StartseiteMagazinLebensartZwischen Biologie und Yoga

Zwischen Biologie und Yoga

Sabine Koné-Hirsiger ist Biologin, Yogalehrerin und -therapeutin. Über Indien und Kanada kam sie ins westafrikanische Mali, wo sie seit rund 45 Jahren in der Hauptstadt Bamako lebt. Wie sie den Spagat zwischen den Kulturen schafft, erzählt sie in einem Gespräch an der Limmat in Zürich.

Eines Tages klopfte es an die Tür, als mein Mann und ich selbst noch in Bamako lebten. Sabine Koné-Hirsiger stand vor uns. Wir kannten sie nicht. Sie war kurz zuvor in Mali angekommen und hörte von uns Schweizern. Es muss Herbst 1981 gewesen sein. Seither treffen wir uns regelmässig, wenn Sabine im Sommer die Schweiz besucht. Noch heute ist sie, 80jährig, in Bamako zu Hause und erteilt dort Yogastunden. Nouhoum, ihr Ehemann starb 2016, die Tochter lebt und arbeitet in Paris, der Sohn im Welschland.

Sabine Koné-Hirsiger bei unserem Gespräch an der Limmat. Foto: rv

Auf die Frage, «wie bist Du eigentlich nach Mali gekommen, das ist doch aussergewöhnlich», sagt sie trocken: «Das war überhaupt nicht ungewöhnlich. Schon als ich aus Indien nach Kanada kam, tauchte ich in die malische Kultur ein. In Montreal war ich während mehrerer Jahre Teil der etwa zehnköpfigen malischen Musik- und Tanzgruppe Cléba von Yaya Diallo. Ich studierte und spielte Balafon, eine Art Xylofon mit Kalebassen als Resonanzkörper und tanzte in der Gruppe.»

Von Splügen nach Indien 

Wie alles begann, erzählt mir die 1946 in Aarau geborene Sabine Koné-Hirsiger bei afrikanischen Temperaturen am Ufer der Limmat. Sie studierte an der Uni Zürich Biologie und bewarb sich nach Studienabschluss um eine Stelle in Südamerika. In Erwartung einer Antwort arbeitete sie während eines Jahres als Primarlehrerin in Splügen im Bündnerland. Nach der Absage aus Südamerika konnte sie als Biologin von der Uni Zürich aus an einem einmonatigen Studienprojekt im Kanha Nationalpark in Indien teilnehmen.

Wege zu Yoga und Meditation im Ashram

Nach diesem Projekt blieb sie in Indien und reiste während acht Monaten herum. Dabei lernte sie den Amerikaner Jay kennen, der dort als Mediziner ein Praktikum absolvierte. «Mit ihm zusammen lernte ich in Rishikesh verschiedene Yoga- und Meditationsmethoden. Jeden Morgen meditierten wir nach dem Aufwachen während 20 Minuten, was ich noch heute mache. Das beruhigt den Geist, fördert geistige Klarheit und gibt Energie.» Doch Yoga kannte Sabine seit ihrer Jugend, so auch die Bücher des indischen Philosophen und Mystikers Sri Aurobindo (1872-1950). Und sie erklärt: «Yoga ist bis heute der Kernpunkt in meinem Leben.»

Künstlerleben in Kanada

Zurück in der Schweiz «war ich nach dem Leben in Indien vollkommen desorientiert», erinnert sie sich. Sie unterrichtete wieder, um Geld zu verdienen, aber es gefiel ihr nicht. So fasste sie den Entschluss, mit dem Schiff nach Kanada auszuwandern.

Hier traf sie auf eine lebendige Kunst- und Musikszene und lernte viele junge Leute kennen. Zuerst wohnte sie bei Jay und arbeitete als Biologin in der Krebsforschung in einem Spital. «Aber ständig Mäuse und Ratten für die Forschung zu töten», behagte ihr nicht. So unterrichtete sie in Schulen, schuf Batikbilder und Aquarelle im gemeinsamen Atelier mit einer Freundin, spielte Balafon in Yaya Diallos Musikgruppe, die auch Tourneen innerhalb von Québec machte. «Kanada war sehr wichtig für meine Persönlichkeitsentwicklung», resümiert sie.

Entscheidung für Nouhoum, für Mali

Nouhoum, ihren künftigen Ehemann, lernte Sabine in Montreal kennen. Er studierte Geologie und kam wie auch andere Studenten aus der vorwiegend malischen Kommune zu den Konzerten im Loft hoch über dem St. Lorenzstrom. Nach seinem Studienabschluss musste er wegen des Stipendienvertrags wieder nach Mali zurück. «Da mit Nouhoum eine ernsthafte Liebesbeziehung bestand, musste ich mich entscheiden, weiterhin ein Künstlerleben in Kanada zu führen oder nach Mali zu gehen; ich war 33 Jahre alt», sagt sie.

Sabine und ihre Tochter Salimata, 1982

Sabine entschied sich für Nouhoum, und kam in Mali mitten in der Armut an. Die beiden mieteten ein Haus mit zwei Zimmern, ohne Elektrizität, ohne Kühlschrank, aber mit einem Ziehbrunnen im Hof. «Wir lebten in einfachsten Verhältnissen, nicht wie die weissen Experten aus dem Ausland, die in klimatisierten Villen mit Wächter und Gärtner leben. Diese Kontakte suchten wir nicht.»

