FrontLebensartGabi Kopp: Kochen, Zeichnen, Reisen

Gabi Kopp: Kochen, Zeichnen, Reisen

Gabi Kopp hat in der kulturellen und kulinarischen Szene seit Jahren einen festen Platz. Der Autor hat Gabi Kopp in ihrem Wohnatelier in der Teiggi in Kriens besucht und zeichnet ein Porträt einer ungewöhnlich vielseitigen Frau.

Gabi Kopp ist – neben vielem anderen – Illustratorin und Cartoonistin – Köchin und Kochbuch-Autorin. Zuletzt erschienen von ihr «Meze ohne Grenzen» (Rezepte, Geschichten, Menschen), zuvor das «Das Istanbul Kochbuch» und «Das Persische Kochbuch». Durch Freunde und Bekannte hat sie den Zugang zur Türkei, zu Libanon, Griechenland und Zypern gefunden und Land, Leute und Küchen kennen gelernt. Wochenlang habe sie in einheimischen Küchen verbracht, Rezepte aufgeschrieben, sich Geschichten erzählen lassen, fotografiert und skizziert. Entstanden sind Kochbücher, die sich lesen wie Geschichten aus 1001 Nacht.

Illustration von Gabi Kopp

Kochen und Zeichnen gehöre zu ihren Kindheitserinnerungen. Die Küche ihrer Mutter – Zeichnen im Kindergarten. Gestritten hätten sich die sechs Geschwister jeweils um das Ausschlecken der Salatsauce und das Aussaugen einer Tube Kondensmilch. Gabis Mutter sei eine ausserordentlich vielseitige Köchin gewesen. Bei Kopps kamen Speisen auf den Tisch, die viele ihrer Freunde nicht kannten. Zum Beispiel Artischocken, Schnecken und ganze Fische vom Markt. Das Zeichnen hat Gabi im Kindergarten entdeckt. Später hat sie Comicstrips ohne Worte gezeichnet. So sei Zeichnen zu ihrer Sprache geworden.

Ihr Lieblingsgericht? Sie will sich nicht festlegen. Ihr gefalle die Vielfalt der Geschmäcker und Gerüche. Der «Duft des Reises» in einer iranischen Küche oder das libanesische Fatteh Hommos aus Kichererbsen, Joghurt, gerösteten Nüssen und Fladenbrotstückchen mit Auberginen oder Hackfleisch. Nach einer Gnocchi-Phase sei sie gerade auf dem Einmach- und Fermentier-Trip: Sauerkraut, Oliven, Salzzitronen, Sauerteigbrot oder getrocknete Bio-Orangen.

Gabi Kopp versteht sich als Selbstständig-Erwerbende und lebt vom Umsetzen ihrer Ideen in attraktive Projekte. Sie besuchte die Kunstgewerbeschule und das Kindergartenseminar, arbeitete zwei Jahre als Kindergärtnerin und wurde dann Mitgründerin und Köchin im legendären Widder-Kollektiv in Luzern. Dies sind die einzigen Festanstellungen in ihrem Leben. Unter dem Titel «Im Widder machten alle alles» schildert sie 20 Jahre später in der WOZ, wie sie die wilden 80er Jahre in Luzern erlebt und gelebt hatte:

«In Luzern nahm die achtziger Bewegung nicht weiter an Militanz zu, weil die Behörden geschickt einlenkten. Schon bald stellte die Stadt den «Werkhof» als Jugendhaus zur Verfügung. Das ehemalige Gefängnis «Sedel» wurde (vor genau 40 Jahren) als Probelokal für Musikgruppen freigegeben. Es entstand die Gassenküche und in späteren Jahren kamen neue kulturelle Einrichtungen hinzu, zum Beispiel die Kulturzentren BOA und Schüür».

Seit sechs Jahren gestaltet sie den Schoggitaler. Und seit der ersten Ausgabe der NZZ am Sonntag vor 19 Jahren ist Gabi Kopp jede Woche zuständig für die eigenwillige Illustration zur politischen Autorenkolumne. Dieses Jahr wird sie der «NZZaS» ihr tausendstes Bild abliefern.

Illustration von Gabi Kopp für NZZ am Sonntag.

Mit einem iranischen Reisebüro führt sie seit ein paar Jahren kulinarische Reisen durch, auf denen die Teilnehmenden auch einige der von ihr beschriebenen Köchinnen vor Ort kennen lernen können.

Corona treffe ihre Koch- und aufwändig recherchierten Reiseangebote brutal. Die Reisen mussten schon mehrmals verschoben werden. Ob die für Herbst geplanten Reisen «Kulinarische Wanderreise in der türkischen Ägäis» und «Iranreise Kultur und Küche» durchgeführt werden ist offen.

Heute wohnt Gabi in der «Teiggi» in Kriens. Die Atmosphäre gefalle ihr und erinnere sie manchmal ein wenig an die Widder-Zeit.

Ihr nächstes Projekt? Kochkurse mit Rezepten aus ihren Kochbüchern, angepasst mit saisonalen und hiesigen Produkten. Vielleicht ein Kochbuch mit einfachen Rezepten aus Alltag und der cucina povera. Oder etwas, das noch in den Sternen steht.

Titelbild: Gabi Kopp. Foto: Joseph Schmidiger

GABI KOPP


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