Gut die Hälfte des Winters haben wir hinter uns. Und das Abwehrsystem unseres Körpers wird langsam müde: Der Vorrat an Sonnenenergie vom letzten Herbst ist aufgebraucht, und die vielen Nebeltage ziehen sich hin. Die Hustenkakaphonie im Zug, beim Grossverteiler oder im Konzertsaal zeigt es: Das nagt an der Gesundheit. Hausmittelchen können da helfen.
«Fit durch den Winter», dieser Slogan taucht immer mal wieder auf. Viele, gerade Ältere, haben dafür nur ein müdes Lächeln übrig. Nicht, weil sie krank wären. Aber die kalten, nebligen Tage zehren an den Nerven – und an der Gesundheit. Da ein Kratzen im Hals, dazu immer wieder Kopfschmerzen, plötzlich eine Triefnase und dann diese Müdigkeit, Antriebslosigkeit. Ist das noch normal oder doch schon krank oder eine richtige Winterdepression?
Hausmittelchen, wissenschaftlich erforscht
Es gibt zwei gute Nachrichten, kleine seelische Trostpflästerchen: Erstens: Bald wird es Frühling, die Tage werden wärmer und es zieht uns wieder mehr ins Freie, ans Licht. Zweitens: Schon in Grossmutters Arzneischränkchen fanden sich eine Vielzahl an Hausmittelchen, die gegen leichtere Beschwerden helfen. Das Gute: Heute sind viele dieser «Hausrezepte» wissenschaftlich erforscht und ihr Nutzen deshalb doppelt bewiesen. Gut, ein paar Ratschläge gingen als das durch, was sie sind: Ammenmärchen. (Und helfen manchmal gleichwohl).
Honig beruhigt, lindert und heilt. Und versüsst das Leben.
Beginnen wir mal mit den festen Werten: Honig, zum Beispiel. Wer von uns bekam nicht schon im Kindesalter warme Milch mit Honig zu trinken, wenn ein lästiger Husten plagte oder wenn man nicht einschlafen konnte. Auch das aufgeschlagene Knie bei den ersten Versuchen auf dem Velo verarztete die Mutter mit einer Honigauflage und ein Löffel voll Honig half auch bei unspezifischen Bauchschmerzen. Heute ist die antibakterielle und aseptische Wirkung nachgewiesen. Nur gegen Viren hilft Honig nicht und Kinder unter anderthalb, zwei Jahren sollten keinen Honig essen, weil schädliche Mikroben in seltenen Fällen schaden können.
Gegen Husten hilft auch Zwiebelsirup: Eine grosse Zwiebel wird in feine Scheiben geschnitten und lagenweise mit Zucker in eine Schale geschichtet. Gut zudecken! Nach ein paar Stunden kann der klare und vor allem fast geruchlose «Sirup» löffelweise eingenommen werden. Kinder lieben diesen Zwiebelsaft, der, abends verabreicht, für einen ruhigen Schlaf ohne Husten sorgt.
Zwiebeln sind wahre Gesundheotsbooster und Zwiebelsirup bringt Kinder zum Husten. Weil sie noch mehr davon wollen.
Weniger beliebt, aber wirksam sind die Zwiebelsäckchen gegen Ohrenschmerzen: Fein gehackte Zwiebel in ein dünnes Tuch geben, gut zubinden und dann entweder in der Mikrowelle oder in einer Pfanne über Wasserdampf erwärmen. Das jetzt leicht feuchte Päckchen auf das schmerzende Ohr legen und darauf am besten noch eine Wärmeflasche packen. Gegen Schnupfen kann so eine Zwiebelpackung auch auf dem Nachttisch oder sonst in Kopfnähe deponiert werden. Die ätherischen Dämpfe der erwärmten Zwiebel lösen die verstopften Atemwege. Weshalb das nicht sehr beliebt sein soll? Das riecht man auch bei einer verstopften Nase.
