Schon kleinen Kindern wird beigebracht, dass sich das Bohren in der Nase nicht gehört. Unter gesundheitlichen Aspekten kann man diesem Verhalten aber neben negativen sogar auch eine positive Seite abgewinnen…
Wer in der Nase bohrt, tut das normalerweise im Versteckten. Wer sich nicht an diese ungeschriebene Regel hält, muss damit rechnen, dass er in der Gesellschaft schief– oder auch amüsiert angeschaut wird.
Jogi Löw kann davon ein Lied singen. Fernsehkameras zoomten den ehemaligen deutschen Fussball-Nationaltrainer einmal während eines Spiels heran, wie er genüsslich in der Nase popelte. Das Fernsehpublikum zeige sich schockiert und amüsiert zugleich.
Stark verbreitete Angewohnheit
Dabei tat er eigentlich nur das, was wir alle des Öfteren nicht lassen können. Das Bohren in der Nase ist eine Gewohnheit, eine unbewusste Handlung, von der man gar nicht so leicht wegkommt. Das Gehirn sagt uns, dass da etwas in der Nase ist, was raus muss. im Unterschied zum deutschen Cheftrainer bohren die meisten aber eben nur im Versteckten. Nasenbohren gilt schliesslich als etwas Unanständiges und Unhygienisches.
Was hat es nun aber mit diesem „Popel“ eigentlich an sich? In unserer Nase befindet sich immer auch Nasensekret. Bemerken wir einen „Popel“, handelt es sich um verdickte Flüssigkeit, die im Gegensatz zum restlichen Schleim nicht einfach durch den Rachenraum abfliessen kann. Meist legt das Sekret an Masse zu, indem sich darin Staub oder Pollen aus der Luft sammeln, die man eingeatmet hat. Ist die Masse so gross, dass sie bemerkt und oft als störend empfunden wird, weil sie beispielsweise die Atemwege blockiert, sprechen wir von einem Popel.
Medizinische Bedenken
Aus medizinischer Sicht gibt das Nasenbohren durchaus zu gewissen Bedenken Anlass. Hals-Nasen-Ohren-Ärzte machen darauf aufmerksam, dass bei unsauberen Fingern die Gefahr besteht, dass Keime (Staphylokokken) beim Nasenbohren in die Nase gelangen und Entzündungen verursachen. Wegen der Hautabschürfungen, die das Nasenbohren verursache, könnten Krusten und Blutungen hervorgerufen werden und auf diese Weise Bakterien in den Körper gelangen.
Eine Nasendusche mit Salz kann Abhilfe schaffen und ist hygienischer als das Bohren. Foto Cathrin Bach
Warum tun wir es trotzdem? Ein Grund dafür ist, dass die Verkrustungen in der Nase ein unangenehmes Gefühl hinterlassen. Weil sich mit Nasenbohren angetrocknetes Sekret entfernen lässt, können wir wieder besser atmen. Auch starkes Jucken verleitet zum sogenannten Popeln.
Warum nicht essen?…
Wissenschaftler des renommierten Instituts of Technology (MIT) in Massachusetts und der Harvard-Universität haben vor Jahren allerdings auch eine ganz neue, man kann sogar sagen positive Seite des Nasenbohrens entdeckt. Laut einer Studie* soll das Popeln sogar gesund ist, wenn man das Sekret isst… Zusätzlich haben Forschende herausgefunden, dass das Essen der eigenen Popel, gerade bei Kindern, das Immunsystem stärken kann.
Der Grund: Die vorhandenen Bakterien hätten positive Auswirkungen auf den Mund- und Rachenraum und trügen dazu bei, Zähne und Schleimhäute vor Bakterien zu schützen. Auch sollen damit Atemwegserkrankungen und Magengeschwüren vorgebeugt werden können.
Kinder würden tatsächlich gerne in der Nase bohren und einen Teil verschlucken. Eventuell könne das Sinn machen, sagte ein befragter HNO-Arzt „da in der Natur kaum etwas ohne Sinn geschieht.“ Sich mit dem Thema näher auseinanderzusetzen, sei durchaus sinnvoll und angezeigt.
Wem jetzt das grosse Gruseln kommt, sollte sich im Klaren sein: Einen beträchtlichen Teil des Nasensekrets schlucken wir – ohne uns dessen besonders bewusst zu sein – bereits über den Nasen-Rachenraum. Die Bakterien werden dann von der Magensäure neutralisiert, respektive vernichtet. Guten Appetit!
Unterschiedliche Farbtöne
Nicht alles, was wir da an Inhalt aus der Nase befördern, weist übrigens die gleiche Farbe auf. So können Popel in unterschiedlicher Form und Farbe ans Tageslicht kommen. Die Farbe des Popels hängt vor allem davon ab, wie viel Material aus der Luft (z.B. Staub, Pollen, Russpartikel oder Ähnliches) und welche Art von Schmutz enthalten ist. So können die Popel mal hell, mal dunkel, eher bräunlich oder grünlich erscheinen.
Bemerkt man jedoch, dass der Schleim und die Popel sichtlich grün bzw. gelb erscheinen, steckt manchmal eine sich anbahnende Erkältung hinter der Farbveränderung. Hier ist oft ein hoher Anteil an Bakterien an der Farbgebung schuld. Fühlen Sie sich zusätzlich schlapp oder angeschlagen, sollten Sie sich körperlich schonen und gegebenenfalls eine Ärztin oder einen Arzt für eine weitergehende Untersuchung aufsuchen.
Tipps beim Nasenbohren
- Wenn es unbedingt sein muss, dann popeln Sie mit einem Taschentuch statt mit den blossen Fingern. Dadurch schützen Sie sich nicht nur besser vor einer Infektion, sondern können auch böse Blicke vermeiden.
- Eine hygienischere Art, um ein unangenehmes Sekretgefühl zu vermeiden, besteht in der Verwendung von Nasenduschen, Nasensalben oder Nasenölen.
- Bei Nasenbluten sollte man nicht mehr grübeln, bis die Wunde verheilt ist.
- Auf der Seite web4health.info kursiert der Rat, man solle medizinische Hilfe in Anspruch nehmen, wenn man täglich über eine Stunde (addiert, nicht am Stück) in der Nase bohrt. Gründe für diese Krankheit seien Zwangsstörungen, motorische Ticks oder Aufmerksamkeitsmangel.
Titelbild: Nasenbohren ist eine stark verbreitete Angewohnheit. Foto Markus Sutter
