FrontGesellschaftTabula rasa bei SRF

Tabula rasa bei SRF

Der Aderlass schmerzt. Was steckt hinter dem Abgang prominenter TV-Sport-Moderatoren bei SRF? Sparzwänge oder eine Verjüngung auf Teufel komm raus? Und weshalb kommen in den News-Sendungen immer mehr ARD-Korrespondentinnen und Korrespondenten zu Wort?

Nach 20 Uhr und an Wochenenden verkommen die SRF-News je länger je mehr zu Nachrichten aus zweiter Hand. Dann berichten immer häufiger ARD-Korrespondentin X oder ARD-Experte Y aus ausländischen Brennpunkten. Wo ist dann eigentlich unser eigenes Korrespondentennetz, welches das Flaggschiff ‹Echo der Zeit› und ‹Rendez-vous am Mittag› seit Jahrzehnten so erfolgreich betreut? Sind sie einfach das Opfer einer weiteren Sparrunde?

Weshalb in der SRF-Wirtschaftsredaktion neuerdings eine Quasselstrippe aus dem hohen Norden im Stakkato-Rhythmus unsere Ohren traktiert, will mir auf Anfrage niemand verraten. Steht es tatsächlich so schlimm um den eigenen Journalisten-Nachwuchs? Es käme keinem deutschen Sender je in den Sinn, eine Schweizer Journalistin mit unverkennbarem helvetischem Idiom an ihre Mikrofone zu lassen. Auch in Interviews überwiegen deutsche Experten-Stimmen schon längst, und man reibt sich die Augen, weshalb das so sein muss. Und in der täglichen Sendeleiste ‚Kontext‘ auf SRF2 Kultur tönt es schon lange, als befände man/frau sich auf einer deutschen Sendestation. Wohl gemerkt, es geht hier nicht um Ausgrenzung. Es ist vielmehr eine Frage nach der eigenen Identität. 

Heinz Günthardt nach 36 Jahren eiskalt abserviert

Tennis-Legende und SRF-Kommentator Heinz Günthardt wird unrühmlich kalt gestellt 

Es ist in Affront sondergleichen: Der Tennisexperte Heinz Günthardt, selber einer der besten Tennisspieler, den die Schweiz je hatte, begleitete die Karrieren von Marc Rosset, Martina Hingis, Stanislas Wawrinka und Roger Federer während der drei letzten Jahrzehnte als TV-Kommentator immer mit grossem Sachverstand, stets unaufgeregt, nie anbiedernd und immer sehr informativ. Und nun zeigt ihm SRF die kalte Schulter, mit dem fadenscheinigen Argument, man backe nach dem absehbaren Karrierenende unserer Tennis-Ikone in der Kommentierung über die Filzbälle nun kleinere Brötchen und dünne das Angebot aus. Es ist auch Federer gegenüber eine sehr unsensible Begründung. Und der Nachwuchs zeigt durchaus hoffnungsvolle Perspektiven. Der Mohr hat seine Pflicht getan, Heinz Günthardt kann gehen.

Stefan Bürer, SRF-Kommentator, hat das Handtuch geworfen / Fotos © SRF

Auch sein Mit-Kommentator und siamesischer Tenniszwilling Stefan Bürer verlässt SRF aus eigenem Antrieb. Zuvor warfen schon Steffi Buchli und Jann Billeter, alles Vollprofis, das Handtuch. Dass seit einiger Zeit weiblicher Nachwuchs in deren Fussstapfen treten soll, wäre an sich erfreulich, wenn eine ähnliche Kompetenz auszumachen wäre. Dem ist leider nicht so. 

Das Damoklesschwert der Sparzwänge hängt schon lange bedrohlich über der SRG, aber nun schwimmen ihr auch noch die besten Felle davon. Auch die Übertragung der Fussball-Champions-League wurde von Privaten übernommen. Wie lange Rainer Maria Salzgeber unter den gegebenen Umständen SRF noch die Treue hält, steht in den Sternen. Konsequent wäre eigentlich das Kappen der klimaschädlichen und hirnrissigen Auto- und  Motorradrennen, doch die SRF-Obrigen scheinen sich ähnlich sinnlos im Kreis zu drehen wie die Formel-1-Boliden.  Quo vadis SRF? Es brodelt schon lange im grössten Medienhaus der Schweiz und ein Ende ist leider nicht abzusehen.  

9 Kommentare

  1. Der Quoten-Genderismus muss nun – unter der Führung einer Frau – halt nun auch bei SRF durchgedrückt werden. Ältere Männer, unabhänig von grosser Kompetenz und Zuschauer-Beliebtheit, stehen da im Weg und werden «weggeputzt». Die Frauenquote muss erfüllt werden, die Kunden: Gebühren-Zwangszahler fragt man eh nicht, die dürfen ihren Obolus abdrücken und sonst den Mund halten! Dabei sind die treusten SRF-Kunden im Rentenalter und fühlen sich wohl mit bewährten Köpfen und Stimmen. Nun werden die auch noch vor den Kopf gestossen und mit teutonischem Import und Parvenus abgespeist.

    • Ganz genau. So ist es ! Schade, was für eine bedauerliche Entwicklung. Wenn das so weitergeht…? Ich glaube nicht, dass es vor allem am Geld liegt, sondern an der neuen Chefetage.👎

  2. Die Reporter, Korrespondenten u. Moderatoren machen ihre Sache im Allgemeinen gut. Aber es braucht nicht überall noch 2 superschlaue Experten mit ellenlangen Diskussionen und Fragen zu den Athleten: „Wie fühlen Sie sich nach diesem Sieg/ Niederlage?“

  3. Hat das mit Minderwertigkeitskomplexen zu tun? Will man in Zürich „weltmännischer“ tönen? Wo bleibt die eigene Identität? In anderen europäische Ländern, wie Frankreich und Italien, ist man stolz auf seine Sprache und seine Kultur – und beweist das auch.

  4. Hat das mit Minderwertigkeitskomplexen zu tun? Will man in Zürich „weltmännischer“ tönen? Wo bleibt die eigene Identität? In anderen europäische Ländern, wie Frankreich und Italien, ist man stolz auf seine Sprache und seine Kultur – und beweist das auch.

  5. Ich stelle fest: Es wird, ohne die ZuhörerInnen zu konsultieren, gekippt, gestrichen ohne Ende. So z.B. auch die » Morgengeschichten » – eine der besten Sendungen seit jeher ! Jahrelang habe ich mich täglich auf diese Geschichten gefreut ! Und dann – einfach wegrationalisiert !
    An sich sollten sich die Unzufriedenen organisieren und die Gebühren auch einfach wegrationilisieren, sprich, nicht mehr bezahlen. Oder die Verantwortlichen aufzufordern, das Gehalt dieser » Chefin » entsprechend prozentual zu kürzen.
    Es wird nicht mehr lange dauern, und das gute, alte Radio wird der Vergangenheit angehören. Da können sie noch so viele nigelnagelneue DAB + Radios verschenken.
    Uebrigens – Mit nostalgischem Denken hat mein Kommentar nichts gemeinsam. Ich finde es schlicht und einfach schade, dass man oft geistreiches Radio durch selbstverliebte Moderatoren ersetzt.

  6. Unter der neuen Leitung hat sich das Niveau der Sendungen v. a. TV und Radio SRF1 dramatisch verschlechtert. Kriegt man auf primitiv «flopsig» und «jung» wie Deville u. a. parlieren mehr Zuschauer, bzw. Hörer? Ist es nötig, sich dem Niveau des «hässlichen Schweizers» anzupassen, der sich an den Stränden der Karibik und Thailands vergügt? – «Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt.» (Wittgenstein)
    Sollte sich Frau Direktorin diesen Saatz nicht mal zu Gemüte führen?
    Auch Radio SRF2 hat m. E. an Niveau eingebüsst. Gottseidank gibt es da noch SWR2.

  7. Alles was Kompetenz hat und gescheit ist, wird in den Medien wegrationalisiert. Man könnte meinen, die Programminhalte müssten sich dem Niveau der Chefs und vor allem Chefinnen anpassen. Auch „Eco“, eines der interessantesten Formate, muss darum liquidiert werden. Es ist bedenklich! Aber vielleicht (oder hoffentlich) rationalisieren die sich selber weg!

  8. Die Kommentare treffen alle den Nagel auf den Kopf! Besonders die Feststellung von Herrn Hertig: die, die das Sagen haben, kümmern sich überhaupt nich um die Meinung der Zuhörer und Zuhörerinnen. Ich habe einmal «gemotzt» wegen des blöden «Pausenlärms» auf SRF 4 News. Die Antwort von Herrn Michael Bolliger war, die «Musik» sei das Werk eines Sounddesigners! Was sagt man dazu? Früher haben Komponisten komponiert und nicht designed. Übrigens, der Lärm wird immer noch abgespielt.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Beliebte Artikel