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Fasten heisst nicht leiden

Aschermittwoch ist vorbei und im katholischen Kirchenjahr beginnt jetzt die Fastenzeit, die bis Gründonnerstag dauert. Fasten ist allerdings auch in der Medizin und vor allem in der Komplementärmedizin und Naturheilkunde ein Thema – gerade auch im Frühling.

Vielleicht liegt die katholische Fastenzeit im Frühling, weil früher das Nahrungsangebot, zumindest im bäuerlichen Alltag, dann ohnehin reduziert war: Keller und Scheunen waren langsam geleert, die fetten Schweine, vor Weihnachten geschlachtet, bis auf die letzte Dauerwurst verspiesen. Sogar das Fett wurde knapp, weil mit dem Fasnachtsgebäck die letzten Reste aufgebraucht worden sind. Mit den wärmeren Tagen wären Schweineschmalz und Co. ohnehin ranzig geworden. Also dann Fastenzeit, bis die Hühner wieder mehr Eier legen und die kleinen Lämmchen herangewachsen sind – gerade rechtzeitig aufs Osterfest.

Gefastet wurde schon lange vor unserer Zeitrechnung

Wobei Fasten nicht auf unseren Kulturkreis und unsere Lebensgewohnheiten beschränkt ist. Gefastet wird bei allen Völkern und das schon sehr lange. «Wer stark, gesund und jung bleiben will, sei mässig, übe den Körper, atme reine Luft und heile sein Weh eher durch Fasten als durch Medikamente» empfahl schon der griechische Arzt Hippokrates, geboren 460 v.Chr. Und Moses im alten Testament fastete 40 Tage, bevor er von Gott die zehn Gebote erhielt.

Ein bisschen mehr darf es schon sei, denn Fasten «ganz ohne nichts» gehört zwingend unter ärztliche Aufsicht. (b.r.)

Fasten ist aber mehr als nichts essen. Fasten bedeutet auch den zeitweiligen Verzicht auf alltägliche Gewohnheiten – auf die Tasse Kaffe nach dem Essen zum Beispiel – und Fasten zwingt auch zur Willensstärkung, ist eine spirituelle Erfahrung. Wobei es unterschiedliche Formen von Fasten gibt.

Die Nulldiät mit dem Jo-Jo- Effekt

Die extremste Form ist die Nulldiät, bei der nur Wasser und Tee getrunken wird und die unter ärzliche Aufsicht gehört. Natürlich nimmt man bei einer solchen Hungerkur ab. Schnell treten aber auch Mangelerscheinungen bei der Vitamin- und Mineralstoffversorgung auf. Und der Jo-Jo-Effekt ist programmiert, sobald wieder normal gegessen wird.

Heilfasten wird in Variationen in spezialisierten Kliniken angeboten. Jede «Richtung» hat ihre eigenen Rezepte: Da gibt es das Heilfasten nach Buchinger, bei dem ausschliesslich flüssige Nahrung, zum Beispiel Gemüsebouillon und Obst- und Gemüsesäfte, genossen wird. Die Schrothkur hingegen setzt auf reizarme Kost mit gedünstetem Gemüse, Obst und Getreidebrei und bei der F.X.Mayr-Kur steht der Darm im Zentrum. Das heisst, nach einer Startphase mit Wasser und Tee – und Glaubersalz zur Darmreinigung – wird eine Schonkost angeboten. Früher war das nur Milch und altbackene Semmeln, auf denen dann ausgiebig herumgekaut werden musste.

Fasten nach der Uhr ist gesund, weil dem Körper so kleine Ruhepausen gegönnt werden, was sich positiv auf viele Funktionen auswirkt. (pixabay)

Allen Heilfasten-Angeboten gemeinsam sind die ergänzenden Behandlungen: Wickel, Körperpackungen, Massagen, Gymnastik oder andere sportliche Aktivitäten, Entspannungsmethoden und Meditation.

