Kultur

Addio Andrea Camilleri!

Vor zwei Wochen ist der Altmeister der italienischen Literatur 94jährig verstorben. Nun erscheinen 33 Kurzgeschichten unter dem Titel „Der Teufel, natürlich“. Gerade so, als hätte der Autor der Schweizer Leserschaft ein Abschiedsgeschenk machen wollen – und dazu ein höchst spezielles Lesevergnügen!

Ein Glück für die Leser/innen, dass Camilleri ein umfangreiches Werk hinterlässt: seine unvergleichlichen Montalbano-Krimis, aber auch seine zahlreichen anderen Romane und Geschichten. Immer geistreich, immer spannend und voller Überraschungen, nie zimperlich, sprachlich manchmal sogar höchst deftig. Genau so kommen die jetzt vorliegenden 33 Kurzgeschichten daher.

Die böse Nonna

Diese Kurzgeschichten – sie sind immer nur wenige Seiten lang – enden fast nie gut, fast immer böse, manchmal abgrundtief böse. Kein Wunder, hat doch (fast immer) der Teufel seine Hand im Spiel. Aber: Manchmal ist das Ende eben gar nicht so schlecht, wie im Fall der kratzbürstigen, bitterbösen Nonna. Sie segnet das Zeitliche, stirbt vor lauter Glück an einem Herzschlag. Vermeintlich ein böses Ende – aber eben nur vermeintlich.

Von wegen Bosheit: Nicht ganz so sicher kann man sein bei einem Liebespaar auf Abwegen. Die beiden werden irrtümlich als Terroristen festgenommen, ihre Affäre fliegt auf  – notabene mit bösem Ende. Vielleicht hätte der Autor den beiden ihr Liebesglück doch gönnen sollen? 

Dumm gelaufen und tragisches Ende

Eheleute auf Abwegen ist d a s  Thema in diesen Kurzgeschichten. Blöd, dass sie sich oft erwischen lassen oder sogar erpresst werden. Und wenn man dann glaubt, es wende sich doch noch zum Guten, läuft es geradezu saudumm. Die Erpresste lässt sich die glücklicherweise erhaltenen Beweismittel unglücklicherweise stehlen!

Manche der Geschichten enden aber auch echt tragisch. Wenn ein Rebell meint, er werde endlich aus der Folterhaft frei gelassen, wenn er seine Freunde verrät, und dann trotzdem alles wirklich böse endet. Da wünschte man als Leser/in schon manchmal, dass vielleicht eine andere Instanz und nicht immer nur der Teufel eingreifen würde. Aber es ist halt „Der Teufel, natürlich“.  Für die Leser gibt es deshalb Momente, da ihnen das Schmunzeln auf den Lippen gefrieren mag, das Lachen im Hals stecken bleibt.

Andrea Camilleri

Oft, aber bei weitem nicht immer ist die Dame ein Luder, manchmal ist aber auch der Herr ein ausgemachter Schuft. Da übt Camilleri sozusagen ausgleichende Gerechtigkeit. Dann etwa, wenn einer auf die sprichwörtlichen Krankenschwester-Qualitäten von Frauen spekuliert, letztlich nur, um sie im wahrsten Sinne des Wortes flach zu legen. Und dann endet alles unter dem Motto: Wer andern eine Grube gräbt… Mieser Schuft, ist man bei der  Lektüre oft versucht zu sagen, geschieht ihm ganz recht.

Aber wenn es denn ein Luder ist, dann ein echt durchtriebenes. Ist es zum Beispiel die kranke Mamma, die das unsägliche Schnarchen ihrer Tochter nicht erträgt? Oder vielleicht doch nicht?  Lesen Sie selbst!

Camilleri bleibt sich treu

Camilleri ist sich selbst bis am Ende treu geblieben: In seinen Geschichten strotzend vor Bosheit, in seinen gescheiten Romanen über historische Persönlichkeiten, in seinen unterhaltsamen Krimis. Der Autor ist unverkennbar.

Gegen Ende seines Lebens hat er sein Augenlicht verloren, trotzdem aber nie aufgehört zu schreiben, oder vielmehr seine Texte halt zu diktieren. Die vorliegenden Kurzgeschichten sind 2012 auf Italienisch erschienen. Weitere Bücher von ihm werden noch übersetzt. Und dazu die gute Nachricht für seine Fans in der Schweiz: Beim Verlag sind bereits zwei weitere auf dem Weg.

Andrea Camilleri: „Der Teufel, natürlich“, erschienen bei Nagel & Kiemche, 169 S., ISBN 978-3-312-01130-8