StartseiteMagazinGesundheitDiabetes besser verstehen

Diabetes besser verstehen

Es ist eine Volkskrankheit, die dem Schweizer Gesundheitswesen jedes Jahr Milliarden kostet: Diabetes Typ 2. Dank digitaler Technik wurden in den letzten Jahren zwar neue Therapiemöglichkeiten entwickelt, aber am Anfang steht doch die Frage: Was kann ich tun, damit ich mich nicht zu den mehr als 500’000 von der Stoffwechselerkrankung Betroffenen zählen muss?

Diabetes Typ 2 kann zwar bereits in jüngeren Jahren auftreten, aber das Risiko nimmt im Alter signifikant zu. Die Weltgesundheitsorganisation WHO spricht deshalb sogar von einer Epidemie. Europa oder ganz allgemein die westlichen, wirtschaftlich gut aufgestellten Länder sind dabei sehr betroffen, wenn auch an der Spitze der «führenden» Länder die Regionen Südostasien und Westpazifik stehen. Was vor allem genetische Gründe hat.

Aber zurücklehnen können wir uns nicht, denn bei uns sind in der Regel nicht die Gene schuld an einer Erkrankung, sondern der Lebensstil: Reichliches Essen, das rund um die Uhr zur Verfügung – und zur Verführung – steht, vielfach zu süss, zu fett, zu ungesund ist, verbunden mit zu wenig Bewegung im Alltag. Genauer: Wir muten unserem Organismus einfach zu viel zu. Denn anders als beim Diabetes Typ 1, der meist bereits im Jugendalter auftritt, weil die Bauchspeicheldrüse zu wenig oder kein Insulin produziert, wird es beim Typ 2 sehr wohl produziert, aber der Körper kann das Hormon nicht mehr effektiv nutzen.

Leiden Katzen auch an Diabetes? Menschen jedenfalls verzichten besser auf stundenlages Dösen. Bewegung ist das A und O bei der Diabetesprävention.

Kurze Erklärung: Das für den Stoffwechsel unverzichtbare Hormon Insulin wird in der Bauchspeicheldrüse gebildet und sorgt dafür, dass die aus der Nahrung aufgenommene Glukose, der Einfachzucker im Kohlenhydratstoffwechsel, aus dem Blut in die Körperzellen vor allem von Muskulatur, Leber und Fettgewebe gelangt. Man könnte das mit einem Automotor vergleichen: Der Treibstoff muss in den Tank gefüllt werden, damit das Auto ohne Stottern oder Aussetzer fährt.

Treibstoff Zucker

Im Körper sind die Zellen die Tanks. Wenn nun aber in der Bauchspeicheldrüse regelmässig viel zu viel Insulin, also Treibstoff, gebildet wird, kann der Körper resistent dagegen werden. Technisch und vereinfacht erklärt, verstopfen die «Einfüllstutzen» der Zellen und die Glukose zirkuliert weiter im Blut, wo der Blutzuckerspiegel ansteigt. Das kann zu Entzündungen an den Blutgefässen führen, zu Bluthochdruck, Nerven-, Augen- und Nierenleiden, Demenz bis zum Herzinfarkt oder Schlaganfall. Dazu kommt, dass die Bauchspeicheldrüse auf die «hungernden» Zellen reagiert und immer mehr Insulin produziert. Bis sie dann mal müde wird und einfach aufgibt.

Die Körperzellen werden mit dem «Treibstoff» Zucker betankt. Schwierig wird es, wenn dabei die «Einfüllstutzen» verstopft sind. Dann zirkuliert der Zucker frei im Blut – voilà, das ist Diabetes. 

Das ist eine stark vereinfachte Erklärung, wie es zu einem Diabetes Typ 2 kommt. Zu einer Entwicklung, die sich über Jahre hinziehen kann, ohne dass grössere Beschwerden auftreten. Denn anders als bei einem Auto bleibt unser «Motor» nicht einfach stehen, sondern läuft weiter. Etwas holprig vielleicht. Die Symptome, dass da etwas nicht mehr so ganz stimmt, sind zunächst unspezifisch: Müdigkeit, verstärktes Durst- und Hungergefühl, Übergewicht vor allem im Bauchbereich.

