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Liebeserklärung an einen Winzling

Pflanzen und Gärten beflügeln seit jeher die Fantasie von Malern und Literaten. Gärten sind Zufluchtsorte, Idylle oder auch Ablenkung von dunklen Gedanken. Und Blüten sind wie Gartenboten. Sie bezaubern, vermitteln poetische, sogar erotische Botschaften und Liebeserklärungen. Wie das Schneeglöckchen.

Mit seinen zarten Blütenkelchen inspiriert das Schneeglöckchen seit jeher Dichter, Denker und Geschichtenerzähler. Kein Wunder. Denn es gehört nicht nur zu den ersten Frühlingsboten und lässt sich auch durch Kälteeinbrüche und Eisnächte nicht vom Blühen abhalten, es ist auch ein kleines zartes Symbol des Lebens: Auch harte, kalte Zeiten gehen vorbei. Manchmal muss man sich vor dem Schicksal ein bisschen ducken, nur um sich nachher umso stolzer wieder der Sonne zuzuwenden.

Schneeglöckchen können auch als Symbol des Lebens verstanden werden: Wenn kalte, eisige Zeiten kommen, muss man sich halt ducken – und warten auf die nächsten Sonnenstrahlen.

Natürlich, Botaniker können genau erklären, weshalb ein so zartes Blümchen überleben kann, kaum lässt sich der Frühling erahnen. In seinen Zwiebeln werden so viele Nährstoffe, Stärke, Proteine, Wasser gespeichert, dass es ein eigentlicher Selbstversorger ist. Man achte nur mal auf die kleinen Schneeglöckchen-Horste, wenn rings um noch etwas Schnee liegt. Beim ersten Sonnenstrahl streckt der Winzling seine Laubblätter durch eine dünne Schneedecke und, oh Wunder, schafft sich ganz allein eine kleine apere Fläche. Denn der in den Blättern noch nicht zu Stärke verwandelte Zucker wirkt wie ein Frostschutzmittel und schützt das Pflänzchen vor dem Kältetod.

Schneeglöckchen zum Valentinstag? Wäre doch eine originelle Idee.

Heute ist Valentinstag. Aber Schneeglöckchen wird kaum jemand verschenken. Da müssen schon grössere Gebinde her. Aber in der Literatur hat das Pflänzchen seinen festen Platz. Als erstes fällt einen da Goethe ein («Frühling übers Jahr»), der Romantiker Eichendorff («S’war doch ein leises Singen im Garten heute Nacht»), Rückert («Der Schnee, der gestern noch in Flöckchen / Vom Himmel fiel / Hängt nun geronnen heut als Glöckchen / am zarten Stiel.»). Damit ist das Thema Lyrik noch lange nicht ausgereizt. Schneeglöckchen beflügelten die Fantasie durch die Jahrhunderte.

Weshalb fehlt die Farbe?

Die Frage, weshalb das Schneeglöckchen weiss ist – gut, ganz wenig Grün haben die meisten der knapp 20 Schneeglöckchen- Sorten an ihren Blütenkelchen – hat etliche Dichter und Dichterinnen beschäftigt. Der deutsche Germanist Oskar Dähnhardt ging, wie einige andere auch, dieser Frage nach, in einer ganz zauberhaften Erzählung. («Vom Schnee und vom Schneeglöckchen»).

Sehr schön ist auch das Märchen «Das Schneeglöckchen» vom Märchenerzähler Hans Christian Andersen. Er schreibt quasi einen poetischen Lebenslauf des zarten Pflänzchens. Mit Nikola Hahn hat sich auch eine Kriminalschriftstellerin am Thema versucht, ganz ohne Mord und Totschlag.

Ob Schneeglöckchen wirklich die Tränen von Eva sind? (Alle Bilder pixabay)

Zuletzt die Legende zur Entstehungsgeschichte der Pflanze:  Als Adam und Eva, aus dem Paradies vertrieben, im Winter so sehr froren – ist ja klar, nur so mit einem Feigenblatt – schickte Gott aus Mitleid einen Engel, der die Schneeflocken in kleine Blütenglöckchen verwandelte. Zweite Version: Eva bereute die Geschichte mit dem Apfel und überall, wo ihre Tränen hinfielen, wuchsen kleine Pflanzen, deren Blüten Tränen ähneln.

Wie dem auch sei. Weshalb am Valentinstag nicht mal einen Strauss Schneeglöckchen verschenken? Sie duften nämlich auch, zwar nur ganz fein. Aber das passt ja zu ihnen.

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