Heiss

Erst Mitte Juni, und schon ist sie da. Die erste Hitzewelle. Dank Gewitterfronten verlief sie für die Natur bisher ziemlich moderat, aber Menschen, besonders ältere Personen, leiden unter den hohen Temperaturen. Einziger Trost: Ab nächstem Donnerstag soll der heisse Spuk erstmal vorbei sein – bis zum nächsten stabilen Hoch.

Unser Körper braucht kein Thermometer, um optimal zu funktionieren. Wird es ihm zu heiss, produziert er mehr Schweiss. Wenn dieser auf der Haut verdunstet, entsteht ein Kühleffekt. Zusätzlich werden, droht Überhitzung, die Blutgefässe direkt unter der Haut erweitert. So kann sich das Blut etwas abkühlen.

Diese «Klimaanlage» funktioniert bei jüngeren Personen recht zuverlässig, wird aber im Alter, wie so vieles andere auch, manchmal störungsanfällig. Zum einen, weil durch die Umverteilung des Blutes – viel an der Hautoberfläche, dafür etwas weniger im Körperinnern – der Blutdruck sinken kann. Schwindel, Übelkeit und eine allgemeine Mattigkeit sind die Folge.

Ein Gewitter bringt willkommene Abkühlung. Wenn es denn nicht gerade hagelt.

Heisse Sommertage und -nächte belasten aber nicht nur den Kreislauf, sie beeinträchtigen auch die Schlafqualität mit so unangenehmen Folgen wie Konzentrationsschwierigkeiten, Abgeschlagenheit und schlechter Laune. Da im Alter das Durstgefühl eher abnimmt, können hohe Temperaturen – Stichwort erhöhte Schweissproduktion – auch zu Dehydrierung und damit verbundenen Beschwerden führen.

Ratschläge aus Bern

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat aktuell «Drei goldene Regeln bei Hitzetagen» aufgeschaltet: Körperliche Anstrengungen meiden, Hitze fernhalten – Körper kühlen und viel trinken, leicht essen.

Fangen wir mal vorne an: Bewegung sollte auch an heissen Tagen sein, aber Sport im Alter kann dann doch etwas reduziert werden. Ausser im Schwimmbad natürlich oder in klimatisierten Räumen. Ansonsten aber nutzt man mit Vorteil die noch kühleren Morgenstunden zum Einkaufen oder Pflanzen giessen. Auch sollte am Morgen die Wohnung kräftig durchlüftet werden. Dann aber werden alle Fenster geschlossen und an exponierten Stellen sogar die Roll- oder Fensterläden. So schafft man sich eine mehr oder weniger kühle Insel in der Sommerhitze.

Zweiter Punkt: Den Körper kühlen. Eine Sprühflasche, wie man sie zur Pflanzenpflege braucht, ist jetzt eine sinnvolle Anschaffung. Wird es einen zu heiss, werden Hände, Arme, Beine und vielleicht auch das Gesicht kurz mit kühlem Wasser eingesprüht. So eine Art künstlicher Schweiss, was sehr erfrischend sein kann. Achten muss man nur, dass in den Räumen kein Durchzug herrscht – aber man hat ja nach dem Lüften alle Fenster schön verschlossen – und dass das Wasser in der Flasche immer wieder frisch nachgefüllt wird. Wir wollen uns ja nicht mir Bakterien duschen.

Das Kopfkissen im Kühlschrank

Am Abend darf auch das Kopfkissen und die Unterseite der Bettdecke kurz eingesprüht werden. Natürlich nur so wenig, dass man nicht im Feuchten liegt. Und noch etwas: Haben Sie sich mal überlegt, das Kopfkissen in den Kühlschrank zu legen? Ist danach wunderbar erfrischend und man schläft schnell ein.

Da kann ja kein Durstgefühl aufkommen! Jede Stunde zwei Deziliter trinken ist an heissen Tagen sehr empfehlenswert.

Der Ratschlag, viel zu trinken, kann im Alter etwas problematisch sein. Bei Personen mit Herzproblemen oder einer Herzschwäche kann (zu) viel Flüssigkeit zu einer Verschlechterung der Herztätigkeit führen. Aber ganz generell ist Trinken an heissen Tagen wichtig, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Wobei es sinnvoll ist, regelmässig – zum Beispiel jede Stunde – zwei, drei Deziliter Tee oder Wasser zu trinken. So kommt man auch locker auf die empfohlenen rund zwei Liter. Kalt müssen die Getränke nicht sein, lauwarm wird vom Körper meist besser vertragen. Eine Bouillon zwischendurch hilft, den Salz- und Mineralstoffverlust auszugleichen und so den Elektrolythaushalt im Gleichgewicht zu halten. Vorsicht bei Fruchtsäften und Schwarztee: Erstere sind ziemlich zuckerhaltig und Schwarztee kann den Schlaf stören.

Und jetzt: Ab in die Siesta!

Leicht essen ist jetzt, mit dem grossen Angebot an Früchten und Gemüsen, ein Ratschlag, der leicht einzuhalten ist. Ein grosser Schnitz Wassermelone als Vorspeise füllt schon mal den Magen ohne ihn zu belasten und schmälert sicher auch die Lust auf schwere Speisen mit viel Sauce und Fett. Und Früchte – aktuell die ersten einheimischen Kirschen – sind ein wunderbares Dessert. Und dann nimmt man sich ein Vorbild an den Südländern: Siesta! In der heissesten Zeit über Mittag meldet man sich ganz einfach ab, macht ein Schläfchen, liest etwas oder zappt sich entspannt durch das Fernsehprogramm. An Hitzetagen darf die Welt, unsere Welt, die der Älteren, ruhig mal etwas still stehen.

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