StartseiteMagazinGesundheitZuerst harmlos, dann hoch gefährlich

Zuerst harmlos, dann hoch gefährlich

Blutvergiftung war gestern. Heute wird von einer Sepsis gesprochen, wenn der Körper via Blutbahnen mit Krankheitserregern geflutet wird. Lebensgefährlich ist dieser Vorgang aber nach wie vor. Und die Infektion muss nicht mal von aussen, durch eine offene Wunde kommen.

Sommerzeit ist Ferienzeit. Ausgerechnet jetzt treten Halsschmerzen auf, eine Blasenentzündung oder eine Schleimbeutelentzündung im Schultergelenk. Also schnell ein entzündungshemmendes und schmerzstillendes Medikament eingeworfen. So steht der Kreuzfahrt, den Golfferien oder dem gemütlichen Wandern nichts mehr im Weg. Nimmt man jedenfalls an.

Dass es durch eine Infektion zu einer Blutvergiftung oder eben Sepsis kommen kann, ist vielen nicht bewusst. Landläufig denkt man beim Begriff Blutvergiftung meist an den berühmten rostigen Nagel, an dem man sich verletzt hat, an einen Hundebiss oder eine anderweitige äusserliche Verletzung, durch die Krankheitserreger in den Körper gelangen können.

Falsche Sicherheit

Und noch landläufiger ist dann die Tetanus-Impfung das Mittel der Wahl. Was allerdings irreführend ist. Denn diese Impfung bekämpft zwar den Erreger Clostridium tetani, der in der Natur häufig vorkommt und via Hautverletzungen Wundstarrkampf auslösen kann. Und ja, auch eine Blutvergiftung. Allerdings nur, wenn durch die Verletzung noch andere Bakterien in den Blutkreislauf gelangen. Deshalb ganz deutlich: Eine Tetanusimpfung – sie hält leider nicht lebenslang –schützt den Körper «nur» vor den gefährlichen Tetanus-Bakterien, die Nervenzellen zerstören und im schlimmsten Fall zum Tod führen können. Eine Auffrischungsimpfung ist deshalb absolut sinnvoll.

Eine Tetanus-Impfung hilft – aber nur gegen Wundstarrkrampf.

Bei einer Sepsis aber, der schwersten Verlaufsform einer an sich vielleicht banalen Infektion, breiten sich Bakterien, seltener auch Pilze oder Viren, über die Blutbahn im Körper aus. Darauf kann das Immunsystem mit einer Entzündung (über-)reagieren, die die Blutgerinnung verändert und Zellen schlechter oder gar nicht mehr mit Sauerstoff versorgt, sodass es zu einer Schädigung von Organen oder Körperteilen kommen kann. Fazit: Jede Infektion kann sich zu einer Entzündung entwickeln, jede Entzündung eine Blutvergiftung auslösen.

Vorsicht und Händewaschen

«Leben ist immer lebensgefährlich», hat schon Erich Kästner gewusst. Deshalb ist Panik sicher fehl am Platz. Aber etwas Vorsicht ist schon angebracht. Im Gegensatz zur Tetanus-Infektion gibt es keine Impfung, die uns vor einer Sepsis schützt. Bei älteren Reiselustigen kann eine Grippe- oder Pneumokokken-Impfung sinnvoll sein, aber ansonsten gelten die gängigen Hygienemassnahmen wie Sorgfalt bei der Wundversorgung auch kleinerer Verletzungen, im Umgang mit Lebensmitteln und bei der persönlichen Hygiene. Regelmässiges und gründliches Händewaschen haben wir ja in der Coronazeit gelernt und das ist immer noch angesagt.

Gerade ältere Reisende sollen die Gefahr einer Sepsis nicht unterschätzen. (Bilder pixabay)

Zu beachten ist, dass mit dem Alter infolge der schwächer werdenden Immunabwehr die Gefahr einer Sepsis zunimmt, insbesondere bei bestehenden Grunderkrankungen. Fühlt man sich also plötzlich nicht mehr wohl, sinkt der obere, systolische Blutdruckwert ohne Grund steil ab, steigt die Atemfrequenz oder treten Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheit, Fieber und Schüttelfrost auf, dann sollte man sich umgehend ärztlich untersuchen lassen.

Ein Rat in eigener Sache:  Eine Sepsis muss nicht schmerzhaft und nicht mal von alarmierenden Symptomen begleitet sein. Man kann auch einfach apathisch vor sich hin dämmern, ohne Angst, aber eben auch ohne einzusehen, dass ärztliche Hilfe dringend nötig ist. Und, das zum Schluss: Der berühmte rote Strich auf der Haut, den viele für ein sicheres Merkmal einer Blutvergiftung halten, kann wohl ein Zeichen für eine örtliche begrenzte, gefährliche Entzündung sein und sollte deshalb ernst genommen werden. Tritt leider in den wenigsten Fällen auf.

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