10 KommentareDas "Klima-Grosi" ist eine Beleidigung - Seniorweb Schweiz
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Das «Klima-Grosi» ist eine Beleidigung

Zuerst der «Blick», jetzt verwenden auch die NZZ und die Tamedia-Publikationen. den Ausdruck. Nämlich: das Klima-Grosi.

Das Wort ist keine Beschimpfung. Sondern schlimmer. Die Klima-Seniorinnen haben beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg ein Urteil bewirkt. Dieses verpflichtet die Schweiz zu Klima-Massnahmen. Welche Schritte zu unternehmen sind, lassen die Richter offen. Das hat zu den erwarteten Reaktionen geführt: Links Applaus, rechts Buh. Über das Urteil und das politische Getöse ist viel geschrieben worden. Ich erlaube mir, keine Meinung zu haben.

Aber: Wie kommen die Journalistenkolleginnen und -kollegen dazu, eine derart blöde, diskriminierende, kindische, abwertende Bezeichnung zu verwenden: Klima-Grosi.

Die Umwelt-Seniorinnen sollen Klima-Grosis sein. So werden sie von den Meitli und Buebe in den Redaktionen bezeichnet.

Für sowas bekämen die Schurnis auf den Deckel: Den Millionen-Banker dürfen sie nicht als Opa, den Pop-Star und die Bundesrätin nicht als Grosis bezeichnen. Doch dass die Medien die umwelt-engagierten Frauen zu Grosis verniedlichen, das geht.

Würden die Schurnis Elisabeth Baume-Schneider (61) als Bundesrat-Grosi bezeichnen? Nein, sie bekämen aufs Dach. Würden sie sich erlauben, Sergio Ermotti (63) einen Bank-Opa zu nennen? Nein, sie erhielten vom Chefredaktor einen vaterländischen Anpfiff.

Würde es den Schurnis einfallen, Madonna (65) als Pop-Grosi zu beschimpfen?
Nein, sie würden einen Shit-Storm riskieren.

Sollen wir die Fahrenden als Zigeuner bezeichnen?
Jesses nei.

Dürfen wir das N-Wort verwenden?
Um Himmels Willen.

Aber umweltbesorgte Frauen als Klima-Grosis lächerlich zu machen,
ja, das passt.

Das Grosi macht Sinn im Familienkreis.
Es tönt niedlich, fürsorgend, liebevoll.

Aber in der Öffentlichkeit hat das G-Wort nichts zu suchen.
Es zerdeppert den Wert dieser Person und ihr Anliegen.
_________

Hat der Kolumnist überreagiert? Engagierte Seniorinnen als Klima-Grosis zu bezeichnen, macht diese doch sympathisch. Grossmütter, Grosis und alle anderen reagieren über unsere Kommentarspalte (leider muss man weit weit nach unten scrollen).

Bilder: NZZ, Blick, zvg, UBS, Admin, pst

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10 Kommentare

  1. Nein Herr Steiger, Sie haben nicht überreagiert, obgleich es Grund genug zum Aufregen ist. Schreibende, die sich Journalistinnen und Journalisten nennen dürfen, gibt es bei der NZZ schon noch ein paar, beim Tagesanzeiger allerdings darf wohl jede und jeder. Zu viele der Schreiberlinge. Kürzlich beim samstäglichen Rechtschreibetest stiess man ohne Mühe schon im Vorwort auf einen Trennungsfehler. Aber zurück zu den Klima-Grosi. Da ist keiner mehr, der die Zeitung vor Drucklegung liest, die Lektoren wurden in Rente geschickt, die Korrekturprogramme an ihrer Stelle sind zweitklassig, das Feuer der Zeitungsmacher ist erloschen. Das Lächerlich machen, sonst anderen vorbehalten, ist auch bei der freisinnigen NZZ eingezogen. Und das nervt ganz gewaltig.

  2. es ist doch die alte Masche: kaum machen Frauen etwas wirklich Aufregendes und Neues, werden sie ins Lächerliche gezogen. Unabhängig vom Alter, aber leider nicht unabhängig vom Geschlecht.

