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Es ist Hochsommer

Das Wetter meint es doch gut mit uns. Zwar sind die südlichen Strände vernünftigerweise kein Reiseziel im Sommer 2020, dafür aber kommt die Hitze zu uns. Und plötzlich wird Siesta für viele zu einem täglichen Ritual. Für uns Ältere zumindest, die nicht mehr an heissen Arbeitsplätzen, aktuell auch noch ohne virenschleudernde Ventilatoren, ausharren müssen.

Gartenarbeit war in den letzten Wochen für viele eine gern genutzte Beschäftigung. Und jetzt kann, nach dem Vorprogramm, das seit März läuft, ins Hauptprogramm geschaltet werden. Was heisst: ernten, pflücken, geniessen – und auch mal fünf gerade sein lassen.

Wenn da nicht immer der sorgenvolle Blick zum Himmel wäre. Gibt es heute Nacht wohl ein Gewitter, zieht vielleicht sogar ein Hagelzug vorbei? Die aktuell so heissen Tage führen dazu, dass sehr viel Wasser verdunstet. Die feuchtwarme Luft steigt auf und die kleinen Wassertropfen ballen sich zu Wolken zusammen. Deren Dynamik ist gewaltig. Wie in einer vertikal rotierenden Waschmaschine werden die Wassertropfen auf und ab geschleudert, werden zu elektrisch aufgeladenen Eiskügelchen und manchmal zu Eiskugeln, die, wenn sie zu schwer werden, mit hoher Geschwindigkeit vom Himmel fallen.

Hagel und Starkregen

Jede und jeder von uns kann von solchen Unwettern erzählen, mit Hagelkörnern, so gross wie Kirschen oder Aprikosen. Und wie schnell kann ein Sommergarten zu einer kahl geschlagenen, traurigen Einöde werden. Zum Glück sind solche Hagelzüge selten – und ein reinigendes Gewitter in der Nacht, das in kurzer Zeit sehr viel Regen bringt, ist in Hitzeperioden ja meist willkommen.

Gewitter sind wunderbare Naturphänomene. Wenigstens solange sie keine Schäden anrichten.

Obwohl auch dieser Starkregen einiges an Schäden anrichten kann. Vor allem in den sauber aufgeräumten Gärten, wo kein ungebetenes Pflänzchen die glatt gerechte Erde verunziert. Dieser Boden wird verschlämmt und trocknet am nächsten Sommertag zu einer harten Schicht.

Ich wundere mich oft über diese mit so viel Mühe «nackt» gehaltenen Gartenbeete und frage mich, weshalb eine ständige Bodenbedeckung nur bei Ökofundis so selbstverständlich ist. Es ist doch die natürlichste Sache der Welt. Nirgends in der freien Natur gibt es unbedeckte Böden. Sie sind entweder überwachsen oder mit Laub, Nadeln oder Steinen bedeckt.

Die freie Natur als Beispiel

Ein unbedeckter Boden wird in der Hitze schnell hart und rissig und kann in diesem Zustand auch kaum Wassser, sei es aus der Giesskanne oder «von oben», aufnehmen. Ein bedeckter Boden hingegen speichert das Wasser länger, bleibt krümelig und gleicht auch Temperaturunterschiede aus. Durch die Verrottung der Naturmaterialien entsteht zudem immer etwas Humus, denn auch die Würmer sind unter der schützenden Schicht fleissig am Werk.

In der freien Natur bleibt kein Fleckchen Erde unbedeckt.

Mulch heisst das Zauberwort. Das kommt aus dem Englischen (unverrottetes Material) und wurde mit dem Trend zum ökologischen Landbau im späten 20. Jahrhundert auch bei uns populär. Vielleicht meinten Bauern in einigen deutschen Gegenden aber bereits im 16. Jahrhundert dasselbe mit dem Wort «mulsch», was angefault oder weich bedeutet.

Gemulcht wird mit organischem Material. Sei es, dass man aufgeschossenenen Salat fein schneidet und über ein Beet verteilt, oder dazu spezielle Kräuter wie Senf, Phacelia, aber auch die Blätter des Beinwell oder Comfrey, Borretsch oder Liebstöckel verwendet. Auch Rasenschnitt ist, dünn aufgetragen, eine gute Bodendecke.

Kleiner Naturkreislauf

Viel hilft bei Mulch aber nicht viel. Dicke Schichten organischen Materials ziehen nur Schnecken an. Auch Sägemehl, Hobelspäne oder im Handel erhältlichen Rindenmulch sollte nur sehr dosiert verwendet werden. Diese Stoffe machen den Boden sauer und sind deshalb nur bei Rhododendren oder einigen Beerenarten erwünscht. Im Fachhandel gibt es zudem gehäckseltes Schilf zu kaufen, Häckselware aus dem eigenen Garten tuts aber auch. Und gibt erst noch ein gutes Gefühl, schafft man so doch einen kleinen Naturkreislauf.

Hagelkörner machen einen grünen Sommerrasen unvermittelt zur Winterwiese.

Wer seinen Gartenboden, sei es im Gemüsegarten oder im Rosenbeet, so pflegt, schaut dem nächsten Starkregen gelassen entgegen. Er wird kaum Schaden anrichten. Gegen dicke Hagelkörner allerdings nützt auch die schönste Bodendecke nichts.

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