StartseiteMagazinKulturDer Fotoautomat als Kunstwerk

Der Fotoautomat als Kunstwerk

Das Museum im Bellpark in Kriens LU zeigt bis 16. Juli 2023 das Projekt «Bellpark Photomat» des Künstlers und Fotografen Patrick Blank.

Die Idee war, alle Besucher des Museums während einer gewissen Zeit bildlich festzuhalten. Dazu installierte Patrick Blank einen Photomat, wie man ihn kennt, wenn man von sich ein Passphoto machen will.


Patrick Blank vor seinen Fotos

Das Projekt  adaptiert das unwiderstehliche Konzept des Schnellfoto-Automaten des 20. Jahrhunderts und bringt damit die Wahrheit „ans Licht“, dass jede kulturelle Institution von einem aktiven Umfeld getragen wird.

Vorhang zugezogen, den Metall-Drehstuhl in die richtige Höhe geschraubt, ein Kontrollblick in den kleinen Spiegel vorne rechts, Einfränkler eingeworfen und los ging‘s – der Schwarzweiss-Fotoautomat war ein Abenteuer! Die noch nassen Fotostreifen rochen nach faulen Eiern, das Ergebnis dann oft schmeichelhaft, das Gesicht wundersam pickelfrei ausgeblitzt.

Anfänglich war der Fotoautomat wohl dazu gedacht, schnell und günstig Passfotos anfertigen zu lassen. Doch dabei blieb es nicht – das „fotografiert werden” besass seit der Erfindung des Mediums etwas Magisches. So fotografierten sich schon damals viele Jugendliche in den Automaten, um die entstandenen Porträtbildchen später einzeln an ihre Freundinnen und Freunde  zu verschenken – fortan begleiteten die Bilder einem im Portemonnaie.


Der Künstler postierte die Kunden vor diesem Hintergrund

Der «Bellpark Photomat» ist nicht im eigentlichen Sinn ein Fotoautomat; vielmehr wird die Bildsprache und Funktion der einst allgegenwärtigen Fotoautomaten zum künstlerischen Werkzeug für Blank. Geschickt setzt er einfache, aber wirkungsvolle Mittel ein um die Freundinnen und Freunde des Museums in Szene zu setzen: eine Digitalkamera, Blitzlampen, einen knallroten Hocker, einen engen Bildausschnitt sowie ein einfaches gefaltetes Silberpapier als Hintergrund.

Wie bei den alten Fotoautomaten werden lediglich vier Augenblicke eingefangen, in denen die Besucher sich präsentieren. Der Fotograf übernimmt dabei die Aufgabe des Automaten, so dass das Fotografieren zur gemeinsamen Performance wird.

Seit 2021 nahm Patrick Blank Veranstaltungen und Besammlungen im Museum als Anlass um jene Personen, die das ambitionierte Programm des Museum im Bellpark durch Engagement und Leidenschaft mittragen, im «Bellpark Photomat» abzulichten. Die Ausstellung mit den rund 260 auf diese Weise entstandenen Porträts macht das Beziehungsnetzwerk des Museum im Bellpark nun sichtbar und versteht sich somit als Hommage an all jene, die sich wichtigerweise kulturell engagieren und durch ihre Teilhabe ihr kulturelles Umfeld entscheidend mitgestalten.


Musik aus dieser Musikbox begleitet die Ausstellung

Das Projekt reiht sich ein in Blanks fotografische und künstlerische Auseinandersetzung mit den Sujets Sehnsucht und Träumerei. Der «Bellpark Photomat» verbindet die Themen Fotografie, Begegnung, Nostalgie und Automatik sehr direkt; der Automat löst nostalgische Gefühle aus, hält aber Begegnungen besonderer Art fest und hat dadurch auch eine tröstende Funktion.
Biografische Angaben
Patrick Blank (*1970) ist Künstler, Fotograf, Kunsthistoriker und Historiker aus Luzern. Er studierte an der Universität Zürich und der Universität Luzern die Geschichte der Kunst des Mittelalters und der Neuzeit mit Schwerpunkt auf Theorie und Geschichte der Fotografie. 1998 und 1999 war Blank Assistent bei den Fotografen Felix Meyer und Alex Gertschen in Reussbühl und Emmen. Seit 1999 verfolgte er mit Stefan Chiovelli verschiedene künstlerische Fotografie- und Ausstellungsprojekte im Umfeld der Luzerner Kulturschaffenden. Parallel war er als Museumsfotograf und wissenschaftlicher Mitarbeiter für die Graphische Sammlung der ETH Zürich tätig und arbeitete als Fotograf und wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Denkmalpflege und Archäologie des Kantons Luzern. Er gestaltete mit Mischa Christen im 041 – Das Kulturmagazin die Fotokolumne Doppelter Fokus. Von 2019 bis 2022 absolvierte er an der Hochschule Luzern – Design & Kunst den Master-Studiengang Art in Public Spheres.
Fotos: Josef Riter

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