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Kleine Eisbrecher

Der Garten im Februar. Ist wirklich bereits Frühling? Oder sammelt der Winter nur Kräfte, um im März so richtig aufzudrehen?

Vor zwei Jahren vergnügten wir uns Mitte Februar auf dem Pfäffikersee. Auf Schlittschuhen, nicht mit einem Boot. Letztes Jahr mussten wir noch so viel Schnee schaufeln, wussten kaum wohin mit der weissen Pracht. Und dieses Jahr sind bereits die kleinen Eisbrecher unterwegs, die Frühblüher, die als Erste den Frühling ankünden.

Woher wissen denn die Schneeglöckchen, die Winterlinge und der Elfenkrokus, dass jetzt ihre Zeit gekommen ist? Mitte Februar, wenn in anderen Jahren noch Schnee lag oder Eis? Wer weckte sie so früh aus dem Winterschlaf – und was geschieht mit ihnen, wenn der Winter doch noch kommt?

Jedes Jahr von neuem ein Wunder

Das Wunder der ersten Frühlingsblüte ist jedes Jahr wieder neu. Zwar weiss man heute, dass die ersten wärmenden Sonnenstrahlen bis zu den Zwiebeln dringen können, auch wenn noch eine leichte Schneedecke liegt. Die Wärme lässt rings um die Blumenzwiebeln – und die Frühblüher wachsen meist aus Zwiebeln, Knollen oder verdickten Wurzeln, in denen sie Energie für ihr frühes Wachstumn gebunkert haben – eine kleine Luftkammer schmelzen. Dieses Luftpolster wirkt in den frostkalten Tagen und Nächten isolierend.

Sobald die Sonne den Boden minimal erwärmt, schieben sich die ersten Triebe aus dem Boden, meist mitsamt den ersten Blütenansätzen. Denn jetzt haben es die Frühblüher eilig. Von Natur aus wachsen sie im Halbschatten unter Gehölzen und Bäumen und brauchen deshalb einen gewissen Vorsprung, um zu blühen und zu fruchten. Denn sind die Bäume und Sträucher erst einmal belaubt, ist es vorbei mit dem lebensspendenden Sonnenlicht.

Eigene Frostschutzproduktion

Kommt der nächste Wintereinbruch, sind die kleinen Eisbrecher gut vorbereitet. Sie besitzen zwar keine Mäntelchen, aber sie können ihre Blütenköpfchen ganz eng schliessen und in den Laubblättern haben sie die Stärke in Zucker umgewandelt – ein bewährtes Frostschutzmittel, das sogar auf unseren Strassen eingesetzt werden könnte. Versuche haben gezeigt, dass das Ausbringen von Zuckerwasser statt des Streusalzes gute Resultate erbringen würde. Nur leider auch teuer ist. Und vielleicht auch etwas klebrig.

Das Scharbockskraut ist einer dieser Eisbrecher, denen fast gar nichts etwas anhaben kann. Sie sind schön, die gelben Blütensterne, die ganz schnell grosse Flächen erobern. Die Freude hat dann ein Ende, wenn die Pflanze sich nach und nach immer weiter ausbreitet. Denn die Pflanze ist so robust, dass sie über energisches Jäten nur müde mit ihren Goldsternchen zwinkert. Wohl können sie ausgerissen werden, aber ihre kleinen Vorratsbeutelchen bleiben dabei einfach im Boden. Und generieren ganz schnell eine neue Pflanze. So ist es halt im Leben. Manches, was einem auf den ersten Blick bezaubert, entwickelt sich nach und nach zur Landplage.

Knallköpfchen

Die Zaubernuss oder Hamamelis ist da viel anspruchsloser. Gerade recht zur Fasnachtszeit hat sie dieses Jahr ihre filigranen Blüten geöffnet. Es sieht aus, als hätte sie kurze Luftschlangenstückchen gesammelt und gebüschelt. In anderen Jahren blühte sie viel früher, aber ich denke, dieses Jahr hat sie einfach auf den Winter gewartet. Und der wollte ja nicht so recht einfahren und deshalb sind es jetzt halt Fasnachtszaubernüsse geworden. Beziehungsweise deren Blüten.

Den Namen haben sie von ihren Früchten, die, wie auch die Blätter, eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Hasel haben. Aber anders als die Haselnüsse, die geknackt werden müssen, platzen die reifen Zaubernüsschen mit einem gut hörbaren Knall und schleudern ihre Samen bis zu zehn Meter weit weg.

Passt doch eigentlich auch zur Fasnachtszeit, wo all die kleinen Möchtegern-Cowboys mit ihren Käpschenpistolen herumschiessen. Nur kommt da die Hamamelis, wie jetzt mit ihrer Winterblüte, wieder zu spät. Sie schiesst erst scharf im August, dann, wenn niemand mehr an den Winter denkt und sie nur noch dunkelgrün und etwas langweilig dasteht.

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