StartseiteMagazinKulturMagische Bilder und schöne Stimmen

Magische Bilder und schöne Stimmen

Als Georg Friedrich Händel seine Oper «Alcina» schrieb, liebte das Publikum die neu aufkommenden Bühnen-Techniken. Diese ermöglichten in der Darstellung von Schein und Illusion ein abwechslungsreiches und spektakuläres Bühnengeschehen. Überwältigungseffekte, Überraschungen, schnelle Wendungen und Verwandlungen sollten das Publikum unterhalten.

Für Händel war das kein Problem, er war ja in London musikalischer Leiter der «Royal Academy of Music», die am King’s Theater für die Opernproduktionen zuständig war. Man spürt denn auch in seiner «Alcina» den routinierten Theaterkomponisten, der zwischen vitalem Tempo, kantabler Schönheit und arioser Belcanto-Lyrik meisterhaft wechselt.

Märchenhaftes Verwirrspiel

Die Geschichte dreht sich um die angeblich böse Zauberin Alcina und ihren Liebeskummer. Sie hat ihren Liebhaber Ruggiero verzaubert, der sie nun anhimmelt. Dabei hatte dieser bereits eine Braut gehabt, Bradamante, die nun, als ihr eigener Bruder verkleidet, auf der Suche nach Ruggiero auf der Insel gestrandet ist. Das Verwirrspiel zwischen den Geschlechtern war im Barock sehr beliebt. Kommt dazu, dass Händel die Partie des umschwärmten Ruggiero eigentlich für einen Kastraten geschrieben hat, heute wird die Partie aber meist als Hosenrolle von einer Mezzo-Sopranistin gesungen.

Üppige Szenenbilder mit Videoprojektionen von Bühnenbildnerin Barbara Ehnes prägen die Produktion.

Eigentlich kreist die Geschichte immer nur um Liebe und Erotik, Zeit und Raum scheinen aufgehoben. Und sie spielt auf einer verwunschenen Zauberinsel, auf der Alcina abgewiesene Männer ganz einfach in Bäume, Felsen und Wellen verwandelt. Wie schafft man heute dazu ein passendes magisches Bühnenbild? Die mehrfach ausgezeichnete Bühnenbildnerin Barbara Ehnes führte in Luzern auch Regie und hat sich lustvoll ans Werk gemacht. Sie übersetzte die aufwändige Szenerie voller übernatürlicher Erscheinungen raffiniert ins heute.

Magie in den Szenenbildern.

Dem magischen Stoff näherte sich die Regisseurin mit einer vielschichtigen Collage. Diese besteht aus laufenden Video-Bildern, eingeblendeten Texten und farbenprächtigen, aus Wolle gestrickten Korallen, die sie aus einer früheren Produktion nun in Luzern wiederverwertet. Zudem lässt sie Elemente des Bühnenbildes aus schnellwüchsigen Myzel-Pilzen direkt wachsen, so dass man sie zur Entsorgung kompostieren kann.

Faszinierendes Flechtwerk

Was „handgestrickt“ und sehr „alternativ“ daherzukommen scheint, entpuppte sich am Premierenabend als ein faszinierendes üppiges Flechtwerk. Links und rechts wird die Bühne mit aufgeklebten Korallen eingefasst. Korallen findet man auch auf den Kostümen und auf der Bühne, sie suggerieren eine Art Unterwasser-Landschaft. Auch die mit Stahlstangen konstruierten Kuben, die als Rückzugs-Räume für die Protagonisten angelegt sind, werden zellenartig miteinander verbunden; sie wirken wie Waben.

Dazu kommen moderne Videobilder: einerseits sind es Unterwasseraufnahmen, dazu kommen Bilder einer live auf der Bühne eingesetzten Kamera, die Nahaufnahmen auf die Bühne projiziert. Die historischen Szenerien aus dem Barock erkennt man am schwarz-weiss. So schichten und verweben sich verschiedene Ebenen zu einer üppig ausstaffierten Bühne, die zwar fasziniert, aber auch etwas überladen ist und im Laufe des Abends ermüdet.

Unterwasseraufnahmen tragen bei zu der üppigen Szenerie.

Die Kostüme von Annabelle Witte passen bestens, nicht nur zum Bühnenbild, sondern auch zu den Figuren. Das Changieren zwischen den Geschlechtern zeigt sie mit surrealen, aber auch «maskierenden» Roben, knalliges Rot dominiert bei den Damen. Die Sängerinnen und Sänger konnten sich darin mühelos bewegen und so auch die erotischen Anzüglichkeiten körperbetont über die Rampe bringen.

Dass am Theater Luzern ein besonderer Teamgeist weht, ist ja mittlerweile bekannt. Auch in der «Alcina» kommen junge Stimmen zum Zug, die sich hier für einmal in der barocken Koloraturkunst versuchen können. Die Hauptpartie der Alcina sang die britische Sängerin Elizabeth Bailey, welche die Alcina schon am Staatstheater Kassel erfolgreich gesungen hat. Sie wusste am Premierenabend mit grosser stimmlicher Agilität und sinnlichem Schmelz zu betören.


Die Zauberin Alcina (Elizabeth Bailey) und ihr junger Liebhaber Ruggiero (In einer Hosenrolle Solenn› Lavanant Linke). (Alle Bilder Theater Luzern/ Ingo Hoehn)

Als Alcinas Schwester Morgana wirkte Tania Lorenzo Castro anfangs noch etwas nervös und presste stimmlich, entspannte sich dann aber und gewann im Laufe des Abends an Profil. Die Hosenrolle des Ruggiero wirkte dagegen der Sängerin Solenn‘ Lavanant Linke wie auf den Leib geschrieben, sie verkörperte die Figur mit erotischer Ausstrahlung und weichem Timbre.

Souverän und spielfreudig

Dass Marcela Rahal die Altpartie der Kriegerin Bradamante trotz Erkältung so überzeugend singen und darstellen konnte, ist ihr hoch anzurechnen. Überhaupt stand diese Alcina-Premiere unter enormem Druck, fielen doch gleich zwei Sängerinnen kurzfristig krankheitshalber aus. Umso höher ist es dem Ensemble anzurechnen, dass es diese Alcina-Premiere so souverän und spielfreudig meisterte.

Viel dazu beigetragen hat auch das Luzerner Sinfonieorchester, das unter der Leitung von Julian Gaudiano rhythmisch prägnant und auch sehr «sprechend» begleitete. Gaudiano führte auch vom Cembalo aus mit Verve und musikalischer Raffinesse. Etwas ungewohnt war der satte Klang der modernen Instrumente, hört man Händels Musik heutzutage doch meist auf weicher klingenden und etwas tiefer gestimmten historischen Instrumenten.

Weitere Aufführungen im März: Fr, 24. 03. (19.30) / So, 26. 03. (13.30) / Do, 30. 03. (19.30). Ab So, 02. 04. (13.30) noch acht Aufführungen bis am Sa, 27. 05. (19.30) www.luzernertheater.ch

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