Kopfschütteln ist gesund, lockert die Halsmuskulatur und trägt so zur Entspannung der oberen Rückenpartie bei. Wer mit Gymnastik nicht viel anfangen kann, für den hier ein guter Rat: Zeitung lesen.
Vorsilben vertauschen oder mal einfach weglassen, Verben nach dem Zufallsprinzip verwenden oder mal Alt gegen Jung ausspielen – die Presse oder besser gesagt, ihr Personal, sorgt immer wieder für Erstaunen. Und manchmal auch für ein Lächeln. Soll ja auch gesund sein.
Zucker begünstigt Demenz und schadet dem Gehirn, schreibt ein Journalist und liefert gleich selbst einen kleinen Beweis: Es geht auch ohne zugesetzten Zucker in der Nahrung aus. Also nicht etwa der Zucker ist ausgegangen. Da sind einfach zwei Gedanken durcheinandergeraten: Man kommt ohne Zucker aus, oder man streicht das «aus». Und ermahnt: Es geht auch ohne Zucker. Ausser natürlich, es ist Ostern oder Weihnachten oder Dessertzeit, oder so heiss, dass nur noch ein Glacé Abkühlung bringt, oder der Kaffee schmeckt nicht ohne Zucker, oder die Lust auf Süsses ist gerade sehr gross, oder man hat verführerische Pralinés geschenkt bekommen, oder … . Sie finden sicher noch ein paar gute Gründe.
Zu einem anderen Kampf: Reibungen und angemessenes Verhalten gebe es in der Armee vor allem im Umgang mit weiblichen Mitgliedern, wird vermeldet. Tönt ja fast etwas zu positiv und ist ausserordentlich erfreulich. Oder fehlt da etwa eine Vorsilbe, ein «un»? Nein, nicht bei den Reibungen.
Die nachrückenden Jungen können die Alten am Arbeitsmarkt nicht ersetzen. Ist für mich gleich zwei Mal diskriminierend: Die «Alten» am Arbeitsmarkt sind in der Regel knapp 65 Jahre alt. Dann wird man in der Schweiz üblicherweise pensioniert – und gehört dann zu den Älteren. Alt werden kann man von diesem Zeitpunkt an noch lange. Die Lebenserwartung liegt bei Männern und Frauen deutlich über 80 Jahre. Aber noch weit mehr diskriminiert werden da die Jungen: Sie sollen nicht in der Lage sein, ihre Vorgänger zu ersetzen? Zu dumm, zu faul oder was? Gemeint ist doch wohl, dass die Zahl der jungen Berufseinsteigenden nicht ausreicht, die Abgänge der aus Altersgründen ausscheidenden Kolleginnen und Kollegen zu ersetzen. Weshalb schreibt man das denn nicht so?
Wer alt ist, darüber lässt sich ja streiten. Und wenn viele darüber streiten, dann werden das dann auch viele Streite. Noch nie gelesen? Hoffentlich nicht. Streit ist ein Begriff, der eigentlich nur im Singular verwendet wird, wie Hitze, Gold und Silber, Schnee oder Obst und noch einiges mehr. Alles Dinge, die sich nicht mit Zahlen definieren lassen. Wenn sich aber viele Gruppen, Völker, Kindergärtler streiten, braucht es manchmal gleichwohl einen Plural. Aber Streite? Oder Streits, wie ich auch schon gelesen habe? Dabei haben wir doch die Begriffe Streitigkeiten, Streitfälle oder Streitereien.
Zum Schluss sind da noch die Blätter, die sich wie Gummi angreifen. Angriffige Blätter, so etwas wie grüne Raubvögel? Oder fühlen sich die Blätter nicht vielmehr wie Gummi an? Auch Verben lassen sich nicht beliebig ersetzen. Ist so wie beim Zucker.
