StartseiteMagazinGesundheitAltes Leiden, neu erforscht

Altes Leiden, neu erforscht

In der Schweiz leiden rund 15000 Personen an der früher auch Schüttellähmung genannten Krankheit Parkinson. Das heisst, genau genommen sind es noch viel mehr. Denn Parkinson verläuft schleichend und es dauert Jahre, bis die typischen Symptome auftreten und eine Diagnose gestellt werden kann.

Parkinson ist nach Alzheimer die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung der Welt. Sie kann bereits in jungen Jahren auftreten, ist daher kein typisches Altersleiden, auch wenn die Mehrzahl der Betroffenen über 60 Jahre alt sind. Männer um die 60 erkranken deutlich häufiger als Frauen. Erst in höherem Alter gleicht sich die Zahl der Fälle bei beiden Geschlechtern an.

Bei dieser Erkrankung des Gehirns werden Nervenzellen in bestimmten Hirnregionen zerstört. Betroffen ist zu Beginn das Stammhirn, später vor allem der Kernkomplex im Mittelhirn. Dort wird der Botenstoff (Neurotransmitter) Dopamin gebildet. Dieser regelt Aktivitäten, die für Bewegung und Koordination nötig sind. Im Verlaufe der Krankheit werden aber auch Nervenzellen in anderen Gehirnregionen, die kein Dopamin produzieren, geschädigt.

Bei Park¡nson werden Nervenzellen in bestimmten Hirnregionen zerstört. (Alle Bilder pixabay)

Das Krankheitsbild Parkinson ist seit mehr als 200 Jahren bekannt. Die unheimliche Krankheit verläuft schleichend, Symptome treten manchmal erst nach vielen Jahren und bereits markanten Schädigungen an Hirnzellen auf. Bis heute gibt es keine Heilung. Zwar können Medikamente, die den Dopaminmangel ausgleichen, etwas helfen, aber den Verlauf der Krankheiten aufhalten oder sogar rückgängig machen, gelingt immer noch nicht.

Zitternde Hände

Wer Parkinson hört, denkt zuerst mal an unkontrolliert zitternde Hände. Nebst diesem Tremor leiden die Betroffenen häufig an Bewegungsstörungen aufgrund versteifender Muskeln, was sich auch auf die Gangsicherheit und die Mimik auswirken kann. Schluckbeschwerden, Sprachschwierigkeiten, Müdigkeit und Depressionen sind weitere Symptome.

Zitternde Hände sind auffällig, aber längst nicht das einzige Symptom der Krankheit.

Weil die Ursachen der Erkrankung bis heute unbekannt sind, kann nur symptomatisch therapiert werden. Eine genetische Ursache für die Krankheit ist zwar vorhanden, nur erkranken Personen, bei denen Parkinson in der Familie aufgetreten ist, keineswegs zwangsläufig auch. Umweltgifte oder Kopfverletzungen könnten ebenfalls Auslöser sein. Zwar wird auch an einem Impfstoff geforscht, aber momentan bleibt es bei medikamentösen Therapien, ergänzt durch Physiotherapie und Rehabilitationsmassnahmen. 2017 wurde in einer Studie auf das Diabetes-Medikament Exenatid verwiesen, das Parkinson-Symptome vor allem bei jüngeren Patienten günstig beeinflussen soll.

Seit fast 20 Jahren wird in gewissen Fällen die tiefe Hirnstimulation (THS) angewendet, bei der Elektroden in die betroffenen Gehirnregionen implantiert werden, die dann mittels Neurostimulation helfen, das Zittern zu unterdrücken. Seit einigen Jahren wird versucht, mit einer Uhr am Handgelenk, die Schwingungen aussendet, den gleichen Effekt zu erreichen. Erprobt werden zudem Handschuhe, die dem Zittern entgegenwirken.

Parkinson riechen?

Intensiv geforscht wird auch nach Biomarkern, die eine Krankheit früh anzeigen. Bereits vor Jahren wurde festgestellt, dass rund 90 Prozent der an Parkinson Erkrankten lange vor dem Auftreten der typischen Symptome ihren Geruchssinn verloren haben. Und in der «NZZ am Sonntag» vom 9. Mai wird von einer schottischen Krankenschwester berichtet, die Parkinson am Geruch der Patienten erkennen kann. Bei ihrem eigenen Mann stellte sie 30 Jahren vor der eigentlichen Diagnose eine Veränderung seines Körpergeruchs fest.

Kann man Parkinson riechen? Neuste Forschungen konzentrieren sich (auch) auf olfaktorische Biomarker.

Aufgrund dieser Erkenntnisse wird nun intensiv nach Biomarkern in der Haut gesucht, in der Hoffnung, mit chemischen Signaturen die Krankheit früher erkennen zu können. Die Schwierigkeit dabei ist, eindeutige Ergebnisse zu erhalten, denn bei altersbedingten Krankheiten können zum Teil ähnliche Stoffwechselveränderungen auftreten. Und niemand möchte mit einer Fehldiagnose Parkinson leben!

Parkinson ist eine Krankheit, die schleichend in das Leben tritt, und nicht nur die Erkrankten, sondern ihr ganzes Umfeld in Mitleidenschaft zieht. Die Vereinigung Parkinson Schweiz erteilt Ratschläge – zum Beispiel zum Nutzen sportlicher Betätigung – , begleitet Selbsthilfegruppen und sensibilisiert mit Kampagnen die Öffentlichkeit für die Krankheit. www.parkinson.ch

 

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