FrontKulturMittel gegen den Novemberblues

Mittel gegen den Novemberblues

Der Garten im November. Nein, die Lieblingssaison für Gartenfreunde ist er nicht, dieser meist graue November mit den immer kürzer werdenden Tagen und immer kälteren Nächten.

November geniessen heisst, mit einem schönen Buch und einer Kuscheldecke auf dem Sofa liegen, mit Freunden zusammen ein Fondue essen oder unter der blassen Wintersonne durch raschelndes Laub spazieren. Aber für Gartenbegeisterte ist der Monat keine gute Zeit. Ausser man zählt Laubrechen zu den Gartenfreuden.

Vögel räumen ab

Für die Vogelwelt allerdings muss der Monat so etwas wie vorgezogene Weihnachten sein. Sie lärmen im beerentragenden Kreuzdorn und den Prunusbüschen, turnen in der Eibe herum und picken in die letzten, nicht mehr reifen Feigen. Einen schönen Schlehdornzweig mit dunkelblauen, bereiften Beeren für die Vase schneiden oder rote Hagebutten für etwas Mark zur Käseplatte sammeln – Fehlanzeige. Alles schon ausgedünnt oder sogar ganz weg.

Hagebutten sind ein Festessen für die Vögel.

Aber es gibt ja noch andere Möglichkeiten, etwas gegen den Novemberblues zu tun und ein Stückchen Grün ins Haus zu holen. Zum Beispiel bei einem Waldspaziergang verschiedene Moosarten sammeln, die Stückchen nebeneinander in eine flache Schale auf etwas Erde legen und gut angiessen. Eine Efeuranke oder einen Hauswurz in das Grün gesteckt und fertig ist ein ganz einfacher Blickfang.

Komplimente garantiert

Wer abends Gäste hat, steckt ein paar Teelichter in das Moosbett und erntet mit Garantie Komplimente. Auch die letzten Rosen, die ja meist keine schönen Laubblätter mehr haben, bekommen so, kurz geschnitten, noch einen ansprechenden Auftritt. Und das Beste: Die Mooslandschaft hält sich recht lange, viel länger jedenfalls als später der Adventskranz aus Tannenzweigen.

Langsam müssen auch die letzten Südländer ins Winterquartier gezügelt werden. Die sperrigen Oleanderbüsche nehmen wie immer viel Platz im Wintergarten ein. Eigentlich sollte man sie jetzt radikal zurückschneiden, damit sie im Frühling wieder buschig austreiben.

Grüne Kompromisse

Und wie immer bringe ich es nicht fertig, die immer noch Knospen und Blüten tragenden Büsche zu stutzen. So warte ich halt zu und greife dann erst im Frühling zur Schere. Mit dem Ergebnis, dass sie den ganzen Sommer über nicht blühen, den Blüten tragen sie erst am zweijährigen Holz. Mein Trick ist, dass ich jeweils nur eine oder zwei Pflanzen radikal zurückschneide und sie eine Saison lang hinter den anderen Töpfen verstecke. Nächstes Jahr kommen dann die anderen dran. So habe ich immer blühende Oleander ohne verkahlende Äste.

Für die Pflanzen im Winterquartier beginnt jetzt übrigens die Fastenzeit. Das heisst, sie werden nur noch wenig gegossen und gar nicht mehr gedüngt. So überstehen sie die kalte Jahreszeit am Besten. Und dann, wenn laut kirchlichem Kalender im Februar die Fastenzeit für uns Menschen beginnt, werden sie wieder schön gefüttert, sprich gedüngt. Und anders als viele von uns nehmen sie nach diesen Diätwochen nicht einfach wieder zu, sondern blühen verjüngt und in voller Schönheit wieder auf. Manchmal wünscht man sich, ein Oleander zu sein.

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