FrontKulturEin Shakespeare ohne Happy End

Ein Shakespeare ohne Happy End

Liebe und Begehren als Albtraum: Regisseurin Daniela Löffner inszeniert „Ein Sommernachtstraum“ von Shakespeare am Zürcher Schauspielhaus als furioses Verwirrspiel.

„Ein Sommernachtstraum“ ist eines der wunderbarsten Werke der Dramenliteratur. Eines, das sehr viel erträgt. Man kann das Stück auf den Kopf stellen, es verdrehen, aktualisieren, beschleunigen, verlangsamen und vieles mehr. Das Stück ist eine Metapher dafür, dass blinde Liebe und krankhaftes Begehren aus Liebenden wahre Monster machen kann. Daniela Löffner macht aus dem romantischen Amüsierstück eine Groteske, die über weite Strecken für viele Lacher sorgt, aber irgendwie ins Leere verpufft.

Alle Shakespeare-Figuren sind da

Sie sind alle da, so wie Shakespeare sie erschaffen hat: Helena, die Demetrius liebt. Demetrius, der sein Herz an Hermia verloren hat, die wiederum Lysander liebt, der sie auch liebt, aber später – als Puck mit seinem Liebeszaubermittel ins Spiel kommt – Helena nachstellt, die nun plötzlich zu ihrer grossen Verwirrung auch von Demetrius geliebt wird, während Hermia leer ausgeht. Und da ist der Feenkönig Oberon, der den einfältigen Zettel dazu benützt, seiner Gattin Titania einen Streich zu spielen. Mit einem Zaubersaft beträufelt hält sie den mit einem Eselskopf versehenen Zettel für einen Liebesgott. Schliesslich löst Oberons Lilienstab alle Verwicklungen und Zaubereien. Und die Handwerker führen ihre groteske Tragikomödie von Pyramus und Thisbe auf.

Von links: Anna Blomeier (Helena), Claudius Körber (Demetrius), Katharina Schmidt (Hermia), Jirka Zett (Lysander) und Klaus Brömmelmeier (Oberon), hinten links: Isabelle Menke (Titania).

Daniela Löffner zeigt ein turbulentes Zerr- und Raufspiel. Die Schauspieler fluten die Bühne mit Theaterklamauk der besten Sorte und spülen damit die ganze Düsternis der Haupthandlung davon. Und statt mit der Dreifach-Hochzeit als Happy End endet der Abend nach über zwei Stunden mit dem tölpelhaften Satyrespiel der Handwerkergruppe. Und dieser Abgang ist meisterlich gelungen. Mit Löwengebrüll, hohlen Liebesschwüren, einem Klappmeter als Dolch, angeklebten Schnurrbärten und sichtlich mit viel Komödienlust wird das tragische Ende von Pyramus und Thisbe ad absurdum geführt

Da hat Romantik keinen Platz

Die Schauspieler schlüpfen von einer Rolle in die andere, verkleiden und entkleiden sich auf offener Bühne. Alle Wände der Bühne sind drapiert mit einem Birkenwaldmuster (Bühnenbild: Matthias Werner). Zu Beginn verteilt Handwerker-Meister Peter Squenz seiner Laientruppe mit Grubenhelm die Rollen für das Hochzeitsspiel vor dem Herzog, versucht der zappelige Zettel alle Rollen an sich zu reissen. Dann geht’s ins Dampfbad am Hof von Athen, wo Theseus und Hippolyta einen mörderischen Ringkampf vollführen, und später in den Zauberwald, wo Oberon mit Hilfe Pucks die vier Liebenden in tiefe Verwirrung stürzt. Oberon ist kein mächtiger Feenkönig, sondern ein harmloser Gärtner mit knalliger Brille, der auf einem mit Kräutern bestückten fahrbaren Untersatz das Verwirrspiel der Liebenden beäugt. Puck, gekleidet mit Lederhose und Waldarbeiterhelm, dirigiert grobschlächtig das Geschehen, entsorgt mit Hilfe einer lärmenden Häckselmaschine die Verwirrungen. Und als Elfe dreht ein Zwitterwesen in rot gepunktetem Kleid selbstverliebt Pirouetten. Alle Figuren sind überzeichnet, karikiert. Da hat Romantik keinen Platz.

Von links: Johannes Sima (Elfe), Isabelle Menke (Titania), Lambert Hamel (Puck), Jirka Zett (Zettel). Bilder: Matthias Horn

Zu loben ist die grossartige schauspielerische Leistung aller acht Darsteller, das gekonnte Switschen von einer Rolle zur andern: Jirka Zett als zappeliger Zettel, junger Verliebter Lysander und Pyramus, Klaus Brömmelmeier als Theseus und Oberon, Isabelle Menke als Hippolyta und Titania, Anna Blomeier als Thisbe und Helena, Johannes Sima als Handwerker Squenz und Elfe, Claudius Körber als Handwerker Fleck und Demetrius. Bleibt noch Lambert Hamel, der den kolossalen Puck klasse spielt. Dafür gabs am Premierenabend mächtig Beifall.

Weitere Spieldaten: 22., 23., 28., 31. Oktober, 1., 7., 11., 12., 16., 21. November, 5. Dezember, je 20 Uhr; 2. November, 15 Uhr.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Beliebte Artikel