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Ich habe viel zu erzählen

Hedy Suter ist eine der Ersten, die sich auf die Ausschreibung auf seniorweb.ch zum Pilotprojekt «Edition Unik – Erinnerungen schreiben und schenken“ gemeldet hat.

Es ist eine jung gebliebene, lebhafte Frau mit wachem Blick, die einem in ihrer kleinen gemütlichen Wohnung am Zürichsee gegenübersitzt. Hedy Suter ist 82 Jahre alt, Mutter von drei Töchtern und mehrfache Grossmutter und Urgrossmutter. Sie hat in ihrem nicht immer leichten Leben viel gearbeitet und erlebt und war in ihrer Freizeit auch kreativ. Viele Jahre lang hat sie gemalt – im eigenen Atelier. Ihre Bilder wurden auch an Ausstellungen gezeigt und sie bekam dafür viel Anerkennung.

In den letzten Jahren befasste sie sich vermehrt mit ihrer Familiengeschichte. Und sie kann erzählen. Das wird im Gespräch deutlich. Sie hat nicht nur viel erlebt, sie formuliert auch klar und verliert sich nicht in Details.

Wie sind Sie auf das Projekt Edition Unik aufmerksam geworden?

Im Seniorweb. Als eigentlicher News-Junkie lasse ich mich sowohl durch Zeitungen wie auch durchs Internet informieren. Das Seniorweb kenne ich schon seit etlichen Jahren. Als vor zwei, drei Jahren Weihnachtsgeschichten gesucht wurden, habe ich mitgemacht. Und meine Geschichte ist auch publiziert worden. Allerdings unter einem Pseudonym; ich wollte mich nicht allzu sehr exponieren.

Das ändert sich jetzt: Sie haben sich als eine der Ersten für das Projekt Edition Unik angemeldet.

Ja, ich trage da einige Geschichten schon des längeren mit mir herum. Familiengeschichten natürlich, nichts frei Erfundenes. Das hat auch mit meiner Herkunft zu tun. Ich kannte meine Grosseltern nicht und begann erst in reiferem Alter, nach meinen Wurzeln zu forschen, in Gemeindearchiven und im Zürcher Staatsarchiv. Fand zum Beispiel eine Urgrossmutter, die an der Cholera gestorben ist. Aber das ist jetzt nicht das Thema meines Buchprojektes!

Sie haben immer schon gerne geschrieben?

Ich war viele Jahre Heimleiterin im Altersheim der Stadt Rorschach, hatte 40 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Das bringt einiges an Schreibarbeit mit sich – Briefe, Zeugnisse, Rechenschaftsberichte. Nach meiner Pensionierung kamen dann die Recherchen zu meiner Familiengeschichte dazu. Ich besitze einen ganzen Ordner voller Unterlagen.

Und nun soll es ein Buch werden. Das ist eine grosse Aufgabe.

Das bin ich mir sehr bewusst. Nur schon der ganze Produktionsprozess: Wie kommt die Geschichte aus meinem Kopf aufs Papier? Wie gliedere ich die Fakten? Wer hilft mir, wenn ich beim Schreiben nicht mehr weiterkomme – oder mich in Details verliere.

Nein, ein so dickes Buch will Hedy Suter nicht schreiben. Obwohl sie viel zu erzählen hätte …

Und für mich ganz wichtig: Wo finde ich jemand, der mir zum Schluss den Text lektoriert? Ich möchte doch ein Buch schreiben, das auch lesbar ist. Es ist mir sehr wichtig, dass mir jemand diese Sachfragen klären hilft. Ich kenne mich da ja nicht aus.

 

 

 

Wo und wie erwarten Sie Hilfe bei dem Buchprojekt?

Das kann ich nicht sagen, weil ich ja noch nicht viel weiss. Aber ich werde die Angebote, seien das nun Workshops oder Sprechstunden, sicher nutzen – man kann ja immer noch etwas gescheiter werden. Ich war auch schon in einem Schreibkurs im «Laudinella» in St. Moritz. Da habe ich gelernt, einen Text zügig und schlüssig zu verfassen.

Wo werden Sie sich nicht dreinreden lassen?

Beim Thema. Ich weiss, was ich aufschreiben will und es ist mir ein Herzensanliegen.

Verraten Sie uns etwas über Ihr Buchprojekt?

Ich möchte die Geschichte meiner Schwester aufschreiben. Wir waren zu Hause acht Kinder und die älteren vier wurden als Verdingkinder weggegeben. Meine Schwester hat nie über diese Zeit gesprochen – bis zwei Monate vor ihrem Tod. Da ist alles aus ihr herausgebrochen, Die Demütigungen, die Tätlichkeiten, der Missbrauch. Manchmal habe ich geweint, als ich die Notizen verfasste. Und ich bin sicher, diese Geschichte wird viele zu Tränen rühren. Kurz nach ihrer «Lebensbeichte» erkrankte meine Schwester dann an Leukämie und starb nach nur sechs Wochen Krankheit.

Kommen wir nochmals zur «technischen Seite» des Projektes. Sie haben bereits Erfahrung im Umgang mit Computern?

Während meiner Berufstätigkeit war der Umgang mit den elektronischen Medien noch kein Thema. Kurz vor meiner Pensionierung wurden die ersten Computer angeschafft und das Personal geschult. Und ich war der Meinung, ich brauche diese Schulung nicht mehr! Was ich schon kurze Zeit später bereute. So habe ich mich halt privat, mit diversen Kursen, in die Computerwelt eingearbeitet.

Das Projekt Edition Unik bietet ein Coaching an, das heisst, es hilft allen Beteiligten, konzentriert und fokussiert zu arbeiten.

Ich habe vieles seit Jahren aufgeschrieben, worauf ich sicher zurückgreifen werde. Ich bin froh, wenn dann der Startschuss zum Projekt fällt. Ich denke, ich habe genug Disziplin, mein Buch zielgerichtet und innerhalb des Zeitrahmens zu realisieren. Und ich habe viel zu erzählen, der Schnauf wird mir also nicht so schnell ausgehen.

Schreiben Sie das Buch für sich selber oder für Ihre Familie?

Eigentlich nur für meine Nachkommen. So bleibt ihnen eine allfällige spätere und mühsame Forschung zur Familiengeschichte erspart. Wobei: Ich habe nie daran gedacht, mal ein Buch zu schreiben. Aber als ich dann über das Projekt gelesen habe, nahm ich das als Chance, etwas zu machen aus meinen ersten eher hilflosen Gehversuchen als Autorin.

Wie finden Sie denn die Idee, die der Edition Unik zugrunde liegt?

Das gefällt mir natürlich. Zumal Schreiben etwas Positives ist, vielleicht mal sogar einen Psychiater ersetzen kann. Ich möchte aber auch dazu beitragen, dass Andere Mut bekommen, Erfahrungen aus ihrem Leben aufzuschreiben. Zwar ist Schreiben für mich ein etwas ungewohnter Weg, sich mit Lebensfragen auseinanderzusetzen. Aber ich suche in meinem Leben gerne neue Wege.

Anmeldung zum Pilotprojek «Edition Unik – Erinnerungen schreiben und schenken»: www.edition-unik.ch

Anmeldeschluss des Pilotprojekts: Sonntag, 18.Januar 2015

Fragen zum Pilotprojekt: edition-unik@hellerenter.ch

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