StartseiteMagazinKulturDie Schönheit des roten Lacks

Die Schönheit des roten Lacks

Die Ausstellung «Rot – Meisterwerke der chinesischen Lackkunst» im Zürcher Museum Rietberg lädt dazu ein, in diese fernöstliche Kunst einzutauchen. Sie präsentiert herausragende Objekte, die durch technische Meisterschaft, Harmonie und Schönheit beeindrucken.

Lack ist ein faszinierendes Material. Das Wissen um die Verarbeitung des Baumharzes bis zum hauchdünn aufgetragenen Lack reicht in China mehr als 6000 Jahre zurück. Chinesische Handwerker erkannten die Qualitäten dieses Stoffes früh und schufen daraus erstaunliche Kunstwerke. Solche Luxusgüter wurden von der chinesischen Oberschicht geschätzt, einzelne Stücke gelangten bereits vor 2000 Jahren über die Handelsrouten bis in die Mongolei und an das Schwarze Meer und ab dem 16. Jahrhundert auch nach Europa.

Fragment eines Lackkastens mit Drachenmuster. Holzkern mit Lackbemalung, Han-Dynastie (206 v. Chr. – 220 n. Chr.)

Das Arbeiten mit Lack erfordert höchstes Feingefühl und wurde auf unterschiedlichste Weise künstlerisch gestaltet, wie die Objekte in der Ausstellung Rot – Meisterwerke der chinesischen Lackkunst im Zürcher Museum Rietberg zeigen. Der in hauchdünnen Schichten aufgetragene Lack braucht lange Zeit zum Aushärten. Er schützt die Oberfläche und verleiht ihr einen weichen seidigen Glanz. Die Schönheit der ausgestellten Objekte faszinieren. Zugleich staunt man, wie kreativ das Material eingesetzt wurde, wie etwa für die Herstellung der Buddhafigur aus dem frühen 14. Jahrhundert.

Buddhafigur aus Trockenlack. Yuan-Dynastie, frühes 14. Jh.

Diese Buddhafigur ist sehr leicht und hat keinen festen Körper. Die Künstler hatten eine Technik mit Trockenlack konzipiert, um besonders leichte, haltbare Gegenstände zu produzieren. Sie legten in Lack getauchtes Gewebe um eine Form aus Ton. Wenn der Lack ausgehärtet war, entfernten sie die Tonform und das so entstandene «körperlose» Lackobjekt wurde weiterbearbeitet: grundiert, geschliffen, lackiert und poliert.

Paneele mit Darstellung von Reisanbau und Seidenherstellung. Schnitzlack, Qing-Dynastie, 18. Jh. 

Im frühen 15. Jahrhundert entwickelte sich die Schnitzlacktechnik, ein äusserst aufwändiges Verfahren. Dafür wurden auf einem Kern aus Holz oder Metall bis zu hundert Lackschichten dünn aufgetragen. Dabei entstand eine drei bis vier Millimeter dicke Oberfläche, in die die Künstler feinste Muster und Figuren schnitzten. Da jede einzelne Lackschicht mehrere Tage zum Aushärten benötigt, nahm allein die Anfertigung des Lackaufbaus über ein Jahr in Anspruch. Aus Schnitzlack wurden einfarbige rote Gefässe, Teller und Dosen hergestellt, aber auch kunstvolle Szenerien auf Paneelen.

Tablett mit Landschaftsdarstellung. Holz mit goldener Lackmalerei auf Schwarzlack, Ming-Dynastie, Wanli-Ära, datiert 1595. Foto: © Museum Rietberg

Die Lackmalerei erlebte mit dem Beginn der Ming-Dynastie (1368-1644) einen Aufschwung. Zu den Farben Schwarz, Rot, Gelb und Grün kam nun auch Gold dazu. Dafür mischten die Lackkünstler dem Transparentlack Goldpulver bei. Besonders beliebt war die Malerei in reinem Gold auf schwarzem Lackgrund mit Darstellungen von Blumen und Vögeln mit glückbringender Symbolik. Aber auch ganze Landschaften in der Art der Tuschemalerei waren beliebt.

Tablett mit Pflaumenzweig im Mondlicht. Die Blüte des Pflaumenbaums, die ihre Knospen am Ende des Winters öffnet, ist ein beliebtes Motiv in der chinesischen Malerei. Lack mit Perlmutteinlagen, Frühe Ming-Dynastie, 14. Jh. Foto: © Museum Rietberg

Besonders zart wirken Perlmutteinlagen auf schwarzem Lack. Sie erlangten im 14. Jahrhundert unter den mongolischen Kaisern der Yuan-Dynastie grosse Popularität. Die Lackkünstler schnitten aus hauchdünnen Perlmuttplättchen gewünschte Formen, die sie in den noch feuchten Lack drückten. Die grünlich, blau-violett und rosa changierenden Perlmuttteile arrangierten sie zu komplexen Mustern und Szenen und gravierten diese abschliessend mit feinen Binnenzeichnungen.

Blick in die Ausstellung. Im Zentrum ein grosser Stellschirm mit Palastszenen. Koromandel-Lack, 19. Jh.

Eine riesige Stellwand mit detailreichen Szenen fällt beim Eintreten in die Ausstellung ins Auge. Sie wurde im 19. Jahrhundert für einen chinesischen Beamten angefertigt. Die entsprechende Technik wurde im 17. Jahrhundert für Stellwände und grosse Möbel entwickelt, die man in Europa Koromandel-Lack nannte. Der Holzträger wurde dafür mit einer dicken Schicht Leim und Kreide grundiert. Darüber strich man mit 30 bis 50 Lackschichten einen bis zu zwei Millimeter dicken Überzug. In diese Schicht schnitten die Künstler den farbigen Dekor reliefartig bis auf den Kreidegrund ein und füllten dann die ausgehobenen Partien mit Ölfarben. Diese farbenprächtigen Lackwaren wurden in grossen Mengen für den Export gefertigt und waren vor allem in Europa im 17. und 18. Jahrhundert begehrt.

Arbeitsplatte, Schale, Farbpigmente (Zinnober, Eisensulfat), Pinsel aus Menschenhaar, 20. Jh.

Die Schau zeigt in drei Vitrinen auch Werkzeuge für die Lackmalerei und die Lackgewinnung. Eine intensiv rotschwarz gefärbte Arbeitsplatte und ein Tischchen erinnern an moderne Kunst. Die Farbpigmente für das intensive Rot sind Zinnober und für Schwarz Eisensulfat. In einem Video wird zudem die Gewinnung von Chinalack aus dem Lackbaum aufgezeigt. Dafür klettert ein sogenannter Lackzapfer auf die bis zu 20 Meter hohen Bäume und ritzt Kerben in die Rinde, wo der giftige, dickflüssige, graugelbe Harzsaft austritt. Dieser Rohlack muss dann für die traditionelle chinesische Lackmalerei aufwendig aufbereitet werden.

Titelbild: Gelehrte im Gespräch, Detail einer Dose. Schnitzlack, Qing-Dynastie, 18. Jh. Foto: © Museum Rietberg

Fotos: © Museum Rietberg und rv

Bis 31. Januar 2027
«Rot – Meisterwerke der chinesischen Lackkunst» im Museum Rietberg in Zürich
Weitere Informationen finden Sie hier

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