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Warum es so gut tut, sich zu kratzen

Manchmal können wir einfach nicht anders: Wenn es irgendwo juckt, hilft nur ein erleichterndes Kratzen. Doch warum reagieren wir so, obwohl wir wissen, dass wir unserer Haut damit keinen Gefallen tun?

Ein guter Freund erzählte mir kürzlich von einem Haushaltgerät, das er für einen ganz neuen Zweck entdeckt und erfolgreich angewendet habe. Die Rede ist von einer Spaghetti-Zange, mit der er sich am Rücken kratzte. Ich habe mir richtiggehend die Haut aufgerieben, bis es blutete, aber es tat so gut“, schilderte der von einer Nesselsucht befallene Senior.

Die Haut ist ein eminent wichtiges Organ. Sie schützt uns vor Kälte und Wärme und begleitet uns durch dick und dünn. Doch manchmal macht uns die Haut zu schaffen. Es juckt wie verrückt. Wir sehen keinen anderen Ausweg, als uns zu kratzen, obwohl der Verstand meldet: Lass das sein.

Die Wissenschaft unterscheidet zwischen akutem und chronischem Jucken. Akut kribbelt es zum Beispiel, wenn uns eine Mücke sticht oder Ameisen auf uns herumkrabbeln. Zu einem chronischen Problem wird Jucken bei Krankheiten wie etwa Neurodermitis. Auch trockene Haut oder eine Allergie können Juckreiz hervorrufen, ebenso Infektionskrankheiten wie Windpocken, oder wenn eine Wunde heilt.

Spezialfall Diabetiker

Eine Kategorie von Menschen, die besonders oft unter einem starken Juckreiz leiden, sind Diabetiker. Mediziner haben dafür mehrere Erklärungen. Bei hohen Blutzuckerwerten, zum Beispiel infolge einer falschen Einstellung des Blutzuckers, scheidet der Körper überschüssigen Zucker mit dem Urin aus. Der häufige Gang auf die Toilette ist eine Folge. Wenn zu wenig Flüssigkeit aufgenommen wird, trocknet die Haut schneller aus und wird damit rissiger und anfälliger für Juckreiz. Auf die Haut von Diabetikern wirkt sich das besonders negativ aus, weil die natürliche Hautbarriere ohnehin geschwächt ist.

Im weiteren können Schädigungen der Hautnerven (diabetische Neuropathie), unter denen Diabetiker überproportional leiden, die Regulierung der Schweiss- und Talgdrüsen in der Haut beeinträchtigen.

Der Juckreiz bei Diabetes kann unangenehme Stellen wie die Vulva, den Anus oder die Kopfhaut befallen. In erster Linie sind es aber die äusseren Extremitäten, also Füsse, Beine, Arme und Hände, die man zum Kratzen leicht erreicht. Vor allem die Füsse gelten als Eintrittspforte für Infektionen bei Diabetes. Auf sie  – die diabetische Hautpflege – sollte denn auch ein besonderes Augenmerk gerichtet werden. Eine geeignete Hautcreme kann zur Linderung des Juckreizes beitragen.

Etwas nicht in Ordnung

Biologisch gesehen lässt sich dem Juckreiz durchaus eine positive Seite abgewinnen. Er macht uns darauf aufmerksam, dass mit unserer Haut oder unserem Körper irgend etwas nicht in Ordnung ist.

Das kräftige Kratzen verschafft einem ein äusserst wohliges Gefühl der Erleichterung. Der Effekt tritt unabhängig davon ein, ob man sich selber kratzt oder zum Beispiel unser Partner oder unsere Partnerin oder gar ein Pfosten, an dem man sich reiben kann, weil wir die kratzende Stelle mit unseren eigenen Händen nicht erreichen. Oder eben eine Spaghetti-Zange zu Hilfe nehmen…

Juckreiz ist ein Signal dafür, dass etwas mit unserer Haut oder unserem Körper nicht in Ordnung ist. Foros: zvg

Nennenswerte Forschungen darüber, was beim Kratzen mit unserem Körper genau passiert, existieren kaum. Immerhin haben Wissenschaftler der University of Minnesota in Minneapolis versucht, dem Zusammenhang zwischen Jucken und Kratzen mit Testpersonen, die man speziell reizte, auf die Spur zu kommen. Die Wissenschaftler glauben inzwischen, für unsere Kratzlust zumindest eine Teil-Erklärung gefunden zu haben.

