StartseiteMagazinKulturBrignoni und Erni in einer Ausstellung

Brignoni und Erni in einer Ausstellung

Sechs Jahre bloss liegen die Geburtstage vom Schweizer Surrealisten Serge Brignoni und Hans Erni auseinander. Werke der beiden Maler werden im Hans- Erni-Museum im Verkehrshaus Luzern bis am 15. März 2020 ausgestellt

Erstmals seit über 10 Jahren in der Deutschschweiz zeigt das Hans-Erni-Museum wieder das Werk von Ernis Generationsgenossen Serge Brignoni (1903-2002). Mit über 60 Leihgaben aus öffentlichen und privaten Sammlungen ist die ganze Breite von Brignonis Schaffen zu erleben: von den frühen, durch Kubismus und Pittura metafisica inspirierten Gemälden, über die surrealistischen Bilder und Skulpturen bis zu den späten, farbstarken Metamorphosen wird sein Schaffen ausgewählten Werken Hans Ernis gegenübergestellt. Auch Brignonis Sammel- und Forschungstätigkeit zur ozeanischen Kunst wird durch Leihgaben aus dem Museo delle Culture-MUSEC in Lugano fassbar.

                            
Feminité 1931 Brignoni                                           Femme au bord de la mer 1930/1931

«Beide Künstler, geboren in der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts, durchlebten dieselben äusseren politischen und gesellschaftlichen Erschütterungen, wurden Zeugen zweier grosser Kriege, nahmen die in raschem Rhythmus sich folgenden kulturellen Umbrüche der Moderne und künstlerischen Stilwechsel wahr. Für beide wurde Kunst zum Medium, mit dessen Hilfe sie die Wirklichkeit ertasteten, (um-)formten, reflektierten und komponierten», beschreibt Dr. Karl Bühlmann, Präsident der Hans-Erni-Stiftung im Vorwort in der zu dieser Ausstellung herausgegebenen Broschüre die Anfangszeiten der beiden Maler.


Cope, vor 1939 Brignoni

Anekdotisch oder Zufall mag den Umstand nennen, dass der Vater Brignonis als «Pöstler» auf den Nachtzügen zwischen Chiasso und Basel unterwegs war und auf der Fahrt die Briefe sortieren musste, während der Vater Ernis auf dem Vierwaldstättersee als Maschinist unter Deck die Dampfschiffe einheizte.

Gemeinsamkeiten gab es bei Bignoni und Erni auch bei den ersten, nicht zeitgleichen Lehrjahren in Berlin an der Hochschule für Bildende Künste. Beiden hat der Aufenthalt in Berlin nicht gefallen. «Berlin war Bignoni zu kaltschnäuzig», sagt der Kurator Heinz Stahlhut. Erni habe dort die dortige Staatsschule für Kunst als zu verschult empfunden. Beide reisten nach Paris, wo sie in den Anfängen der letzten Dreissigjahre kurze Zeit zum internationalen Zirkel der «Abstraction-Création» gehörten, ihre Werke ausstellten und Picasso kennen lernten.

Serge Brignoni war einer der wenigen Schweizer Surrealisten der ersten Stunde. Hans Erni malte in der Pariser Zeit die ersten abstrakten Bilder. Während Erni die Form bändigte und ausbalancierte, nahm sich Bignoni das Recht heraus, sich im Malprozess psychologisch-instinktiv von der Vitalität des Unbewussten leiten zu lassen. Die Werke in der Ausstellung wirken vor allem mit den Farben und den ästhetischen Bildkompositionen.

Dr. Karl Bühlmann: «Brignoni war beeindruckt und beeinflusst von afrikanischen und ozeanischen Skulpturen. Er entwickelte in der Malerei eine völlig neue Sicht auf die Welt und der Natur: mit pulsierenden organischen Formen, Keimzellen, pflanzlichen Organismen, tierische Formen,  menschlichen Profilen, zerfasernden Blüten, Arabesken und Tentakeln, intensiven Koloraturen und pointilistischen Farbtupfern. Ein Vorhang öffnet sich und lässt den Blick frei auf erfundene und verfremdete Naturen im Zustand der Metamorphose.»


Witwe Doris Erni vor dem Bild Mythos des Pilatus 1979 ihres Mannes Hans Erni

Fotos: Josef Ritler

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