Zuhause sterben?

Im Jahre 2024 starben in der Schweiz rund 80% in Alters-/Pflegezentren oder Spitälern, obwohl gemäss Studien 75% zuhause sterben möchten. Wie kann diese Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit reduziert werden?

Im März 2026 organisierte das Forum Gesundheit und Medizin in Zürich eine Tagung unter dem Titel «Leben und Sterben dort, wo man zuhause ist».

Dabei wurden etwa folgende Fragen diskutiert:

  • «Wie ist eine prioritär häusliche Versorgung schwer kranker und sterbender Menschen möglich?
  • Welche Aufgaben kommen auf die Angehörigen zu?
  • Welche palliativen Unterstützungs- und Hilfsangebote existieren im ambulanten Bereich?
  • Wie kann die Kontinuität in der palliativen Behandlung und Begleitung sichergestellt und die Vernetzung zwischen Hausärztin/-arzt, ambulanten und stationären Einrichtungen organisiert werden?
  • Wie kann der frühzeitige Zugang zur palliativen Medizin im häuslichen Umfeld garantiert werden?
  • Welche besonderen Anforderungen stellt die palliative Versorgung an die Hausarztmedizin?
  • Was muss eine palliative Pflege zu Hause beachten, deren «Adressaten» sowohl die PatientInnen als auch die Angehörigen sind?
  • Was gilt es bei der Frage nach dem geeigneten Lebensort für die letzte Lebensphase zu bedenken?»

Schweizer Palliative Care Preis an Dr. med. Andreas Weber

Im Anschluss an die Tagung wurde der Schweizer Palliative Care Preis an Andreas Weber verliehen. Mit dem Preis wird seit 2010 alle zwei Jahre eine Persönlichkeit geehrt, «die sich in herausragender Weise und pionierhaft für eine verbesserte palliative Versorgung in der Schweiz engagiert hat.» Andreas Weber hat sich als Präsident des Verbandes der spezialisierten Palliative Care Teams des Kantons Zürich (SPAC) und als Präsident der Andreas Weber Stiftung insbesondere mit Projekten für eine bessere palliative Versorgung für Menschen zu Hause engagiert.

Mobiles Palliative Care Team des GZO Spital Wetzikon

In der Region Zürcher Oberland hat Andreas Weber das Mobile Palliative Care Team mit einem 24-Stunden-Pikettdienst aufgebaut. Dabei werden schwer kranke Menschen von spezialisierten Pflegefachpersonen und ÄrztInnen begleitet, zu Hause, aber auch im Spital und im Pflegeheim. Schwerpunkte der Begleitung sind die Linderung von körperlichen Beschwerden bei unheilbarer Krankheit und die Unterstützung von Spitex, von behandelnden Ärzten und von Angehörigen. Zudem werden PalliativpatientInnen beraten bei der Entscheidungsfindung von zukünftigen Massnahmen. Im Zentrum steht immer die Sorge um ein möglichst ganzheitliches Wohlergehen der Betroffenen. Wenn die Kosten für die spezialisierte Pflege dieses Teams über die offiziellen Vergütungen der Krankenkasse und der Wohngemeinde nicht ganz gedeckt werden können, leistet die Andreas Weber Stiftung finanzielle Unterstützung.

Ein Mobiles Palliative Care Team bei einem Hausbesuch (Screenshot von bs)

Mobile Palliative Care Teams wurden mittlerweile auch in anderen Regionen geschaffen und es ist zu hoffen, dass nach diesem Modell auch anderswo unheilbar kranke Menschen in ihrer letzten Lebensphase ganzheitlich begleitet werden.

Lebensspiegel

Ein weiteres Angebot der Andreas Weber Stiftung ist der Lebensspiegel. Dabei können unheilbar kranke Menschen unter fachkundiger Begleitung über ihr Leben berichten und ausdrücken, was ihnen wichtig war im Leben, was sie erlebt, erkannt und durchlitten haben. Das Erzählte wird in einen Text gegossen und der betroffenen Person übergeben. Das hilft, den eigenen Lebensweg zu würdigen, sich in der Gegenwart zu verorten und der letzten Lebensphase gelassener zu begegnen. Im Lebensspiegel kann auch ausgedrückt werden, was man für Angehörige und Nachkommen zurücklassen möchte.

Andreas Weber erläutert einer krebskranken Person den Lebensspiegel. (Screenshot von bs)

Patientenverfügung plus

In einer Patientenverfügung wird festgehalten, wie man bei einer Krankheit medizinisch versorgt werden möchte. Das ist vor allem wichtig, wenn man sich selbst nicht mehr dazu äussern kann. Eine Patientenverfügung plus (oder eine gesundheitliche Vorausplanung, engl. advance care planning) wird unter fachkundiger Beratung erstellt, so dass medizinisches Personal und Angehörige auch bei Urteilsunfähigkeit der Betroffenen möglichst genau sich an der erwünschten medizinischen Behandlungsweise orientieren können.

Letzte Hilfe Kurse

Die Andreas Weber Stiftung engagiert sich für Letzte Hilfe Kurse zusammen mit der Evangelischen Kirche des Kantons Zürich. Der eintägige Kurs richtet sich an interessierte Laien jeden Alters, die Angehörige oder als Freiwillige Menschen am Lebensende begleiten wollen. Dabei werden Grundkenntnisse vermittelt: Umsorgen von Sterbenden im Alltag, vorsorgen und entscheiden, Leidenslinderung, Abschiednehmen, Grenzen der «letzten Hilfe» und Beizug von Fachpersonen. 

Dr. med. Andreas Weber (Foto bs)

Andreas Weber, geb. 1961 in Zürich, studierte an der UNI Zürich Medizin und machte Praktika in verschiedenen Schweizer Spitälern, in Denver (USA) und in Kamerun. Nach dem Staatsexamen erwarb er den Facharzttitel für Anästhesie und Reanimation, forschte im Bereich der Intensivmedizin und war als Rettungsarzt bei der REGA tätig. Als Manager im Gesundheitswesen engagierte er sich bei medix  für den Aufbau von Hausarztmodellen in der ganzen Schweiz.

Seit 2008 arbeitet er als Palliativmediziner im GZO Wetzikon und als selbständiger Konsiliararzt der GZO Partner AG. Zusammen mit einem sechzehnköpfigen Pflegeteam ist er im Zürcher Oberland rund um die Uhr da für schwerkranke Menschen zuhause und in Pflegeheimen.

Im November 2016 gründete er die Stiftung Palliative Care wegen mangelhafter Finanzierung von Palliative Care und um eine ganzheitliche Begleitung und Betreuung von unheilbar kranken Menschen vor allem zuhause zu ermöglichen.

Er wirkt als Dozent in Studien- und Lehrgängen der Palliativmedizin und von Palliative Care und hält auch Vorträge vor einer breiteren Öffentlichkeit, um für eine möglichst ganzheitliche Begleitung von unheilbar kranken Menschen zu sensibilisieren.

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Titelbild:Matthias Mettner und Jaqueline Sonego Mettner von «Palliative Care und Organisationsethik» verleihen den Schweizer Palliative Care Preis an Dr. med. Andreas Weber. (Foto bs)

 

 

 

 

 

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