FrontGesellschaftDer Zauberbaum für Leib und Seele

Der Zauberbaum für Leib und Seele

Jetzt duften sie wieder in den Gärten, in den Pärken, auf den Hügeln und auf in vom Zahn der Zeit, genauer des Verkehrs, noch unberührten Dorfplätzen: die Linden. Schon den alten Völkern in der Antike galt die Linde als heiliger Baum. Nach Kriegen wurden im Mittelalter Friedenslinden gepflanzt und mancherorts wurde unter ihrer weit ausladenden Krone auch Gericht gehalten. Und unter der Dorflinde traf sich die Jugend zu Tanz und mehr.

Jetzt duftet sie wieder, die Linde. Und sie summt und sirrt, als wäre sie ein einziger grosser, hauchfeiner Klangkörper. Sie ist eine riesige Bienenweide und in manchen Gegenden gibt es denn auch Lindenblütenhonig zu kaufen, hellgelb und wohlschmeckend.

 

 

Ich schnitt in seine Rinde …

Wer eine Linde im Garten hat – es gibt verschiedene Arten und nicht alle werden so gross wie die Linden, die auch heute noch auf manchen Hügeln als markanter Aussichtspunkt stehen – der kann sich glücklich schätzen. Er leistet nicht nur einen Beitrag zur Unterstützung vieler Insektenarten, er hat auch ein Symbol für Geborgenheit, Trost und Freundschaft vor seinen Fenstern. Zudem gilt der früher der germanischen Göttin Freya gewidmete Baum mit seinen herzförmigen Blättern als Baum der Liebenden und in sein helles, eher weiches Holz schnitten verliebte Pärchen früher ihre Namen oder Initialen ein.

Eine Linde hat unendlich viele Blüten und sirrt und summt, dass es eine Freude ist.

Das ist aber noch längst nicht alles. Wer jetzt Lindenblüten pflückt und schonend im Schatten trocknet, der holt sich ein Heilmittel ins Haus, das seit alters her bei Erkältungen und Fieber angewendet wird. Und, mit Honig gesüsst und etwas Zitrone aromatisiert, so schmeckt, als liege man wieder als Kleinkind im grossen Elternbett und lasse sich mit dem Zaubertrank das Unwohlsein vertreiben.

Auf kleinem Flügel zu neuen Ufern

Lindenblüten dürfen ohne schlechtes Gewissen gepflückt werden, denn an einem Baum hängen unendlich viele dieser duftenden Blütenbüschel, die nach dem Verblühen anmutig zu Boden schweben. Ja, schweben, denn jedes Büschelchen hat am Stiel ein Hochblatt, das wie ein kleiner Flügel im Wind die reifen Samen fortträgt, an einen neuen Standort.

Lindenblüten wachsen an Büscheln und tragen am Stiel einen kleinen Flügel, mit dem sich die Samen vom Wind wegtragen lassen.

Nach so viel Poesie jetzt zu etwas, das vielen Gartenfreunden einen rechten Schreck einjagt. Da will man einen grosse Pflanze, einen Oleander, ein Geranienstrauch oder eine Kamelie umtopfen – und finden zwischen den Wurzeln dicke, weisse Maden. Engerlinge, denken die meisten im ersten Schock und greifen zur Schaufel, um dem Ungeziefer den Garaus zu machen. Bitte, bitte nicht!

Wie fliegende Edelsteine

Denn was sich in Blumentöpfen oder im Kompost findet, sind die Larven des immer seltener werdenden Rosenkäfers (Catonia aurata). Er gehört bei uns zu den grössten Käferarten und ist geschützt. Und wunderschön, wenn er, mit glänzend grün-goldenem Panzer, wie ein fliegender Smaragd durch die Blumenbeete brummt. Leider macht ihm im Larvenstadium die fatale Ähnlichkeit zu dem Schädling Engerling das Leben schwer.

Dabei sind die beiden  leicht zu unterscheiden: Erstens fressen Rosenkäfer keine Wurzeln, sondern leben von abgestorbenen Pflanzenteilen. So findet man die Larven oft auch im Kompost, wo sie organische Abfälle mittels ihre Verdauungssystems zu dunkler, feiner Erde werden lassen.  Deshalb sind sie gerne gesehene Nützlinge. Lebten zwischen den Wurzeln von Topfpflanzen richtige Engerlinge, also die Larven des Maikäfers, bräuchte man nicht mehr umzutopfen. Die Pflanzen würden von selber eingehen, weil ihnen die Wurzeln abgefressen wurden.

Rosenkäfer gehören bei uns zu den grössten und schönsten Käferarten. Es sind Nützlinge, die sich von Blütennektar ernähren. (pixabay)

Die Larven lassen sich auch unterscheiden: Engerlinge haben etwas längere Beinchen und bewegen sich seitlich gekrümmt fort, während die Rosenkäferlarve sich streckt und sich auf dem Rücken fortbewegt. Wer also in einem Topf mit einer gesunen Pflanze oder im Kompost «Engerlinge» findet, kann sicher sein, dass es sich nicht um Schädlinge, sondern um potentielle fliegende Edelsteine handelt. Und die schlägt man nicht einfach mit der Schaufel tot.

Auch die dicken Rosenkäfer selber richten kaum Schaden an. Sie ernähren sich von Nektar, sind deshalb gerne in Flieder- und Holunderbüschen und natürlich in Rosen zu finden. Gut, vielleicht sieht eine fragile Rose kurz etwas zerzaust aus, wenn sie von einem grüngoldenen Brummer besucht wurde, aber sie erholt sich schnell wieder.

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