Nouhoum wusste, dass Sabine nicht in einer engen Siedlung mit anderen Familien wohnen konnte. So planten sie, ein Stück Land zu kaufen, um darauf ein eigenes Haus zu bauen. Sabines Mutter schickte ihr dafür etwas Geld. Mit einem auf Lehmbauten spezialisierten Architekten aus Bamako planten sie ihr Haus mit einem grossen Garten. Doch es dauerte rund vier Jahre, bis es fertiggebaut war. Sabine lebt noch heute dort. Für das Trinkwasser liessen sie einen 50 Meter tiefen Brunnen bohren. Das Wasser wird mit einer Pumpe in einen Tank hochgepumpt. Solarpanels erzeugen Strom. In diesem Haus lässt es sich gut leben.

Bamako, im Hintergrund der Niger mit der Pont du roi Fahd. Foto: Arensond, Wikimedia Commons

Dennoch ist der Alltag in der Hitze anstrengend, besonders wenn man in einem Aussenbezirk von Bamako wohnt und zu Fuss, ohne ÖV, unterwegs ist. Anfänglich erleichterte ein Motorrad die Wege, später ein Auto, um die Kinder in den Kindergarten zu bringen. «Immer wenn ich in die Schweiz komme, fühle ich mich wie im Paradies», schwärmt sie, «die guten Verkehrsverbindungen, das milde Klima, keine krankmachenden Mücken. Der Liebe wegen bin ich in Bamako geblieben.»

Sabine Koné-Hirsiger erteilt Yogastunden in Mali und in der Schweiz

In Mali arbeitete Sabine in verschiedenen landwirtschaftlichen Entwicklungshilfeprojekten in Zusammenarbeit mit Deutschland und Kanada. Manchmal musste sie auswärts wohnen, weil der Weg zu weit war. Das alles ging nur, weil sie Hilfe für die Kinder, beim Kochen, Einkaufen und Putzen hatte und sich ihr Mann für die Familie engagierte. «Ich begleitete als Biologin interessante Projekte, die besonders die Frauen unterstützten, wie die Verarbeitung und Vermarktung von Seife oder die verbesserte Herstellung von Karitébutter, englisch Sheabutter, einer Hautsalbe und auch Nahrungsmittel. Es ging darum, dass die Frauen für die Produkte besser bezahlt werden.

Doch Sabines Herzensprojekt ist das Erteilen von Yogastunden. Das macht sie in ihrem Haus und zusätzlich in verschiedenen Quartieren Bamakos. Obwohl sie Yoga schon lange kannte, studierte sie während drei Jahren an der Yoga University in der Berner Gemeinde Villeret. 2007 gründete sie in Bamako ihr eigenes Yoga-Zentrum, um die Praktiken des Yoga und der Yogatherapie einem breiten Publikum zu vermitteln.

Yoga ist in Mali inzwischen so gut angekommen, dass ihr Kollege Oumar Coulibaly in ihre Fussstapfen treten und regelmässig Yogastunden geben kann. Er ist Englischlehrer und konnte dank seiner Englischkenntnisse eine Yoga Ausbildung in Indien absolvieren. So hält er Yoga am Leben, während sich Sabine in den heissen und feuchten Monaten in der Schweiz und in Frankreich aufhalten und ihre erwachsenen Kinder und Freunde besuchen kann, wie gerade jetzt.

Yoga in Sabine Konés Zentrum yoga-so in Bamako

Ende September kehrt Sabine wieder zurück. «Obschon das Leben in der Schweiz komfortabler ist, kehre ich immer wieder gerne nach Mali zurück, weil das Leben für mich dort erfüllender ist», sagt sie. «Ich bin umgeben von der Familie meines verstorbenen Mannes und habe ein interessantes professionelles Leben. Mit den Yogastunden kann ich den Menschen etwas zurückgeben, ihnen einen Weg aufzeigen, der sie stärkt, zufriedener und bewusster macht».

Fotos: © Privatarchiv Sabine Koné-Hirsiger
Hier geht es zur Webseite von Sabine Koné-Hirsiger

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In Mali ist es so richtig heiss

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1 Kommentar

  1. Hallo
    Mein Name ist Gaby Stettler Frey und ich war im selben Lehrgang mit Sabine von 2004-2009 an der Yoga University Villeret.

    Der Bericht über das vielfälltige und interessante Leben von Sabine hat mir sehr gefallen-
    auch das Foto mit der bunt gemusterten wunderschönen Sabine rufen Erinnerungen an sie in mir wach.

    Am 13. September treffen sich die Absolventen unseres gemeinsamen 4 jährigen Yogastudiums in Biel und es wäre schön, wenn Sabine auch dabei sein könnte.

    Könnten Sie ihr bitte diese Nachricht weiterleiten?

    Vielen Dank.

    Mit freundlichem Gruss
    Gaby
    http://www.yogaroot.ch

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