Die massgebende Rolle sollen spezielle Nervenzellen im Gehirn spielen. Jede Zelle betreut quasi ein abgegrenztes Feld auf der Haut. Wenn es uns nun juckt, wird die entsprechende Zelle aktiv und gibt ein elektrisches Signal an das Gehirn ab. Sobald wir uns kratzen, ändert die Nervenzelle ihr Muster und das Jucken hört auf.

Kratzen fördert Juckreiz zusätzlich

Allerdings funktioniert das leider nur für eine sehr beschränkte Zeit von vielleicht einer halben Minute. Dann geht das ganze wieder von vorne los: Die Nervenzellen melden dem Gehirn, dass es wieder juckt. Eine Endlosgeschichte, aus der man sich kaum befreien kann. Durch die anhaltende Stimulation der Haut werden Botenstoffe freigesetzt, die den Juckreiz noch zusätzlich fördern. Wir kratzen weiter, obwohl die Gefahr, dass Bakterien in die Haut eindringen, nur noch mehr wächst.

Laut Medizinern werden beim Kratzen Hirnareale aktiviert, die zum sogenannten Belohnungssystem gehören. Auf einen Nenner gebracht: Wie beim Alkohol oder anderen Drogen fällt es auch beim Kratzen schwer, einfach aufzuhören; erst recht Menschen, die unter einem chronischen Juckreiz leiden.

Was tun?

Doch was soll man denn sinnvollerweise tun, wenn es juckt? Eine Apothekerin gibt uns folgende Ratschläge: „Bei einer trockenen Kopfhaut sollte man rückfettende Shampoos oder Selenshampoos zur Beruhigung der Kopfhaut verwenden. Zur Bekämpfung von Läusen gibt es Läuseshampoos.“ Bei Mückenstichen würden durch Kühlen und dem Auftragen einer antiallergischen Creme gute Wirkungen erzielt.

Eine bessere Massnahme als Kratzen bestehe darin, die gereizten Nervenfasern sofort mit Kälte zu beruhigen. Man kann eine Getränkedose auf die juckende Stelle legen, sodass der Juckreiz überlagert wird und das Gehirn diesen nicht mehr wahrnimmt. Allerdings sollte man Eis nie direkt auf die Haut legen, sondern diese mit einem Tuch schützen.

Manche Menschen beisst es auch immer wieder am After. In solchen Fällen könnten entzündungshemmende und lokalanästhetisch (lokal betäubende) wirkende Cremes helfen. „Wenn die Beschwerden nach einer kurzen Zeit nicht nachlassen, würde ich zu einem Arztbesuch raten. Ursache für einen Juckreiz können nämlich auch Hämorrhoiden, ein Wurmbefall oder andere Erkrankungen sein.“

Ein Arztbesuch dränge sich auch auf, wenn sich das Hauterscheinungsbild verändere, zum Beispiel nässende, raue Stellen auftreten, und die in der Apotheke gekauften Mittel nicht helfen. „Sollten Erkrankungen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte die Ursache sein, dann ist eine erfolgreiche Behandlung phasenweise nur mit verschreibungspflichtigen Medikamenten möglich.“

Und was hält die Apothekerin vom Ratschlag, man solle bei Juckreiz – wenn überhaupt – dann lieber auf die entsprechende Stelle klopfen statt kratzen? „Ich würde es so sagen: Wofür man sich auch entscheidet, die Haut sollte nicht verletzt werden.“ Eine Spaghetti-Zange erfüllt diese Anforderungen nicht.

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2 Kommentare

  1. Ich hatte 6 Mte.Juckreiz nach der Impfung! Von Kopf bis Fuss.Zusammen mit der Uni Zch- Kloten/Circle schafften wir nach langer Zeit die Heilung.
    A.Walser

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