Fasten ist gesund

Die Leitlinien der deutschen Ärztegesellschaft ‹Heilfasten und Ernährung› listet mehr als 40 Indikationen auf, die für eine Fastentherapie sprechen. Darunter sind Fettstoffwechselstörungen, Diabetes Typ 2, Bluthochdruck, Herzschwäche, Arthrose und Rheuma und andere entzündliche Erkrankungen, Hautkrankheiten und Allergien. Auch bei Depressionen soll ein zeitweiliger Nahrungsverzicht stimmungsaufhellend wirken. Ganz neu ist die Erkenntnis, dass Krebspatienten eine Chemotherapie besser vertragen, wenn vor deren Beginn zwei Fastentage eingelegt werden.

Ganz allgemein baut der Körper beim Fasten vermehrt unbrauchbare oder fehlgeleitete Körperzellen ab. Autophagie heisst dieser Prozess zur Reinigung und Erneuerung der Zellen, der zwar jederzeit und in jedem Körper abläuft, während einer Fastenperiode aber zusätzlich aktiviert wird. Entschlackung heisst das im allgemeinen Sprachgebrauch.

16:8 oder 5:2?

Voll im Trend ist das Intervallfasten, auch intermittierendes Fasten genannt. Sein grosser Vorteil ist, dass es ohne viel Aufwand im Alltag praktiziert werden kann – ein Klinikaufenthalt ist dabei nicht nötig. Wer allerdings krank ist, Medikamente einnehmen muss oder unter Leber- oder Nierenerkrankungen leidet, sollte auch bei dieser Methode zuerst einen Arzt konsultieren.

Auch beim Teilfasten gibt es verschiedene Methoden: Beim 16:8-Fasten wird 16 Stunden am Tag nichts gegessen. Das heisst zum Beispiel, nach dem Abendessen bleibt die Küchentüre bis zum nächsten Mittagessen geschlossen. Oder das Abendessen fällt aus und das Morgenessen schmeckt dafür doppelt so gut. Es lohnt sich, auszuprobieren, welche Essenspause einem besser entspricht. Wer vor Hunger nicht einschlafen kann, wird anders wählen als jemand, der mit leerem Magen und einem Darm, dem langsam die Arbeit ausgeht, tief und fest schläft.

Etwas Nahrung muss sein

Eine andere Form des Intervallfastens ist die 5:2-Methode: Fünf Tage pro Woche wird wie gewohnt gegessen, an zwei Tagen wird an Kalorien gespart: Frauen essen dann nur etwa 500 Kilokalorien, Männer 600. Die beiden Fastentage müssen nicht aufeinander folgen. Eine dritte Methode ähnelt der zweiten: Fastentage und «normale» Tage wechseln sich ab.

Viel Tee und Wasser trinken hemmt nicht nur das Hungergefühl, es unterstützt auch die positive Wirkung der Fastenzeit. (pixabay)

Die Vorteile des Intervallfastens sind wissenschaftlich wenig erfasst, aber das kann jeder selber ausprobieren. Der Gewichtsverlust wird zwar nicht signifikant sein, aber das Körpergefühl und die Körperwahrnehmung verbessert sich. Viele fühlen sich wacher und konzentrierter, andere schlafen besser. Für den Körper sind zeitweilige Fastenperioden, ob die nun länger sind oder jeden Tag nur ein paar Stunden dauern, sinnvoll. Denn von der Evolution ist ständiges Essen gar nicht vorgesehen. Magere Zeiten wecken die Selbstheilungskräfte des Körpers.

Wichtig ist bei jeder Methode, dass genügend getrunken wird – Wasser, ungesüsster Tee, mindestens zwei bis zweieinhalb Liter pro Tag – und dass Bewegung nicht zu kurz kommt, damit der Körper nicht einfach nur Muskelmasse abbaut und Wasser ausscheidet. Aber dann darf getrost in die Fastenzeit gestartet werden – mindestens 40 Tage, bis Gründonnerstag.

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