FrontKulturEntführung in eine wahnsinnige Welt

Entführung in eine wahnsinnige Welt

Die schwedischen Künstler Nathalie Djurberg und Hans Berg entführen uns in ihrer Ausstellung «Delights of an Undirected Mind» im Luzerner Kunstmuseum in eine bizarre Welt.
Die Ausstellung ist eine von sieben des Comic Festivals Luzern, das seit 2019 wieder durchgeführt wird und im Zeichen des Heldentums steht. In sechs abgedunkelten Räumen werden die Werke an die Wand gebeamt und man muss breitbeinig stehen um vor Erregung nicht umzufallen.

In den schummrigen Gängen, die an ein Bordell erinnern, tummeln sich verschiedenste Wesen, ein rauchendes Krokodil, ein sexy Schwein, ein glitzernder Pudel oder Männer in Lack und Leder.

Dazwischen schwingen Priester immer wieder Weihrauchfässer. Auf Sprechblasen poppen Begehrlichkeiten und Begierden auf: «I want …». Nathalie Djurberg und Hans Berg greifen in ihren Werken komplementäre Aspekte zwischenmenschlicher Beziehungen wie Macht und Ohnmacht, Fürsorge und Missbrauch, Gewalt und Liebe, Masochismus und Sadismus, Monstrosität und Verletzlichkeit auf und finden ausdrucksstarke Bilder für Gier, Rache, Unterwerfung, Lust, Sex und Scham.

Ganz ohne Zeigefinger geht das Künstlerduo gesellschaftliche Themen wie Rassismus, Ausgrenzung, die Objektifizierung von Frauen oder die Doppelmoral der katholischen Kirche an. Die surrealen, alptraumartigen Szenerien, in denen sich Grausamkeit und derber Humor mischen, gehen unter die Haut und werfen das Publikum auf sich selbst zurück.

Ein selbstgefälliges Krokodil im Morgenmantel zündet sich die «Zigarette danach» an, ein leichtbekleidetes Ziegenmädchen schmiegt sich verführerisch an das Reptil. Nackte Männer mit viel Blingbling  machen sich gegenseitig fast verrückt, während ein Mann in orthodoxem  Gewand Weihrauch schwingt.

Segnet es das Etablissement? Räuchert er es aus? Steht das beflügelte weisse Pferd für Licht am Ende des Tunnels, ist es Halluzination oder Todesbote? Die Szenen in Djurbergs Filmen entziehen sich einer eindeutigen Lesbarkeit. Die Figuren leben von den Interpretationen der Betrachter. Selbst dann, wenn uns die Künstlerin wie hier eine Kamera in die Hand legt, und so augenzwinkernd Fiktion zu Dokumentation werden lässt.

Es ist unser eigener Arm, der Tür nach Tür öffnet, uns selbst locken die schrillen Figuren ins Ungewisse und nach uns verdreht der Hund seinen Kopf. Ob wir jemals wieder aus diesen zwielichtigen Gängen herausfinden.

Djurberg über ihre Geschöpfe. Die Künstlerin nutzt Klischees, bekannte Typen, Gesten und Handlungen dazu, unsere Fantasie anzuregen und greift dabei auch Motive und Charaktere aus Märchen sowie der Popkultur auf. So agieren in Delights of an Undirected Mind unter anderem ein als Grossmutter verkleideter Wolf und ein Stück Käse, das an SpongeBob erinnert.

Kuratiert von Jana Novotny, künstlerische Leiterin Fumetto Comic Festival Luzern

 

Die Ausstellung dauert bis 19. Juni 2022

Fotos Josef Ritler

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