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Berner Literaturfest 2014

Als Auftakt des Berner Literaturfests las am Dienstagabend Matthias Zschokke in der Buchhandlung Haupt in Bern.

Noch bevor bekannt war, dass Matthias Zschokke den Literaturpreis 2014 von Stadt und Kanton Bern erhalten werde, haben Adele und Matthias Haupt den Schriftsteller für die Reihe «Haupt Events» ihrer Buchhandlung in Bern gebucht. Der Abend ist damit zum Auftakt des Berner Literaturfests geworden.

Der 1954 in Bern geborene Autor lebt in Berlin und gehört zu den bekannten Autoren von heute. 2011 kam «Lieber Niels» – ein erster E-Mail-Roman – und 2012 «Der Mann mit den zwei Augen» in die Buchhandlungen. «Die strengen Frauen von Rosa Salva» heisst sein kürzlich im Wallstein-Verlag, Göttingen, erschienenes neue Buch. Matthias Zschokke enthüllt die Bedeutung des rätselhaften Titels. Es gibt in Venedig eine historische Gaststätte mit dem Namen «Rosa Salva», von drei Frauen geführt, die mit ausgesucht finsterer Höflichkeit ihre Gäste bedienen sollen – jedenfalls aus der Sicht des Ich-Erzählers während seines halbjährigen Venedig-Aufenthalts.

Ein Venedig-Buch also? Das weckt sofort literarische Verknüpfungen: Goethe, Richard Wagner, Cosima Wagner, Franz Werfel, Thomas Mann, Elke Heidenreich und noch andere. Ganz abgesehen von eigenen, lange Jahre immer wiederkehrenden Erfahrungen, die zum Teil auch in Reisenotizen niedergeschrieben sind.

Doch nein, ein eigentliches Venedig-Buch in diesem Sinne ist das nicht! Der Resident in der musealen Stadt schreibt an Freunde, Kollegen, Bekannte, Fremde in Form von Mails, vielleicht auch Briefen und Ansichtskarten. Doch beschreibt er nicht, er berichtet. Das heutige Venedig lebt in diesen seinen Berichten sozusagen indirekt durch das Medium der Beobachtungen und Begegnungen. Es ist nicht leicht, anhand einer zwar eindrücklichen, die Struktur des Werks anschaulich vermittelnden Lesung das Buch umfassend und vor allem gerecht zu würdigen. Doch ahne ich, wie Venedig sich nicht als malerisch in Abendgold getaucht darstellen oder als museales europäisches Kulturgut abbilden lässt. Venedig «berichtet sich» in den Mails, die von Begegnungen, Überlegungen, Vergleichen zeugen und vor allem von einem unerhört wachen, geistvollen Humor. Die Stadt als Kulisse wächst aus dem in ihr Erlebten, Gedachten, Vermissten und Geschenkten aus der Staffage in eine Wirklichkeit, die einmalig begeistert.

Die Lesung bei Haupt darf als eine Art «Vorveranstaltung im engsten Kreise» gelten. Ganz links hier im Bild sitzt Frau Zschokke, die Mutter des Dichters, und in den zahlreichen Reihen im Saal bei Haupt nehmen Familienmitglieder, Freunde und gute Bekannte Platz – alles in allem eine von Sympathie für den Autor und von der Kraft und dem Witz seiner Berichte angeregte Zuhörer-Runde.

Das wird am Mittwoch anlässlich der Preisverteilung im Kornhausforum vielleicht nicht mehr dasselbe gewesen sein. Aber die Gäste des Abends in der Haupt-Buchhandlung erfreuen sich sichtlich an einer Feier mit etwas mehr Nähe zum Schriftsteller und Mensch Matthias Zschokke und gratulieren ihm zum Literaturpreis 2014 von Stadt und Kanton Bern.

Das Berner Literaturfest 2014

Noch bis am Sonntagabend dauert in Bern und Umgebung das Fest der zeitgenössischen Literatur. Es wird traditionellerweise dezentral begangen. Was in der Literaturwelt Rang und Namen hat, tritt auf, feiert seine Kollegen und ein wenig auch sich selbst. Lesungen, Gespräche, Ausstellungen, Würdigungen – eine ganze Reihe von Veranstaltungen sind immer noch im Gange.

Hineinhören und hineinschauen lohnt sich: Berner Literaturfest 2014

Alle Fotos: Fritz Vollenweider

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