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Menschenwürde bei Demenz

Die Tertianum-Stiftung hat die Schweizerische Alzheimervereinigung für ihren Einsatz für Menschen mit Demenz mit einem Festakt in Zürich gewürdigt.

Seit 2006  verleiht die Tertianum-Stiftung gemeinsam mit der Zürcher Kantonalbank jährlich den Preis für Menschenwürde an Personen und Institutionen, die sich um die Menschenwürde verdient gemacht haben. Der Preis ist dotiert mit 10 000 Franken. Preisträger waren unter anderen der Schriftsteller Franz Hohler, der Kabarettist Emil Steinberger, die Unternehmerin Daniela Merz und der frühere Staatsanwalt und Tessiner Regierungsrat Dick Marty.

Professor Bernd Konrad am Saxophon

In diesem Jahr ging der Preis an die Schweizerische Alzheimervereinigung, die sich seit 26 Jahren mit bedarfsgerechten Angeboten und Informationen für die Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen einsetzt. Zur Preisübergabe im Vortragssaal des Kunsthauses Zürich waren über 200 geladene Gäste gekommen. Durch den Abend führte der bekannte SRF-Tagesschau-Moderator Franz Fischlin, für die musikalische Umrahmung sorgte Professor Bernd Konrad auf dem Saxophon – es waren futuristische Töne wie aus einer anderen Welt.

Menschenwürde ist unteilbar

Zur Eröffnung der Feier sprach Professor Helmut Bachmaier, Präsident der Tertianum-Stiftung, über die normative Bedeutung der Menschenwürde. Dabei hielt er fest, dass die Menschenwürde gleichursprünglich gegeben sei, also von keiner menschlichen Institution verliehen oder entzogen werden könne. Die Menschenwürde sei unteilbar, unantastbar, basierend auf der Möglichkeit des Menschen, in Freiheit und autonom entscheiden und handeln zu können. Bezogen auf den Umgang mit Menschen mit Demenz nannte Bachmaier verschiedene Garantien, die unbedingt eingehalten werden müssen, so die ressourcenorientierte Grundversorgung, die Wahrung der Intimität, ein Verbot jeglicher Instrumentalisierung sowie den Schutz und die Sicherheit der Person.

Verdienst um nationale Demenzstrategie

In seiner Laudatio würdigte Professor Reto Kressig, Chefarzt am Universitären Zentrum für Altersmedizin in Basel, das Wirken der Schweizerischen Alzheimervereinigung. Es sei deren Verdienst, dass die Schweiz heute über eine nationale Demenzstrategie verfüge. Die Vereinigung wurde 1988 in Bern gegründet. Heute bietet sie mit ihren 21 Sektionen, in denen viele Arbeiten freiwillig geleistet werden, ein umfassendes Beratungs- und Unterstützungsangebot für Betroffene und ihre Angehörigen. Sie werden in den verschiedenen Stadien der Krankheit kompetent begleitet. Für begleitende Angehörige stehen Angebote zur Entlastung zur Verfügung, die laufend ausgebaut werden. Denn, so Kressig, je besser es den Betreuenden gehe, desto besser gehe es auch den Erkrankten.

Sehr erfreut über den Preis: Birgitta Martensson bei ihrer Dankesrede.

Gesellschaftliche Akzeptanz verbessern

Nach Übergabe des Preises durch Peter Luginbühl, Mitglied der Direktion der Zürcher Kantonalbank, bedankte sich die Geschäftsleiterin der Schweizerischen Alzheimervereinigung, Birgitta Martensson, für die Ehrung und sagte, der Preis gelte nicht ihr, sondern den 750 000 Menschen, die täglich mit Demenz zu tun haben. Konkret sind es 115 000 Menschen mit Demenz, 345 0000 betreuende Angehörige und 300 000 beruflich Engagierte. Die Angst vor Demenz und ihren unwürdigen Lebensbedingungen sei bei Menschen ab 50 sehr gross. Und mit dem Eintritt der Babyboomer ins Alter werde die Anzahl der Menschen mit Demenz rapide ansteigen. Wohl habe sich die Situation mit Demenz und ihren Angehörigen verbessert, doch für die gesellschaftliche Akzeptanz von Demenz und die Lebensqualität der Betroffenen müsse noch mehr getan werden, denn Wissen helfe zu verstehen und richtig zu handeln. Mit dem Preisgeld will Martensson dazu beitragen, dass die nationale Demenzstrategie wirkungsvoll umgesetzt wird.

Ein Blumenstrauss für die Geehrte: Professor Helmut Bachmaier und  Birgitta Martensson. (Bilder: Tertianum-Stiftung)

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