Glückliche Familie samt Kuh und Matterhorn. Weiter hinten im Artikel sehen wir den Platzhirsch, den Flohzirkus und den Rappenspalter. Alles mit schönen Bildern. Künstliche Intelligenz öffnet uns Grenzen. Und führt uns auf glitschiges Terrain.
Künstliche Intelligenz ist das unsichtbare Ding, das uns Angst und Spass macht. Angst haben wir, weil KI vielen Menschen den Job nimmt. Da habe ich vor ein paar Wochen für Seniorweb einen Text geschrieben. Er beantwortete die Frage, ob ein öffentliches Gebäude mit einem Treppenlift als barrierenfrei gelte. Dies konventionell zu recherchieren, hätte Stunden gedauert. KI lieferte als Antwort in wenigen Sekunden einen verständlich geschriebenen Artikel. Solche Arbeitserleichterungen sind bei Qualitäts-Medien unterdessen Alltag. Sie vernichten Jobs.
Freude oder wenigstens Überraschungen bieten KI-Bilder, weil sie so täuschend echt aussehen. Es sind zwar immer Fakes. Aber sie sind oft so gut gefälscht, dass man schon sehr genau hingucken muss, um sie zu entlarven. Spass macht dies, weil man damit so gut, so einfallsreich und so kreativ schummeln kann.
Bei den folgenden Beispielen haben wir Begriffe auf den Kopf gestellt, kräftig geschüttelt und über das Ergebnis geschmunzelt. Aber: Insgeheim haben wir uns auch Sorgen gemacht. Eben: Weils allzu gut aussieht. Und: Die Bilder fressen Strom, sehr viel Strom. Der erscheint zwar nicht auf unseren Rechnungen, sondern heizt die Server in den USA. Da wirds einem zurzeit schon mulmig.
Dem Casanova vom Hühnliwald sind seine Nachkommen so was von Wurst.

Der Platzhirsch steht nicht nur wegen seiner protzigen Goldkette und seinem Luxus-Geweih in der allerersten Reihe. Er sieht sich auch als uneingeschränkter Casanova vom Hühnliwald. Unzählige Hirschkühe* hat er beglückt, unzählige härzige Hirschlinge gezeugt. Sein Harem und seine Nachkommenschaft sind ihm allerdings so was von Wurst. Wichtig sind ihm sein Gold (sein Geld) und sein Zwölf-Ender-Geweih (sein Zwölfzylinder-Auto).
Prompts heissen die Anweisungen fürs KI-Bild. Als Grundlagen sind sowohl Texte wie auch Bilder möglich. Text-Prompts sollen so ausführlich und präzise wie möglich sein. Schlechtes Beispiel: Ein Bild von einer Stadt bei Nacht. Gutes Beispiel: Erstelle eine realistische Nachtaufnahme einer Altstadt. In einigen Fenstern brennt Licht. Die wenigen Leute in den Gassen schützen sich mit Schirmen vor dem Regen. Mit Präzisierungs-Prompts als Feedback zum bereits entstandenen Bild erzielt man oft gute Ergebnisse.
Die Kartoffel bürgerte sich in der Deutschschweiz über Umwege ein.

Die Kartoffel kam im 16. Jahrhundert nach Europa. Sie löste Skepsis aus, vorerst aber keinen Gluscht. Die Bewohner der deutschsprachigen Alpenländer hatten die Idee, die Knollen als Gehstock zu benützen. So entstand der Kartoffelstock (in der Schweiz bekannt als Härdöpfu-Stock). Er wurde lange als Wanderstab benützt. In Norddeutschland kannte man diese Verwendung kaum. Nur selten sah man Ostfriesen mit Erdbirnen-Stampf.
In Flugschulen sind Pilotversuche unbeliebt, in der Politik sind sie üblich.
Auf dem folgenden Bild sehen wir, wie sich die KI auch mal tüchtig verhauen kann. Wer sieht die beiden Fehler? Gelungen ist immerhin die Darstellung des Wassers mit schönem Lichteinfall wie auch das Bild des einmotorigen Flugzeugs.

