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Jedem See seine Felchen

Felchen haben je nach See in der Schweiz einen anderen Stammbaum. Ein Forschungsergebnis vom Wasserforschungsinstitut Eawag.

Die Berufsfischerei weiss es schon lange: Nicht nur einen Felchen gibt es in der Schweiz, sondern eine ganze Palette von Felchenarten mit unterschiedlichen Spezialisierungen und lokalen Namen. Ein Team von Forschenden hat nun das gesamte Erbgut der verschiedenen Felchen analysiert und nachgewiesen, wie sich die Spezialisten in jeder See-Region unabhängig voneinander entwickelt haben.

In nur 10’000 Jahren entwickelt

Evolution geht manchmal recht schnell. Die mindestens 24 Felchenarten in den grossen Voralpenseen haben sich jedenfalls alle erst nach der letzten Eiszeit entwickelt, also nicht in Jahrmillionen, sondern in «nur» rund 10’000 Jahren. Sie unterscheiden sich in Aussehen und Grösse, aber auch in der bevorzugten Tiefe, wo sie leben und sich fortpflanzen sowie in ihrem bevorzugten Menuplan. In Ufernähe ernähren sich grosse «Balchen» überwiegend von Bodenorganismen, im offenen Wasser die kleinen «Albeli» von Plankton und dazwischen mittelgrosse «Felchen» von beidem. In sehr tiefen Seen wie Thuner-, Vierwaldstädter- und Bodensee kommen ungewöhnliche Arten dazu, die im Freiwasser leben und laichen oder in über hundert Metern Tiefe leben.

Ähnliche Anpassungen aber anderes Erbgut

Unter der Leitung von Dr. Philine Feulner hat ein Team vom Wasserforschungsinstitut der Eawag, der Universität Bern und des Naturhistorischen Museums Basel 99 Genome von 22 Felchenarten untersucht und frühere Annahmen bestätigt, wonach diese Vielfalt seit der letzten Eiszeit in jeder Seen-Gruppe unabhängig voneinander entstanden ist, unter anderem durch Anpassung an die verschiedenen Tiefen und Nahrungsquellen.

Felchenschwarm im Eawag-Aquarium. Video: Eawag

Dabei war insbesondere ein Gen namens edar beteiligt, welches die Anzahl der Kiemenreusenbögen und damit die «Siebdichte» beim Fang von Insekten oder Plankton beeinflusst. Aber auch tausende weitere Gene, die meist nur in einem See wichtig waren, hatten Einfluss. Interessant ist, dass sich sehr unterschiedliche Felchenarten aus dem gleichen See genetisch immer noch ähnlicher sind als auf den ersten Blick ähnliche Arten, die sich anderswo parallel entwickelt haben.

Viele kommen ausschliesslich hier vor

Genetischer Austausch innerhalb, aber auch zwischen den grossen Seen hat zur Bildung von Hybridformen geführt. Das hat die Entstehung der ungewöhnlichen Arten begünstigt und somit zur Entstehung der grossen Vielfalt endemischer, also ausschliesslich hier vorkommender Felchenarten in den Voralpenseen beigetragen.

Titelbild: Felchen aus dem Thuner- und dem Brienzersee. Bild: Eawag

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