FrontGesundheitMasken aus dem 3D-Drucker

Masken aus dem 3D-Drucker

Die Coronavirus-Pandemie hat in der Schweiz zu einer ausserordentlichen Lage geführt. Es war zu befürchten, dass auch hier das Gesundheitswesen an seine Kapazitätsgrenzen stossen könnte. Dank rigoroser Massnahmen kam es nicht soweit. Wie war die Universitätsklinik Balgrist betroffen? Wie hat sie darauf reagiert, und wie kehrt sie zum Normalbetrieb zurück? Ein Blick hinter die Kulissen.

Am 25. Februar erreichte das Coronavirus die Schweiz. Im Tessin wurde der erste Fall nachgewiesen. Damit hatte die Taskforce COVID-19 der Universitätsklinik Balgrist gerechnet. Entsprechend war sie darauf vorbereitet, sofort die ersten pandemiebedingten Massnahmen zu treffen. Dabei ging es in erster Linie darum, die bereits geltenden, strengen Hygienemassnahmen zu prüfen. Im ganzen Spital aufgehängte Plakate sorgten dafür, dass auch die Patientinnen und Patienten immer gut informiert waren. Der Zutritt zum Spitalgebäude wurde kanalisiert, die Seiteneingänge wurden geschlossen, und beim Haupteingang die nötigen Kontrollen durchgeführt. Alle Massnahmen hatten von Anfang an zwei Ziele: erstens Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeitende vor Ansteckung zu schützen und zweitens die Verbreitung des Virus eindämmen, um das Gesundheitssystem vor einem Kollaps zu bewahren.

Einschneidende Massnahmen

Schon früh erliess die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich ein Besuchsverbot. Einschneidend für die Patienten. Dann folgte die Anordnung, auf nicht-dringende Behandlungen zu verzichten. Das war für hoffnungsvolle Patientinnen und Patienten sowie für die Klinik gleichermassen gravierend.

Auch die Balgrist-Mitarbeitenden waren von schwerwiegenden Massnahmen betroffen, etwa im Zuge der Schulschliessungen. Übers Wochenende stellte die Universitätsklinik Balgrist in einer Parforceleistung eine internen Kinderhütedienst auf die Beine. Ein Sitzungsraum wurde in ein Spielzimmer verwandelt, eine Ludothek stellte Spielzeug zur Verfügung, und freiwillige Helferinnen und Helfer meldeten sich reihenweise.

Neue IPS früher als geplant eröffnet

Wie auch die anderen Spitäler erhöhte die Universitätsklinik Balgrist die coronaspezifische Behandlungskapazität, um dem erwarteten Ansturm von Covid-19-Patient/innen gerecht zu werden. Dies obwohl sie als spezialisierte Orthopädie-Klinik im Gegensatz zu den Akutspitälern nicht zu den COVID-19-Spitälern gehört – im Balgrist waren denn auch bis heute keine COVID-19-Patienten zu behandeln. Das oberste Ziel blieb indessen, immer genügend Intensivpflegeplätze und Beatmungsstationen bereit zu halten, weshalb denn auch die neue Intensivpflegestation (IPS) früher als geplant den Betrieb aufnahm. Bisher hatte die Universitätsklinik Balgrist im Intensivpflegebereich über vier IMC-Plätze (Intermediate Care) verfügt, wo Patienten mit einem hohen Überwachungs- und Betreuungsaufwand versorgt werden konnten. Mit den sechs neuen IPS-Betten ist nun die minimal vorgeschriebene Grösse einer IPS geschaffen.

Hervorragende Infrastruktur: eines der sechs Intensivpflegebetten auf der neuen IPS.

Not macht erfinderisch

Als Masken und Brillen zum Schutz vor dem Coronavirus weltweit Mangelware wurden, ging das Forscherteam ROCS der Universitätsklinik Balgrist zusammen mit der Balgrist Campus AG und der Balgrist Tec AG innovative Wege. Es produzierte eine Art «face shield» aus dem 3D-Drucker. Dieser Gesichtsschutz ist sterilisierbar und mit einer austauschbaren, sich nicht beschlagenden Spezialfolie versehen – ein Beitrag namentlich zum Schutz der Mitarbeitenden im Spital.

Not macht erfinderisch: Gesichtsschutz-Masken aus dem klinikeigenen 3D-Drucker. Fotos: Universitätsklinik Balgrist

Information schafft Vertrauen

Ein wesentlicher Faktor zur Bewältigung der ausserordentlichen Lage war die Information der Mitarbeitenden. Systematische und regelmässige interne Kommunikation hielt sie auf dem Laufenden. Ausserdem stand ihnen eine Hotline für sämtliche medizinischen, betrieblichen und auch persönlichen Anliegen offen.

Wenn die Universitätsklinik Balgrist jetzt den Normalbetrieb langsam wieder aufnimmt, lässt sie das ursprüngliche Ziel der Corona-Bekämpfung nicht aus den Augen: den Schutz von Mitarbeitenden und Patientinnen und Patienten. Deshalb werden gewisse Massnahmen sogar verschärft. Mit den ersten Lockerungen geht z. B. eine generelle Maskentragpflicht im Spitalgebäude einher. Rückblickend hat sich gezeigt, dass wir eine ausserordentliche Lage überstehen und die befürchteten Szenarien vermeiden konnten – dank vorausschauender Planung, verbunden mit situationsgerechter Flexibilität und der aussergewöhnlichen Leistungsbereitschaft der Mitarbeitenden aller Bereiche sowie zugezogener Fachleute.

Mehr Informationen erhalten Sie unter www.balgrist.ch

2 Kommentare

  1. So einen ähnlichen Shield druckte mir mein Mann als erstes, als keine Masken erhältlich waren. Bin noch nicht 100% glücklich, da das Band und die Visierlänge nicht optimal sind – aber: als Alternative super.
    Mittlerweile gibts anscheinend Shields, die man am Brillengestell befestigen kann? Iwann werde ich es suchen und drucken lassen.

    Auch praktisch: Lampenhalterung für den Spiegel bei ISK.
    So ein 3D – Drucker ist was feines, gepaart mit der Idee / Umsetzung kann etwas Gutes für viele enstehen.

    So brutal und zerstörerisch die Situation war / ist – man sah, dass auch Gutes daraus entstehen kann – wenn alle mithelfen.

    In diesem Sinne, merci für den Einsatz und bleibt gesund.

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