Tests und Zahlen

In der Arztpraxis werden dann Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte vielleicht auch eine Tendenz zu Infektionskrankheiten diagnostiziert. Ein Bluttest zur Bestimmung des Blutzuckerspiegels hilft weiter. Es gibt zwei Verfahren:  Beim Nüchtern-Blutzucker-Test sollte der Wert unter 5,6 mmol/Liter liegen. Millimol gibt die Menge an Zucker im Blut an. Ab einem Wert über 7 mmol/l bestätigt sich die Diagnose Diabetes.

Beim HbA1c-Test ist eine indirekte Methode wird die Menge an frei im Blutkreislauf zirkulierenden Glukose während acht bis zwölf Wochen ermittelt. Normal wären 5,7 Prozent oder weniger. Bei älteren Personen ohne weitere chronische Erkrankungen kann dieser Wert auch höher liegen, weil eine zu aggressive Minderung zu einer Beeinträchtigung der Lebensqualität führen könnte. Sprich: Ältere haben sich an eine leichte Überzuckerung gewöhnt.

 

Bewegen ist bei der Diabetesprophylaxe eminent wichtig. Notfalls auch in einem Fitnesscenter. (Alle Bilder pixabay)

Was ist zu tun, dass man sich mit solchen Untersuchungen und Fragen gar nicht herumschlagen muss? Wissen wir doch alle: Gesünder leben, weniger Süsses, mehr Gemüse, mehr bewegen – die Skelettmuskulatur kann mehr als 80 Prozent des Zuckers aus dem Blut aufnehmen. Wenn sie denn gebraucht wird. Wer jetzt denkt, eine Low Carb-Diät, also die rigorose Reduktion von Zucker und Kohlenhydraten, sei die Lösung, wird nach neuester Forschung enttäuscht. Denn diese Diät, die bei vielen schon zu einer signifikanten Gewichtsabnahme geführt hat, basiert auf dem vermehrten Konsum von Proteinen und Fleisch. Und Fleisch, das ist die neueste und schlechte Nachricht, kann die Entstehung eines Diabetes Typ 2 ebenfalls fördern.

Bewiesen ist allerdings auch, dass Vollkornprodukte, Obst, Gemüse, Milchprodukte, aber auch pflanzliche Fette in Oliven, Nüssen und Hülsenfrüchten und ein sparsamer Einsatz von Zucker das Risiko an Diabetes zu erkranken, deutlich senken kann. So stark, dass auch mal etwas Fleisch, ein Stück Schokolade oder eine sonstige «Sünde» drinliegt.

Spenden

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, Sie zum Denken angeregt, gar herausgefordert hat, sind wir um Ihre Unterstützung sehr dankbar. Unsere Mitarbeiter:innen sind alle ehrenamtlich tätig.
Mit Ihrem Beitrag ermöglichen Sie uns, die Website laufend zu optimieren, Sie auf dem neusten Stand zu halten. Seniorweb dankt Ihnen herzlich.
Sie können per Twint mit einer CH-Handynummer oder per Banküberweisung im In- und Ausland spenden: IBAN CH15 0483 5099 1604 4100 0

Beliebte Artikel

Mitgliedschaften für Leser:innen

  • 20% Ermässigung auf Kurse im Lernzentrum und Online-Kurse
  • Gratis Hotelcard für 1 Jahr (50% Rabatt auf eine grosse Auswahl an Hotels in der Schweiz)
  • Jahresbeitrag von nur CHF 60.
  • Zugang zu Projekten über unsere Partner
  • Massgeschneiderte Partnerangebote
  • Buchung von Ferien im Baudenkmal, Rabatt von CHF 50 .-

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein