Sommerloch

Es kann sein, dass sich Gesundheit und die Liebe zum Garten überschneiden. Bei der Ernte frischer Salate und Kräuter etwa. Grünzeug ist ja so gesund und macht sich zudem im Garten ausnehmend gut. Dass ein ganz gewöhnlicher Garten auch ein Arsenal für Giftmorde aller Art sein kann, beweisen Bücher der begeisterten Köchin und Krimiautorin Klaudia Blasl.

Da sollte ein Gartenbeitrag geschrieben werden, aber der Garten präsentiert sich so trist, dass am liebsten gar nicht hingeschaut wird. Der Regen, Temperatursprünge und die dieses Jahr geradezu akute florale Hochsommerflaute haben aus dem Garten eine langweilige Grünbrache gemacht. Da helfen auch die in anderen Jahren üppig blühenden Taglilien und die sich langsam entfaltenden Sonnenblumen nicht viel. Die Fairyröschen, die in der Regel bis fast zum St.Nikolaustag durchblühen? Haben einfach aufgegeben. Der unverwüstliche Phlox? Fault quasi von innen heraus.

Pflanzen, die nicht gesund sind

Da hilft nur der Griff zu einem Gartenbuch. Oder zu zweien. «Böse Blumen» von Klaudia Blasl enthält zwölf giftige Pflanzenkrimis und «111 tödliche Pflanzen, die man kennen muss», ist die stimmige Ergänzung dazu. Und hoffentlich können die Bücher in der Sonne sitzend gelesen werden! Auch dann wird es einen ziemlich oft ziemlich kalt den Rücken hinunterlaufen.

Denn Klaudia Blasl zeichnet in witzigem Plauderton den ganz gewöhnlichen Garten als einen Giftschrank, der nur mit höchster Vorsicht oder – wenn es dann nötig werden soll – mit Umsicht geöffnet werden sollte. In «Böse Blumen» ist es ab und zu nötig. Sei es wegen der pädophilen Neigung des Ehemannes, die das einzige Kind in den Tod getrieben hat, sei es wegen der Nachbarin, genauer wegen deren Hund, oder als Racheakt für eine längst verjährte Tat.

«Narzisse, schlecht für Zwiebelsuppe und Salate», schreibt Klaudia Blasl. Deshalb gelte in öffentlichen englischen Gärten: «Don’t eat the daffodils».

Witzig ist die Beschreibung der Wellnessklinik, die den Gästen einen Gewichtsverlust von zehn Kilogramm innert zehn Tagen verspricht – und dieses Versprechen auch hält. Oder der mit Hilfe von Apfelkernen herbeigeführte Tod eines Golfers am 13. Loch. Dass Therapien, die dem müden Ehemann auf die Sprünge helfen sollen, nicht so einfach im Garten zu finden sind, wird ziemlich ausufernd und etwas ermüdend erklärt – mit überraschender Schlusspointe.

Meiden, der Gesundheit zuliebe

Und damit kommen wir zum gesundheitlichen Aspekt. Dass Fingerhut und Goldregen in einem Garten, in dem Kinder spielen, nichts zu suchen haben, ist wohl allgemein bekannt. Aber dass die im Frühling freudig begrüssten Osterglocken, die duftenden Dichternarzissen ziemliche fiese Beschwerden verursachen können, überrascht doch. Keine gute Idee also, Narzissenzwiebeln in der Küche aufzubewahren, wo es zu Verwechslungen kommen kann. Floristinnen und Gärtner kennen zudem die Narzissendermatitis, die ihnen den schönsten Frühlingsbeginn vergällen kann.

Auch der in vielen Gärten vorhandene Kirschlorbeer ist ein wahrer Giftzwerg, vor dessen Blättern und Früchten gewarnt wird: «Lieber eine Betonmauer als diese ökologische Pest». Sogar die allseits beliebte Hortensie mit ihren dekorativen Blütenkugeln kommt bei Blasl nicht gut weg. Dabei sollen die ersten Triebe im Frühling sehr beliebt sein – bei Kiffern, denen «richtiges» Kraut zu teuer ist. Hortensien hingegen sind leicht zu finden, stehen in vielen Gärten und sogar auf dem Friedhof – wo man nach einige Joints durchaus auch landen kann. Wegen Tod durch Ersticken.

Finger weg!

Sogar der Hahnenfuss – das bescheidene «Ankeblüemli» – schafft es in den Kanon der 111 tödlichen Pflanzen von Klaudia Blasl. Äusserlich als vegetabiles Haarwuchsmittel empfohlen, soll es nichts als blasige Hautreizungen «wachsen» lassen und Blüten und Blätter verursachen schwerste Magen-Darmbeschwerden, die bei Kindern auch zum Tod führen können.

Aufgepasst, Eichhörnchen! Bei der Eibe ist fast alles giftig. deshalb kam sie sogar zu literarischen Ehren. Bei der «Queen of Crime» Agatha Christie in «Das Geheimnis der Goldmine».

Kommen wir zum Schluss zum schlimmsten Bösewicht in vielen Gärten, der Eibe. Ein Serientäter und Massenmörder, bei dem schlichtweg alles tödlich sein kann: Rinde, Holz, Nadeln und Früchte. Wobei es bei den Früchten nicht das rote Fruchtfleisch ist, sondern deren Samen. Sogar die «Queen of Crime» Agathe Christie, botanisch durchaus bewandert, verwendete Eibenextrakte in einem ihrer Romane, «weil das Gift sehr ungewöhnlich und wirksam ist».

So, genug der Morde. Das soll ja ein Gesundheitsbeitrag werden. Wie?  Einfach die 111 tödlichen Gartenpflanzen meiden oder richtig einsetzen – Kartoffeln, Bohnen und Äpfel wollen ja nicht ganz verbannt werden – und alle bleiben gesund.

Klaudia Blasl: «111 tödliche Pflanzen, die man kennen muss» und «Böse Blumen. Zwölf giftige Pflanzenkrimis». Emons-Verlag. ISBN 978-3-7408-0441-1/ 978-7408-0609-5.

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