Pilotversuche gibt es für fast alles. Für den neuen Kreisel bei Altigkofen-Sürendorf oder die Umstellung der Abfallgebühren in Dintikon. Pilotversuche kennen auch Flugschulen. Da ist der Fall von Othmar K. bekannt, der nicht weniger als neun Pilotversuche benötigte, bis es ihm endlich gelang, die Kiste länger als ein paar Sekunden in der Luft zu halten. Spektakulär ist der hier gezeigte Pilotversuch, der im Weiher von Dusslikon (AG) endete.
Im Flohzirkus gibt es keine Peitschen, Insektenspray genügt.
KI kann die Dimensionen verändern. Reizvoll wäre es bei unserem Beispiel gewesen, wenn ein riesengrosser Floh als Tierbändiger in der Manege gestanden wäre. Der Dompteur hätte einen kleinen Menschen durch den Reif springen lassen. KI-Tools, die auf ihren Ruf achten, beschränken allerdings die Menschenversuche. Hard-Core-Sexszenen promptet man vergeblich. Seit einiger Zeit sind im Netz nackte Promis zu sehen. Die KI hat ihnen die Kleider geraubt. Sowas ist jenseits. Vorstellbar ist hingegen, dass KI dem Detektiven-Handwerk schadet. Wozu noch auf der Lauer liegen, um Frau A und Herrn B beim ausserehelichen Tun zu fotografieren? KI liefert bessere Ergebnisse in kürzerer Zeit.

Bevor der holländische Dompteur Vanderblieft aus Leeuwarden zum Flohzirkus kam, arbeitete er mit grönländischen Tigern, dann mit australischen Elefanten. Schliesslich versuchte er es mit Haustieren. Doch wer applaudiert schon einem Hund, der das Mandli macht? Aber mit den Flöhen klappte es dann sehr gut. Vanderblieft hat jetzt viel Erfolg und dazu immer genügend talentierten Nachwuchs und statt der Peitsche genügt ihm der Insektenspray seiner Wahl.
Wir Schlangen fressen keine Äpfel. Wir mögen Fleisch, nur Fleisch.
Wir bleiben bei den Tieren. Eigentlich wollten wir Adam, Eva, Schlange und Äpfel zeigen. Aber sich über Religiöses lustig machen? Lieber nicht. Dann eher was Gruseligs. Wenigstens für jene, die mit Schlangen (Kaltblütern) nicht so recht warm werden. Wir wissen nicht, welche Schlangenart KI hier abgebildet hat. Giftig, harmlos, Würgepython? Jedenfalls staunen wir mit welcher Akribie und vermutlicher Detailtreue unser digitales Helferlein gearbeitet hat.

Ich heisse Kriechhild. Und muss als erstes entrüstet protestieren. Der Zusammenhang, in dem man mich hier dargestellt hat, ist völlig inakzeptabel: Schlangenfrass. Die Zweibeiner meinen damit schlechtes Essen, ungeniessbare Pampe. Dabei bevorzugen meine Artgenossen und ich nur erlesenes Frischfleisch. Von Insekten über Mäuse und Eidechsen bis zu leckeren Kaninchen und anderen Nagetieren. Keinesfalls aber, nie und nimmer, verspeisen wir Schlangen Äpfel.
Bericht aus den Niederungen der Schweizer Finanzwirtschaft
Zum Schluss was Technisches. KI wollte partout nichts von Schweizer Räpplern wissen. Erst als wir die reale Fotografie eines Einräpplers aufpropften, nahm sich KI auch der Niederungen der Schweizer Finanzwirtschaft an. Das 1 in unserer Münze lehnte der digitale Vor- un Nachdenker allerdings ab.

Wir sehen hier zwar Emil F. in seiner Werkstatt mit einem umgebauten Trennschleifer. Doch wir müssen es zugeben: Das Bild ist gestellt. Das ehemals goldene Handwerk des Rappenspalters ist unterdessen völlig verschwunden. Zulauf haben hingegen die Millionen- und Milliardenspalter. In den USA ist nun seit anfangs Jahr sogar ein Billionenspalter am Werk.
Bilder: fotor
