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16.06.2017 - Josef Ritler

Macht Facebook einsam?

Ja, sagen viele, die die interaktive Plattform nicht kennen und einfach Vorurteile übernehmen. Nein, sagen die meisten, die das Netzwerk gekonnt benützen und schätzen gelernt haben.

Jeder kennt die Situationen in Restaurants, Bars, im Tram und Zug, auf den Trottoirs und Ruhebänken: Alle starren auf ihr Smartphone und vergessen die Umwelt.

Andere machen ein Selfie und verbreiten das Bild oder ein kleines Video auf Facebook und warten gespannt auf Reaktionen: gefällt mir!

Irgendwann drängt sich die Frage auf: Macht Facebook die Menschen glücklich oder unglücklich? Macht Facebook einsam?

Facebook macht die Menschen unglücklich. Das ist das Ergebnis einer Studie der Psychologen Christina Sagioglou und Tobias Greitemeyer von der Universität Innsbuck. Aber warum nutzen trotzdem 650 Millionen Menschen mindestens einmal täglich das soziale Netzwerk?

Viele weitere Studien haben sich mitterweile mit der Frage befasst, ob Facebook die Menschen eigentlich näher zusammenbringt oder einsam macht.
Andere Studien zeigen:Menschen, die ihren Facebook-Status

besonders häufig aktualisieren, fühlen sich weniger einsam. Zu diesem Ergebnis kam die Berliner Psychologin Fenne große Deters gemeinsam mit Professor Matthias Mehl von der Universität Arizona. Welche Reaktionen die Nutzer auf ein Posting erhalten, ist dabei gar nicht so wichtig. Allein die Tatsache, sich mitgeteilt zu haben, reicht offenbar aus, um sich weniger einsam zu fühlen.

Hunderte Kontakte haben die meisten Facebook-Nutzer in ihrer Freundesliste. Doch wer sich einsam fühlt, dem helfen auch 1000 Freunde in dem Netzwerk nicht, wissen andere Wissenschaftler.

Die Nachteile werden aufgezählt: Wer Facebook benutzt, werde davon abgehalten, reale soziale Beziehungen aufzubauen. Das Gefühl, im Leben etwas zu verpassen, sei bei Facebook-Nutzern weit verbreitet und werde als ‚Facebook-Fassade‘ bezeichnet.

Anstatt sich vernetzt zu fühlen, verlieren wir uns in einem Strom aus Scheinwelten. Wer Facebook-Posts für bare Münze nimmt, laufe Gefahr, die digitale Realität mit der analogen zu verwechseln.

Wir würden täglich mit Unmengen an „visuellem Abfall“ konfrontiert, der uns die Fähigkeit raube, Bilder in ihrer Manipulationskraft kritisch zu deuten. Und ein Ende dieser Entfremdung sei nicht in Sicht. So vernetzt wie heute sei noch keine Generation gewesen. Freunde, Bekannte und andere Kontakte seien immer nur einen Klick entfernt. Trotzdem fühlen sich viele Jugendliche einsam.
Ich  bin ein leidenschaftlicher Befürworter der neuen Netzwerke. Man muss sie nur richtig anwenden. Auf die Frage auf Facebook an meine 1’363 Freunde, ob Facebook einsam mache, reagierten einige so:


Mein ebenfalls in den Medien arbeitender Sohn Jean-Pierre, der seine Arbeiten auf Facebook vorstellt, stellte folgenden Text ins Netz:

„Geburtstage können ganz schön legendär sein. Der 16. zum Beispiel. Oder der 20., 30., 40., 50. 

Aber der 54. ist es definitiv nicht. Noch hängt da die Erinnerung an den 50. nach (what a Party!), noch will man nicht an den nächsten (60! Whaaaat???) erinnert werden.

Also geht man den 54. Geburtstag einfach mal ruhig an. Keine Party – ein Jahr mehr, mehr nicht. Vielleicht ein Glas Wein zu Mittag mehr als gewohnt, aber dann fertig. Schliesslich muss man Kraft für den 60. sammeln (das wird ne Party! Versprochen!).

Und dann das. Keine Party, aber dann doch eine. Eine sehr moderne. Auf allen Kanälen. Telefon-Anrufe, handgeschriebene Karten, Facebook-Posts, aber auch Messenger-Nachrichten, Xing-Mitteilungen, Linkedin-Meldungen, WhatsApp-Nachrichten, Mails.

Und da wird nicht nur ein Daumen hochgehalten, weil es so einfach ist. Und auch nicht nur einen der von Zuckerberg und Co. vorfabrizierten Geburtstagsgrüsse verschickt.

Nein, es wird geschrieben, gesungen, es kommen Videos, Gedichte, Bilder. Alles handgemacht, persönlich, von Herzen, kreativ, überraschend, berührend.

Gefühlt doppelt soviel wie ein Jahr zuvor. Ganz sicher zehnmal so persönlich als auch schon. Man schimpft oft über die neuen Medien, dass sie uns entfremden. Aber heute kam das ganze multimediale Potential raus. Geschriebene, gesungene, fotografierte und gefilmte Grüsse aus der ganzen Schweiz, aus Italien, Deutschland, Vietnam, Malaysia, den USA und Kanada – das ist ganz grosses Kino!

Auch der 54. Geburtstag kann legendär sein. Meiner war es.

Danke Euch allen!"

Von Einsamkeit keine Spur.

Fotos: Facebook, Screenshots, Josef Ritler

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