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Serenaden im lauschigen Park

Zürich sei im Sommer am schönsten, hört man oft. Wenn die andern in die Ferien reisen, kann man den See und die Ruhe geniessen. So zum Beispiel mit den «Serenaden im Park» im Quartier Enge bei der Villa Schönberg.

Jeden Sommer, jeweils mittwochs um 19 Uhr lädt die Stadt Zürich vom 13. Juli bis 10. August die Daheimgebliebenen zu diesen lauschigen Park-Serenaden ein. Was anfangs ein Geheimtipp war, ist zu einem beliebten Openair geworden, das nebst der schönen Atmosphäre auch musikalische Kostbarkeiten bietet.

Bei diesen Serenaden geht es nicht um den «Mega-Event» oder grosse Künstlernamen. Es ist die Schlichtheit, die besticht. Man sitzt auf einfachen Gartenbänken an der Bühne, die akustisch geschützt vor der Villa aufgebaut ist. Für das gesellige Beisammensitzen sorgt der einfache Barbetrieb in der Orangerie; hier trifft man auch auf Eltern, deren Kinder auf dem Spielplatz spielen.

Hier wohnte einst Richard Wagner

Die Villa Schönberg ist ein denkmalgeschütztes Gebäude, das 1970 von der Stadt Zürich erworben wurde. Eigentlich gehören die Villa samt Park zum Rieterpark und der Villa Wesendonck. Musikfreunde wissen es: Richard Wagner wurde auf seiner Flucht aus Sachsen von den Wesendoncks in Zürich aufgenommen, er wohnte hier vom April 1857 bis im Juli 1858 und komponierte grosse Teile der Oper «Tristan und Isolde» sowie die Wesendonck-Lieder.

Arianna Savall (Sopran und historische Harfe) und der Tenor Petter Udland Johansen mit der Hardangerfiedel spielen am 3. August Musik aus dem Mittelalter. (Fotos Johannes Horn)

Dort, wo heute die Villa Schönberg steht, stand einst Wagners «Asyl», ein einfaches Riegelhaus. Dies baute die deutsche Industriellenfamilie Wesendonck 1856 für Wagner in eine Art Gartenhaus um. Hier wohnte und arbeitete der grosse Komponist. Als die Villa Schönberg an diesen Platz gebaut wurde, riss man Wagners einstiges «Asyl» ab.

Harfenmusik aus Frankreich

Wie der Rieterpark ist auch der Schönberg-Park von prachtvollen alten Bäumen gesäumt. Man wähnt sich hier, mitten in Zürich, in einer anderen, lauschig verträumten Welt. Wenn die Serenaden um 19 Uhr beginnen, ist es noch hell, während des Konzerts dunkelt es langsam ein, das ist sehr stimmungsvoll. Ausgerechnet am 20. Juli, als ich das Konzert des Kammerorchesters Appassionato aus Frankreich besuchen wollte, waren Gewitter angesagt. Zum Glück bot sich mit der Kirche Enge ganz in der Nähe des Parks eine gute Schlechtwetter-Alternative.

Das Kammerorchester Appassionato spielte ein charmantes Programm mit Werken von Ravel, Debussy und Georges Bizet. Der Harfenist Leo Doumène war Solist und Dirigent zugleich. Die Harfe mit ihren schwebenden Klängen war vor allem für Claude Debussy ein wichtiges Instrument, entsprechend viele Stücke hat er dafür geschrieben. Es empfiehlt sich sehr, diese Werke für Harfe und Orchester mit französischen Musizierenden zu hören – sie haben einen besonderen Sinn für deren Eleganz und Farben.

Musikalische Kostbarkeiten

Überhaupt kann man an diesen Serenaden immer wieder spannende Ensembles und originelle Stücke entdecken, das künstlerische Niveau ist ausgezeichnet. So kann man am nächsten Mittwoch, 27. Juli, ein Klavierquintett von Joachim Raff, einem Schweizer Komponisten aus der Romantik kennenlernen, der als Zeitgenosse von Franz Liszt in Deutschland Karriere machte. Dieses Jahr steht dessen 200. Geburtstag an. Das Klavierquintett Nr. 1 von Gabriel Fauré ist ein schöner Kontrapunkt dazu.

Und wer weiss schon, wie Musik im Mittelalter geklungen hat? Das Ensemble Hirundo Maris stellt am 3. August neben alten Tänzen auch Gesänge aus dem «Roten Buch der Monserrat» (14. Jahrhundert) und katalonische «Gesänge der Sybille» aus dem 15. Jahrhundert vor. Geleitet wird das Ensemble von der Sopranistin Arianna Savall, die dabei auch historische Harfe spielt, und dem Tenor Petter Udland Johansen, der auch mit der schön anzuschauenden Hardangerfiedel zu hören ist.

Park der Villa Schönberg, Gablerstrasse 14, Tram 7 bis Museum Rietberg.
Jeweils mittwochs, 19 Uhr, bis 10. August. www.kulturzueri.ch

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