Wird es kälter, nehmen auch die Blasenentzündungen zu. Weil der Regen die Schuhe durchnässt, das Gespräch am Rande des Schwimmbeckens im Hallenbad im nassen Badekleid etwas länger dauert oder war es eine kalte Bank im Freien? Stimmt so nicht! Es sind Bakterien, Pilze oder Viren, die das oft immer wiederkehrende Leiden auslösen. Kälte kann eine Infektion durch Schwächung des Immunsystems aber begünstigen,
Die meisten Älteren begrüssen eine Blasenentzündung wie eine alte, lästige Bekannte: Taucht immer wieder mal auf und lässt sich einfach nicht abwimmeln. Frauen sind besonders häufig betroffen von diesen unerwünschten, schmerzhaften und auch einschränkenden Besuchen. Das hat mit ihrer Anatomie zu tun. Die kurze, nur etwa vier Zentimeter lange Harnröhre kann von Erregern leicht überwunden werden. Allerdings treten bei älteren Männern Blasenentzündungen ebenfalls vermehrt auf, begünstigt durch eine vergrösserte Prostata. Und vielfach verläuft diese Zystitis schwerer als bei Frauen und bedingt deshalb vermehrt einen Antibiotika-Einsatz.
Keine Zeit verlieren!
Eine Blasenentzündung oder Zystitis sollte schnell und gezielt behandelt werden. Denn wenn eine Infektion sich ausbreitet, von der Blase aufsteigt in die Nieren, wird es sehr schnell sehr gefährlich. Eine Nierenbeckenentzündung ist nicht nur extrem schmerzhaft, es besteht auch die Gefahr einer Sepsis (Blutvergiftung), die den ganzen Körper befallen kann. Deshalb ist bei einer akuten und schmerzhaften Blasenentzündung ein ärztlich verschriebenes Antibiotikum sicher das Gebot der Stunde. Es wird schnell Erleichterung bringen – wenigstens bis zum nächsten Mal. Denn Harnwegsinfekte haben die Tendenz, chronisch zu werden.
Deshalb gilt die Devise: Wehret den Anfängen! Und zwar an allen Fronten. Die Information, dass es in den meisten Fällen nicht die unsaubere Toilette im Restaurant oder die ungemütliche Novemberkälte ist, die eine Infektion auslöst, sondern die «hauseigenen» Darmbakterien oder Pilze, verleitet dazu, sich «da unten» noch gründlicher und mit noch stärkeren Mitteln zu waschen. Falsch! Wasser reicht bei gesunden Personen zur Intimpflege völlig aus.
Seife und aggressives Waschen haben im Intimbereich nichts zu suchen. Aber eine fettende Crème beruhigt nach dem Duschen und hält die empfindliche Haut geschmeidig.
Aggressive Waschlotionen oder Seifen führen lediglich dazu, dass im Intimbereich feine Risse auftreten, die es Keimen leicht machen, in die Harnröhre und die Blase einzudringen. Deshalb sollte, gerade für ältere Frauen, deren Schleimhäute durch Hormonmangel dünner und trockener werden, die tägliche Intimpflege mit einer fettendenden Crème, die möglichst frei von Zusatzstoffen ist, ergänzt werden
Pflegende Produkte beugen einer Entzündung vor
Präparate mit Milchsäure-Bakterien und Preiselbeersaft bilden einen schützenden Film auf den Schleimhäuten und sind ein probates Mittel bei einer beginnenden Blasenentzündung. Auch D-Mannose, ein Einfachzucker, der auch im menschlichen Körper vorkommt, und Probiotika mit spezifischen Bakterien, die sich im Mikrobiom im Intimbereich ansiedeln und es so wieder ins Gleichgewicht bringen können, sind wirksame Mittel, die den Einsatz einer nächsten Antibiotika-Therapie verhindern oder zumindest vorbeugen.
Hagebuttentee, aber auch Aufgüsse aus Heilkräutern, bringen Abwechslung in die Trinktherapie bei Blasenentzündungen.
Das Wichtigste aber zum Schluss: Viel trinken, nicht nur bei einer beginnenden Blasenentzündung, sondern ganz allgemein, ist eine wirksame Prophylaxe. Und eine ganz einfache dazu: Wer genügend trinkt – mindestens zwei Liter pro Tag dürfen es schon sein –, der spült seine Blase und Harnröhre regelmässig durch, und Erreger, gleich welcher Art, haben es schwerer, sich in den Schleimhäuten festzusetzen.
Viel trinken – aber nicht zu viel
Wasser ist immer empfehlenswert und ungesüsster Kräutertee zum Beispiel aus Hagebutten, Brennnesseln, Schachtelhalm, Birkenblätter oder Thymian wirkt zusätzlich entzündungshemmend und kann durch Wärme auch schmerzlindernd sein. Vorsicht bei Herzproblemen: Zuviel Flüssigkeit kann das Herz belasten. Am besten ärztlich abklären lassen.
Apfelessig mit Wasser vermischt, gilt als wirksames Hausmittel, da er antibakteriell wirkt. Cranberrysaft ist ein anerkanntes Mittel gegen Harnwegsinfekte. Ein persönlicher Tipp, zwar durch keine Studien, aber Erfahrung belegt: Wer vor dem Schlafengehen ein halbes Glas Preiselbeersaft trinkt, der sorgt dafür, dass der Saft möglichst lange in der Blase verbleibt und dort hoffentlich unter den Erregern «aufräumt». Und so dazu beiträgt, dass die «alte Bekannte Zystitis» ganz schnell das Weite sucht.