  3. Danke, Herr Steiger, für Ihren kritischen ARTikel! In letztem Wort findet sich wohl die Lösung: Die Kunst (die Art), etwas (möglichst ungekünstelt 😉 ) darzustellen. Was Herrn Webers Trennungsfehler anbelangt, würde ich diesen allerdings auf die Sache selber legen: Missglückter Versuch erwähnter Journalisten, ihre Sache ohne stimmungsmachende Zensurbrille zu beschreiben. Eben, eine hohe Kunst. Oder: Unbequeme Grosis verdrängen die bequemen Kleinis, eine Herausforderung – wie mir hilfreich scheint. Dies zu trennen, wäre schön… Ueberreagiert? Keinesfalls!

  4. Sehr geehrter Herr Steiger
    Sie haben nicht überreagiert. Der Begriff ist ein Lächerlichmachen der Initiative, des Muts und der Weitsicht dieser Frauen, eine
    Schubladisiderung als «Spinnerinnen». Ihre Ziele müssen so nicht wahr- und ernstgenommen werden.
    Leider vertreten viele Politikerinnen und Politiker eine ähnliche Haltung wie Journalistinnen und Journalisten, welche diesen
    Begriff verwenden.

  5. Sie haben völlig recht mit Ihrem Kommentar! Schon vor bald 20 Jahren habe ich mich über diesen Begriff geärgert. Damals habe ich mich nach der Pensionierung interessiert für das Projekt «Senioren im Klassenzimmer». Da sprachen die Leute, die die Orientierung leiteten, vom Klassen-Grosi. Als ich mich dagegen wehrte, ich bin zwar 5- fache Grossmutter, aber möchte das nicht in einer Schule oder im Kindergarten sein, wurde ich nicht ernst genommen und lächerlich gemacht.

  6. Gerontokratie
    Diese Bezeichnung wurde in einer Zeitung zum Thema 13. AHV verwendet.
    Diskriminierung beginnt mit der Sprache!

  7. Man google «rock-opa» – Ungefähr 14’700’000 Ergebnisse
    Die Wertung findet im Hirn des Lesers statt – und ist individuell.
    Respekt verschwindet langsam wie die Gletscher…

  8. Für mich ist „Grosi“ eine liebevollere Bezeichnung als „Oma“ und hat nichts mit Diskriminierung zu tun. Aber wenn man will findet man überall etwas Abwertendes.

  9. 1
    Dem Peter Steiger einmal mehr ein grosses Dankeschön für seinen Mut für ‚fadegradi Üsserigä‘, für Thematik im Kern erkennen und seinen Einsatz für ‚möglichste Gerechtigkeit›.

    2
    Ich schätze mich glücklich, dass ich 8 von 9 Kommentaren voll und ganz zustimmen kann.

    3
    Liebe Frau Dori, nehmen Sie es mir nicht übel, aber Sie denken am Kern der Sache vorbei. Grossmutter wäre eher angebracht, wenn das denn in diesem Fall relevant wäre. Wie bereits erwähnt wurde: Diskriminierung beginnt mit der Sprache und damit im Kopf! Wie auch Schulung des Wissens, des Anstandes, des Respektes, des Verhaltens des einzelnen Menschen gegenüber seinem Umfeld!

    4
    Die Sprache und die Inhalte im Journalismus sind tief gesunken. Negative Beeinflussung durch das Wort hat Oberhand – und die Schreibenden scheinen es nicht einmal zu realisieren. Die Redaktionsleitung goutiert es. Nach Rappensau (in Riesenlettern als Titel), Innerer Schweinehund (eine gängige Äusserung zu Hitlers Zeiten), Ein Ei gelegt (der Polizei) Eine klatschende Ohrfeige (dem deutschen Bundespräsidenten), Joe Biden x-mal und immer wieder beim Treppenstolpern präsentieren. Wir sind nun vom ‚alles ins Lächerliche ziehen‘ bei der tätlich-brutalen Umsetzung angelangt. Und darüber wird wiederum breit und mit Freuden publiziert

    Erschreckend! Gegengewicht geben – Danke Herr Steiger.

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