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Gangsicher bleiben

Im Alter lassen Kraft, Gleichgewicht, Sehvermögen und Reaktionsfähigkeit nach. Damit steigt das Risiko für Stürze. Da auch die Knochen brüchiger werden, kann ein Sturz im Alter Verletzungen zur Folge haben. Mit einem Gangsicherheitstraining können Sie vorbeugen.

Patientensicherheit Schweiz zufolge stürzt in der Schweiz jeder dritte Mensch ab 65 Jahren mindestens einmal pro Jahr. Wenn sich Gestürzte etwas brechen, kann dies grosse Probleme mit sich bringen. «Dies kann die Pflegebedürftigkeit erhöhen oder auch eine Heimeinweisung nötig machen», weiss die Physiotherapeutin Nadine Frei.  Mit einer Sturzprävention kann man vorbeugen.

Gangsicherheit trainieren

«Damit Menschen bis ins hohe Alter ohne Hilfsmittel mobil bleiben, müssen sie regelmässig ihre Kraft, ihre Koordination und ihr Gleichgewicht trainieren», betont Physiotherapeut Manuel Bischofberger. Studien belegen, dass Senioren, die regelmässig trainieren und aktiv sind, weniger stürzen als Untrainierte. Sie verletzen sich auch weniger, falls es doch einmal passiert. Die Universitätsklinik Balgrist bietet deshalb ein Gangsicherheitstraining an, das Frei leitet: «Dieses wöchentliche Gruppentraining richtet sich an Menschen, die mobil sind und in ihren vier Wänden keine Gehhilfen brauchen.» Jedes Gangtraining startet mit einer Anamnese. «Wir befragen die Teilnehmenden, ob sie bereits gestürzt sind, wobei genau sie unsicher sind und welche Aspekte sie trainieren möchten», erklärt Frei und gibt einen Tipp. «Wir empfehlen Älteren, die sich beim Laufen unsicher fühlen, mit ihrem Hausarzt darüber zu sprechen und sich gegebenenfalls ein Gangsicherheitstraining verordnen zu lassen.» Je nach Zustand sei manchmal zuerst eine aufbauende Krafttherapie oder eine medizinische Trainingstherapie notwendig.

Sturzfallen entfernen

Viele Ältere stürzen zuhause, wo sie sich vermeintlich sicher fühlen. Schuld sind meist Sturzfallen. «Dann stehen Schuhe im Weg, der Boden ist nass oder man stolpert über den Teppichrand», so Bischofberger. Griffe oder Handläufe an relevanten Stellen wie zum Beispiel im Bad erhöhen die Sicherheit. Auch die Lichtverhältnisse und das Sehvermögen seien relevant. Eine gut eingestellte Brille und ausreichende Beleuchtung sind ebenso wichtige Sicherheitsfaktoren. Frei achtet zudem speziell auf die Schuhe der Patientinnen und Patienten: «Stabiles Schuhwerk ist für die Gangsicherheit enorm wichtig». Zur Sturzprävention gehört auch, dass die Medikation oder Erkrankungen angeschaut werden. Frei erklärt: «Schmerz- oder Schlafmittel können Schwindel auslösen, Depressionen und Demenz zu Gangunsicherheit führen.»

Ein Sturz kann vieles auslösen

«Ist jemand bereits einmal gestürzt, steigt das Risiko, wieder zu stürzen», bemerkt Bischofberger. Viele werden dann unsicher und vermeiden Aktivitäten. Um diese Angst zu reduzieren, trainiert Frei mit ihren Teilnehmenden das Wiederaufstehen: «Viele leiden unter Sturzangst, weil sie befürchten, nicht mehr hoch zu kommen.» Für sie kommen auch Hilfsmittel in Frage: «Stöcke, Rollatoren, Wanderstöcke oder Unterarmstöcke können mehr Sicherheit bieten», sagt Frei. Oft müsse dafür aber zuerst Akzeptanz geschaffen werden, was manchmal etwas Überzeugungsarbeit der Physiotherapie braucht. «Entscheidend ist aber, dass die Hilfsmittel richtig eingestellt und gewartet sind», ergänzt Frei, «nur dann garantieren sie mehr Sicherheit.»


Die Physiotherapeutin Nadine Frei arbeitet seit 2018 in der Universitätsklinik Balgrist. Einer ihrer Therapieschwerpunkte ist das Gangsicherheitstraining. Manuel Bischofberger leitet das Physiotherapieteam für die technische Orthopädie, den Reha-Bereich und die Tagesklinik. Der Physiotherapeut arbeitet seit 13 Jahren in der Universitätsklinik Balgrist.


Das A und O der Sturzprävention

  • Mobilität aufrechterhalten
  • Koordinationsvermögen, Kraft und Gleichgewicht verbessern
  • Sehfähigkeit verbessern
  • Stolperfallen vermeiden
  • Medikation überprüfen und gegebenenfalls anpassen

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