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Trügerische Versprechen

Frühlingsgefühle im Februar versprechen viel und halten wenig. Auch wenn die ersten wärmenden Sonnenstrahlen nicht nur das «Kleinzeug» – Schneeglöckchen, Winterlinge, Primeln – im Garten weckt, sondern auch die Lust am Säen und Gestalten der Gartenbegeisterten – die nächste Kältewelle kommt bestimmt. Und wenn nicht? Dann freuen wir uns auf einen schönen Start in die Gartensaison.

Merken Sie es auch? Es riecht nach Frühling. Und es tönt nach Frühling. Aus der dunklen Eibe, aus der Ligusterhecke, wo sich die ganze Vogelschar trifft. Es tönt wie an einem Gartenfest, wenn alle gleichzeitig reden.  Die ersten Schneeglöckchen, Primeln und Winterlinge strecken ihre Blütenköpfchen der Sonne entgegen, als wenn es keine kalten Nächte mehr geben würde. Sie besitzen zum Glück eine eingebaute Frostschutzanlage, die sie davor bewahrt, bei den nächsten Minusgraden elendiglich zu erfrieren.

Gute Ratschläge?

In diese Vorvorfrühlings- Freude möchte man noch so gerne einstimmen, juckt es doch bereits in den Fingern. Und Gartenratgeber bedienen diese Lust am Säen und Gestalten noch so gerne: Spinat könne bereits in den noch gefrorenen Boden gesät werden und auch Kefen sollen hart im Nehmen sein. Salat keime auf dem Fenstersims – innen natürlich! – zuverlässig und auch Tomaten könnten bereits angezogen werden.

Habe ich alles schon ausprobiert. Nur war mein Spinatsamen wohl ein «Gförli» und weigerte sich zu keimen. Oder, was naheliegend ist, die hungrigen Vögel haben die Samen schnell wieder ausgebuddelt und als willkommene Ergänzung ihres zur Zeit eher kargen Speiseplans genossen. Die Kefen oder Zuckererbsen sind wohl in der Erde verfault, als es mit der Frühlingsherrlichkeit vorbei war und sich der Winter wochenlang zurückmeldete. Fazit? Totalausfall.

Die Haselsträucher bezaubern durch ihre männlichen Blütenstände. Die weiblichen Blüten sitzen klein und unscheinbar ganz nah an den Ästen.

Salat- und Tomatensamen treiben an der Wärme natürlich willig aus. Aber dann: Wohin mit den winzigen Sprösslingen, wenn es draussen wieder schneit und windet? Im Zimmer werden sie lang und länger, bis sie irgendwann einfach umfallen. Und nach draussen können die empfindlichen Pflanzenbabies noch lange nicht. Also Totalausfall.

Abwarten heisst die Devise

Die einheimischen Gehölze wissen, dass der Februar immer noch zum Winter gehört und sich nicht für vorschnelle Blüteneskapaden eignet. Deshalb sind die Knospen der meisten Sträucher noch dicht verschlossen. Ausnahmen gibt es natürlich auch: Die Zaubernuss (Hamamelis) öffnet ihre zarten Blütenbändchen bereits im Januar, der Winterjasmin folgt ihr auf dem Fuss. Die Haselsträucher präsentieren ihre männlichen Blütenstände ebenfalls bereits jetzt in voller Schönheit und die Weidenkätzchen schimmern auf unserer Höhe schon leicht silbrig – bald werden auch sie von den ersten Wildbienen freudig begrüsst werden. Weniger freudig reagieren hingegen die Allergiker – der Pollenbericht meldet bereits mässige bis starke Belastungswerte in Bezug auf Hasel und Erle.

Die Kornelkirsche ist eine der ersten Verpflegungsstationen für Honigbienen.

Bald macht sich auch die Kornelkirsche bereit für das neue Gartenjahr. Sie heisst im Volksmund auch «Tierlibaum» und ist in meinem Garten meist die erste, die auch von Honigbienen besucht wird. Denn diese Bienenart rückt erst bei rund 16 Grad aus und dieser Wert wird im Moment noch kaum erreicht. Dann aber fliegen die kleinen Honigsammlerinnen alles an, was Nahrung verspricht. Letztes Jahr war es auch mein von Blüten übersäter Christrosenstock im Wintergarten. Er war an einem milden Vorfrühlingstag ein summendes, brummendes Knäuel und blieb, nachdem es am späteren Nachmittag kühler wurde und die Bienenschar abgezogen war, wie ein gerupftes Huhn zurück.

Auch Weidenkätzchen werden durch die Frühlingssonne geweckt. (Bilder pixabay)

Aufgepasst werden muss bei den Südländern. Die treiben an den ersten warmen Tage freudig aus, nur um nach dem nächsten Kälteeinbruch mit braunen, erfrorenen Blüten dazustehen. Deshalb lohnt es sich, den Feigen, Aprikosen und Pfirsichen, die im Freien überwintern, eine Abdeckung zu verpassen oder einfach den Winterschutz noch nicht zu entfernen. Erst Ende März werden sie geweckt.

Und was machen wir bis März mit unserer Lust am Gärtnern? Am besten an warmen Tagen die Sonne geniessen, hie und da etwas zurückschneiden, sich an den ersten Schneeglöckchen freuen und sich bewusst sein: Der Frühling kommt bald, nur jetzt gerade noch nicht.

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