich.

Und die Wissenschaftlerin Dominique Vogt, die zurzeit am Bildungszentrum Careum für Gesundheitsberufe den Bereich Gesundheitskompetenz aufbaut, hofft, mit Studien belegen zu können, was wir schon alle wissen: Die Leute setzen sich zu wenig mit Gesundheitsfragen auseinander und vergessen zu schnell, was ihnen von Ärzten vermittelt worden sei: Die Erkenntnis, dass wir nicht nur Gesundheitskompetenz brauchen, sondern die Kompetenz, in der sich stetig wandelnden Welt uns selbstbewusst behaupten zu können, eben auch gegenüber den Leitungserbringern im Gesundheitswesen, aber nicht nur.

Und Lorenz Schmid, Apotheker, CVP-Kantonsrat und Mit-Initiant des Sozialliberalen Forum, brachte es auf den Punkt: Wir brauchen in der von Interessen geprägten und damit blockierten Gesundheitspolitik eine unabhängige Instanz, die den Patienten aus dem Geflecht der Interessen befreit und berät.

Das Sozialliberale Forum erfüllte bereits an seiner ersten Veranstaltung seinen sich selbst gestellten Anspruch: Das Forum lieferte Ideen, Anregungen, neue Erkenntnisse und Einsichten. Und ich wurde in den letzten Tagen eine Frage nicht los: Ist die Gesundheit nun unser höchstes Gut oder doch nicht? Markus Arnold sei Dank.

Die nächsten Veranstaltungen des Sozialliberalen Forums finden am 4. September zum Thema „Europa“ und am 22. Oktober 2019 zum Thema „Demokratie und Rechtsstaat“statt, jeweils um 19.30 Uhr im Schulhaus Hirschengraben 47 in Zürich.

Vorheriger ArtikelWenn Alter hilflos macht
Nächster ArtikelFotograf Emil Kreis

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Beliebte Artikel