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Lachen ist gesund

Lachen im Museum? Unbedingt! Doch worüber lachen Schweizerinnen und Schweizer und wofür werden wir belächelt? Diese und weitere Fragen beantwortet die Ausstellung «Made in Witzerland» im Schweizerischen Nationalmuseum in Schwyz.

Die vielfältige, multimediale Ausstellung wirft einen differenzierten Blick auf die humorvolle Seite der Schweiz – mit Karikaturen seit dem 19. Jahrhundert, zeitgenössischen Cartoons und national wichtigen Figuren wie HD Läppli und Clown Grock. In der guten alten Fernsehstube begeistern Ausschnitte von Schweizer Comedy-Sendungen und Kinokomödien.


Militärdienst für Frauen. Und nun sprechen wir über Lohngleichheit. Karikatur von  Patrick Chappatte

«Made in Witzerland» thematisiert in einer Reise durch die facettenreiche Welt von Humor, Witz und Satire auch Alltagskomik, schweizerische Stereotypen und Klischees oder politisch und sozial unkorrekte Witze. Gleichzeitig widmet sich die Ausstellung dem ungleichen Humor von Mann und Frau sowie der kindlichen Auffassung von Ironie und Situationskomik, pointiert dargestellt in einer überraschenden Szenografie.

Alfred Rasser als Soldat HD Läppli. Foto: Keystone/Photopress-Archiv

Humor ist vielfältig: Er kann kämpferisch, politisch, böse oder harmlos, gewagt und mitunter anzüglich sein. Er ist alltäglich, aber selten banal. Humor, Satire und Witz – Themen, die in eine Ausstellung selten Eingang finden. Genau wie überlieferte Traditionen und Rituale ist auch der Witz ein immaterielles Kulturgut, das vom «Volksmund» dauernd aufs neue erfunden wird. Die Ausstellung «Made in Witzerland» verleiht dem Humor ein Gesicht. So wird er für die Besucherinnen und Besucher greifbar – und sorgt damit bei Gross und Klein für leises Schmunzeln oder heiteres Gelächter.
Gerade inmitten der Coronavirus-Zeit setzt die Ausstellung einen erfrischenden Kontrapunkt und zeigt, wie fliessend die Übergänge zwischen Ernsthaftigkeit, Satire und Witz in schwierigen Zeiten sein können.

Zarli Carigiet und  Ruedi Walter 11. September 1959. Foto: Keystone/Jules Vogt

Die Museumsräume erinnern an einen Rundgang durch eine Wohnung. Zu finden sind Stube, Fernsehzimmer und Toiletten. Beim Eingang erwartet die Besucher die drei auf der Holzbank sitzenden Appenzeller mit den Sprüchen: «Was ist eigentlich unser Geheimnis? So tun, als hätten wir eines.» Veröffentlicht im Nebelspalter 2018 und heute noch als Werbespot im Fernsehen zu sehen, wenn es um das Geheimnis des Appenzellers Käses geht.

Auch Magazine können lustig sein. Die Satirezeitschrift Nebelspalter erscheint seit 1875 ohne Unterbruch und ist damit die älteste der Welt. Der Zeichner Carl Böckli (1889-1970), der Generation des Zweiten Weltkriegs unter dem Kürzel Bö bekannt, kommentierte über 35 Jahr als Redaktor das Weltgeschehen. Mit seinen Karikaturen und satirischen Texten wird er in den 1930er-Jahren zum Inbegriff des geistigen Widerstands. Einige Beispiele sind in der Ausstellung zu sehen.


Die «Geistige Landesverteidigung» verdichtet sich in der Figur des kleinen Sennenbuben, eines gewitzten und naiven Berglers mit «Sennenchäppi»

Mit der geistigen Landesverteidigung befasste sich auch eine Zeichnung mit einem kleinen Sennenbuben mit einem Schweizer Fähnchen. «Nu nüd so schüch Schwyzerli, s’chunnt nüd uf d’Grössi vom Fähnli a!»

Auch die Werke des Schweizer Karikaturisten Patrick Chappatte, der schon für die «New York Times» zeichnete, ziehen sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung.


Pausenplatz/Kinderwitz

Der Pausenplatz ist dem Kinderwitz gewidmet. Spiele, Reime, Verse und Lieder erinnern an die eigene Jugend und an die bewusste Ironie, das Gefühl für Situationskomik und die Fähigkeit, Pointen präzis zu setzen. In aufgelegten Witzbüchern trifft man auf alt bekannte Witze wie: «Welches war der beste Skifahrer aller Zeiten? Nein, nicht Pirmin Zurbriggen, sondern Jesus. Der hat sogar die Auffahrt gewonnen.»

Oder: «Bundesrat Ogi brütet über einem Kreuzworträtsel. Gesucht wird ein Bundesrat mit drei Buchstaben. Er murmelt vor sich hin: ‘Bundesrat mit drei Buchstaben…drei Buchstaben.’ Seine Frau, die strickt, schaltet sich ein. ‘Das bis du. Er bedankt sich und schreibt in die Felder: ICH.»


In der Fernsehstube können Besucherinnen und Besucher Ausschnitte aus den verschiedenen Comedy-Sendungen des Schweizer Fernsehens und Kinofilmkomödien anschauen

Wo kann man schliesslich besser TV-Sketche und Schweizer Filmkomödien in Szene setzen als in dem im Stil der 60-erJahre eingerichteten Fernsehzimmer? Filme vom  Hilfsdienst-Soldat HD-Läppli (Alfred Rasser) und  Emil auf der Post über Charles Adrin Wettach alias Clown Grock bis zu Giacobbo/Müller sind in den Sofas und Sesseln gemeinsam mit anderen Besuchern zu sehen. Gemeinsames Lachen ist gesund.


Toilette. Frauen-Witze über Männer und Männer-Witze über Frauen sind gemäss Sigmund Freud «tendenziöse» Witze. Zutritt ab 18 Jahren

Männer und Frauen lachen unterschiedlich. Aufgezeigt wird dies unter anderem in zwei im Discostil ausstaffierten Toiletten, deren Wände mit Schriften und Graffiti übersäht sind.

Die Ausstellung dauert bis 24. Januar 2021.

Fotos: Josef Ritler

https://www.youtube.com/watch?time_continue=89&v=pS4lIhok-mo&feature=emb_logo

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