FrontGesundheitPersonalisierte Medizin

Personalisierte Medizin

Die Krebstherapie macht dank personalisierter Medizin gewaltige Fortschritte. An der 10. Alterskonferenz in Zürich war darüber mehr zu hören.

Krebs ist die Geisel der Menschheit. An keiner Krankheit sterben mehr Menschen. Für viele ist die Krebs-Diagnose ein Schock, sie stürzen ins Bodenlose. Krebs kann man heute noch nicht besiegen, aber die Medizin hat gewaltige Fortschritte gemacht. In Fachzeitschriften ist vermehrt von „Personalisierter Medizin“ die Rede. Diese erlaubt den Ärzten gezieltere, auf den einzelnen Patienten abgestimmte Therapien. Die bislang erzielten Resultate sind vielversprechend.

Kompetente Referenten

Die 10. Alterskonferenz des Zürcher Rentner- und Seniorenverbandes ZRV im Volkshaus Zürich widmete sich dem Thema „Personalisierte Medizin“ mit kompetenten Referenten. Gekommen waren über 300 Seniorinnen und Senioren, die mit Interesse den Ausführungen der Referenten folgten. ZRV-Präsident Anton Schaller zeigte sich in seiner Begrüssung erfreut über den grossen Aufmarsch zu diesem „neuen und schwierigen Thema“. Anlass zu diesem Thema gab das am Universitätsspital Zürich im Aufbau befindliche Zentrum für personalisierte Medizin, an dem neben dem Unispital auch die beiden Zürcher Hochschulen Uni und ETH beteiligt sind.

Über 300 Besucherinnen und Besucher lauschen interessiert den Ausführungen der Referenten.

Dein Reigen der Referate eröffnete der bekannte Tumorexperte Professor Thomas Cerny, Chefarzt der Onkologie am Kantonsspital St. Gallen und Präsident der Krebsforschung Schweiz. Er sprach zum Thema „Neue Wege in der Krebsforschung“. Zuerst wies er auf Komplexität der Krebszellen hin. Jede dieser Zellen trägt die gesamte im Embryo entwickelte genetische Information in sich. Bei Krebs rufen fehlgesteuerte Gene bösartiges Zellwachstum hervor. Heute kennt man 210 Krebsarten.

Krebs zunehmend heilbar

Heilbar ist der Krebs nicht, aber viele Krebsarten sind dank erfolgreicher klinischer Forschung und besserer Medikamente zunehmend heilbar. Heute sind über 100 Krebs-Medikamente auf dem Markt, die die Heilungschancen bei vielen Krebsarten verbessern. An Bedeutung gewinnt die immunologische Krebstherapie. Diese hat das Ziel, die Abwehrreaktion des Immunsystems gegen Krebszellen zu verstärken. In Labors werden körpereigene Abwehrstoffe nachgebildet, die nicht nur das Immunsystem aktivieren, sondern Krebszellen dahingehend verändern, dass diese vom Immunsystem besser erkannt und entfernt werden. Echte Fortschritte sieht Cerny in der Früherkennung und Prävention. Deshalb brauche es Präventionsgesetze und weniger Bürokratie bei der klinischen Forschung.

Prostatakrebs ist weltweit die zweithäufigste Todesursache. Auf ihn entfallen fast 40 Prozent der Krebsdiagnosen bei Männern über 50. Laut Daniel Ackermann, Titularprofessor für Urologie an der Universitätsklinik Bern, hängt die Behandlung von Prostatakrebs davon ab, wie weit der Tumor sich schon ausgebreitet hat und wie aggressiv er wächst. Bei kleinen, langsam wachsenden Tumoren kann oft auf eine Therapie verzichtet werden. Ansonsten wird der Prostatakrebs operiert oder bestrahlt. Bei weiter fortgeschrittenen Tumoren kommen eine medikamentöse Hormonbehandlung oder eine Chemotherapie in Frage. Dank Einsatz eines Roboters (Schlüssellochtechnik) kann heute der Tumor ohne grosse Operation entfernt werden.

Von links: Podium mit Hanspeter Thür, Professor Daniel Ackermann, Fani Kalaitsidis, Podiumsleiter Anton Schaller und Professor Holger Moch. (Bilder: Hans Zürrer)

Fani Kalaitsidis vertritt die US Firma Myriad mit ihren patentierten DNA-Tests für bestimmte Krebsarten (Brust-, Eierstock-, Prostatakrebs) in der Schweiz. Es sind einfache Gentests zur Früherkennung. Das Geschäft boomt, pro Tag werden über 1000 Tests durchgeführt. Die Tests kosten zwischen 700 und 4000 Franken. Laut Kalaitsidis können die Tests mithelfen, das genetische Risiko zu erkennen und die Lebensqualität zu verbessern.

Gezieltere und effizientere Therapien

Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms vor rund zehn Jahren hat die Grundlagen für die personalisierte Medizin gelegt. Wie Holger Moch, Professor am Institut für Pathologie an der Universität Zürich und Mitbegründer des Zentrums für personalisierte Medizin in Zürich, ausführte, erlaubt der genetische Test, Hinweise auf die ursächliche genetische Veränderung zu erhalten. Diese Hinweise ermöglichen den Ärzten gezieltere und effizientere Therapien für den einzelnen Patienten und der Pharmaindustrie die Entwicklung wirksamer Medikamente.

Heute gibt es laut Moch, vorab bedingt durch die hohen Forschungskosten, nur noch teure Medikamente, die bei Krebs wirklich helfen. Die bislang erzielten Resultate mit der personalisierten Medizin sind vielversprechend und eröffnen der Medizin neue Wege bei der Behandlung von Krebskrankheiten. Die personalisierte Medizin ist eine komplexe Methode und bedingt die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen wissenschaftlichen Fachrichtungen wie Bioinformatik.

Wie sicher sind die bei der personalisierten Medizin ermittelten Daten? Für Hanspeter Thür, Eidgenössischer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter, ist das eine Big-Data-Problematik. Neue Techniken und neue Möglichkeiten der Datenverknüpfungen erzeugen eine Datenfülle, die nur noch schwer zu kontrollieren ist und die Pseudoanonymisierung und Anonymisierung der Daten erschwert. Lösungsansätze für einen griffigen Datenschutz und mehr Datensicherheit sieht Thür in der Stärkung der Selbstbestimmung über die Daten, in der informationellen Gewaltenteilung, in der Regelung der Verantwortlichkeiten, in der Datenaufbewahrung an verschiedenen Orten und in der permanenten Überwachung und Kontrolle der Daten.

In der anschliessenden kurzen Diskussion mit dem Publikum wurden verschiedentlich die teuren Medikamente sowie die Datensicherheit thematisiert. Die Alterskonferenz bot die willkommene Gelegenheit, Einblick in neue Erkenntnisse der Krebstherapie dank genetischer Entschlüsselung zu erhalten.

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