Weitere «Grossmuttermedizin»-Rezepte
Gegen Halsschmerzen hilft Gurgeln mit Salzwasser, ab und zu ein Löffel Zitronenwasser oder Salbeitee. Nützt das nichts, empfiehlt die «Grossmuttermedizin» einen Wickel um den Hals, gefüllt mit recht warmen, gekochten Kartoffeln oder dünnen Zitronenscheiben oder Quark. Dazu viel trinken. Ingwertee zum Beispiel. Halsschmerzen sind oft Vorboten einer unangenehmen Erkältung. Deshalb vorbeugend im warmen Bett bleiben, viel schlafen, etwas Musik hören und sich mit anregender Lektüre und aromatischen Tees verwöhnen (lassen). So verschwindet ein Schnupfen oft, bevor er so richtig Fahrt aufgenommen hat.
Fieber ist keine Krankheit, verlangt aber nach Wärme und Ruhe.
Fieber ist keine eigentliche Krankheit, eher ein Symptom für einen Infekt. Deshalb gilt, siehe oben, Wärme, Ruhe und viel trinken. Verschwindet das Fieber noch zwei, drei Tagen nicht, sollte eine Ärztin, ein Arzt konsultiert werden. Übrigens: Wärme heisst nicht, den beginnenden Infekt «auszuschwitzen». Wärme ist gut, aber immer nur so, dass es noch angenehm ist. Gerade Älteren kann es schnell zu heiss werden, was den Kreislauf stark belastet. Gut beraten ist, wer ab und zu einen Schwall kalter Frischluft ins Zimmer strömen lässt, natürlich wohlig unter die Bettdecke gekuschelt.
Nicht alles hilft, was angepriesen wird
Es gibt eine Vielzahl von Hausmittelchen, die ein müdes Immunsystem wieder auf Trab bringen können. Und einige, die ziemlich wirkungslos verpuffen. Wer bei einer beginnenden Erkältung mit Vitamin C Gegensteuer geben möchte, liegt leider falsch. Vitamin C ist für den Organismus lebensnotwendig, besitzt antioxidative Eigenschaften, unterstützt viele Funktionen im Körper, auch das Immunsystem, und schützt die Haut vor schädlichen Sonnenstrahlen. Aber eine Wunderwaffe gegen eine beginnende Erkältung ist es leider nicht. Das ist ein Märchen der Pharmaindustrie.
Einen beginnenden Infekt mittels Alkohol aus dem Körper zu treiben, ist auch keine gute Therapie. Dass Alkohol desinfizierend wirkt, ist zwar unbestritten. Aber damit sind äusserliche Anwendungen gemeint. Im Körper wirkt Alkohol diuretisch, das heisst, dem Körper wird Wasser entzogen. Warmes Bier wird seit je her als Mittel gegen Erkältung empfohlen, nicht ganz zu Unrecht. Hopfen gilt in der Volksmedizin als Heilpflanze, aber im Bier wird seine Wirkung gemindert, denn Alkohol schwächt das Immunsystem.
Manchmal nützt es halt doch – ein bisschen
Und jetzt ein grosses Aber: Wenn sich der Kopf anfühlt, als sei er in einen Schraubstock eingespannt, der Hals kratzt und ein trockener Husten das Einschlafen fast verunmöglicht, dann hilft, weiss ich aus eigener Erfahrung, ein «Hot Whisky», oder, wer das mag, ein Rumpunsch oder eben ein warmes Bier wunderbar beim Einschlafen. Ein tiefer Schlaf hilft dem Körper, sich zu regenerieren und mit krank machenden Erregern besser fertig zu werden. Es könnte ja vielleicht auch ein warmer Tee sein, aber so eine kleine Wohlfühltherapie mit Alkohol, Zitronensaft und Zucker tut dann einfach gut. Und so ganz und gar gesund leben kann man ja dann, wenn man wieder gesund ist.

Danke Bernadette, dein alter HA noldi