Wie so viele entfloh auch ich diesen Sommer bei 35 Grad im Tal in die Berge. Start war am Julierpass, dann Wanderung über die Fuorcla Grevasalvas hinunter ins Oberengadin. Hier ein paar Eindrücke.
Den Julierpass erreichten wir leicht mit dem Postauto. Wir stiegen unterhalb der Julierpasshöhe beim Ospizio La Veduta aus und wurden auf einer Höhe von 2233m von angenehmen Temperaturen empfangen. Kaum hatten wir die Passtrasse verlassen, hörten wir schon Pfiffe von Murmeltieren.
Sehen Sie das Murmeltier auf dem Felsblock? (Foto bs)
Es folgte ein knapp stündiger Aufstieg zum prächtigen Leg Grevasalvas, der bis vor einigen Jahren erst im Juli eisfrei war. Als wir Ende Juni dort ankamen, fischten schon Jugendliche nach Forellen.
Der Leg Grevasalvas (Foto @ Lorena Bass)
Dem See und dann dem Bach entlang zwischen den Bergspitzen der Lagrevgruppe und dem Piz d’Emmat Dadaint erreichten wir nach knapp zwei Stunden den Pass, den Fourcla Grevasalvas (2688 m.ü.M.). Wir setzten uns auf das Bänkli und blickten genussvoll hinunter in Richtung Oberengadin und Bergell, umringt von den Bergen des Oberengadins.
Blick ins Oberengadin ( Foto bs)
Dann gings hinunter zum Weiler Grevasalvas, teilweise recht steil und nicht immer auf schön geschlungenen Bergpfaden, gelegentlich von Felsblock zu Felsblock. Von uns wurde Trittsicherheit verlangt und wir achteten darauf, dass unsere Wanderstöcke nicht in Felsritzen stecken blieben. Im Weiler Grevasalvas erkundigten wir uns im Handy über seine Geschichte:
Der Weiler Grevasalvas ( Foto © Lorena Bass)
Die Maiensässsiedlung Grevasalvas auf 1940 m.ü.M. (greva = feines Geröll; alv = weiss) war im Mittelalter dauernd bewohnt. Bergeller Bauern sömmerten dort ihr Vieh. Nach 1850 wurde die Genossenschaftssiedlung privatisiert und bis in die 1950er Jahre wohnten in Grevasalvas während des Alpsommers vom Mai bis September acht bis zehn Bauernfamilien aus dem Bergell. Dabei wurden die Alpen meistens von den Frauen bewirtschaftet, während die Männer im aufkommenden Tourismus lukrativeren Tätigkeiten nachgingen. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts gaben viele Familien das Bauern und Sennen auf und die Häuser werden nun als einfache Ferienhäuser genutzt. 1978 wurde Grevasalvas zum Engadiner Heididorf, da dort die Fernsehserie Heidi gedreht wurde.
Der Silsersee kommt näher und auch die Halbinsel Chasté. (Foto bs)
Auf der Halbinsel Chasté befindet sich der Nietzsche-Gedenkstein mit Nietzsches Mitternachtslied:
O Mensch! Gib acht!
Was spricht die tiefe Mitternacht?
„Ich schlief, ich schlief –,
Aus tiefem Traum bin ich erwacht: –
Die Welt ist tief,
Und tiefer als der Tag gedacht.
Tief ist ihr Weh –,
Lust – tiefer noch als Herzeleid:
Weh spricht: Vergeh!
Doch alle Lust will Ewigkeit –,
– will tiefe, tiefe Ewigkeit!“
Mit Blick ins Oberengadin wanderten wir weiter hinunter durch Feld und Wald an den Silsersee, wo wir in Sils Baseglia gleich ein Postauto erwischten, welches uns nach gut fünf Stunden Wanderzeit nach St. Moritz brachte, wo wir den Zug bestiegen und kurz nach 2O Uhr im Tal ankamen. Da waren’s immer noch gefühlte 30 Grad.
Titelbild: Der Leg Grevasalvas (Foto @ Lorena Bass)

