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Pflanzenplauderei

Der Garten im Mai. Sprechen Sie manchmal mit Ihren Pflanzen? Und hören die Ihnen zu? Jetzt wäre doch eine gute Gelegenheit, sich mal für eine kleine Plauderei in den Garten zu setzen.

Ich gebe es zu: Manchmal spreche ich mit gewissen Pflanzen. Also eigentlich schimpfe ich vor allem. Mit dem Giersch zum Beispiel, der sich schon wieder so breit gemacht hat, dass er den frisch gesäten einjähigen Rittersporn einfach erstickt hat. Oder mit den Schwarzdornschösslingen, die überall aus dem Boden wachsen, als wären sie ganz fiese invasive Neophyten. Man wird ihnen fast nicht Meister, denn ausreissen geht nicht. Ich denke, die bohren sich zuerst mit ihrer Wurzel in den Boden und erst dann legen sie mit den Blättern los – und lachen sich schlapp über die genervte Gärtnerin.

Aber ansonsten habe ich es nicht so mit der Pflanzenplauderei. Obwohl es sogar Untersuchungen geben soll, die beweisen, dass etwas Zuwendung zu wahren Blütenwundern führen soll.

Weshalb ich nicht so recht daran glaube? Weil mein Schimpfen mit dem Unkraut noch gar nie etwas genützt hat. Oder verstehen die Pflanzen vielleicht gar nicht, was man sagt und beginnen einfach auf den Klang einer Stimme hin zu wachsen wie verrückt? Vielleicht müsste ich den Giersch einmal ganz stumm und verbissen ausreissen.

Pflanzen lieben Mozart

Dass Pflanzen mehr sind als dumpfe Zellhaufen, die sich teilen, die blühen und fruchten und dann zu Kompost werden, das weiss jeder Gartenliebhaber. Und die Frage, ob Pflanzen eine Seele haben, treibt nicht nur Esoteriker, sondern auch Forscher seit Jahrzehnten um. Dass Musik von Mozart wachstumsfördernd sein soll, habe ich bereits vor 40 Jahren gelesen, im Buch «Das geheime Leben der Pflanzen» von Peter Tomkins und Christopher Bird. Dort wurde von Versuchspflanzen berichtet, ich glaube Stangenbohnen, die das Tonbandgerät förmlich umrankt haben sollen – bei Musik von Mozart. Bei Rockmusik dagegen hätten die Pflanzen gekümmert und sich aus dem Staub gemacht, so gut sie konnten.

Damals habe ich das Buch verschlungen und mich auch nicht von gewissen paranormalen Experimenten abschrecken lassen. Dann aber wurde ich etwas realistischer und hielt mich bei der Gartenarbeit eher an die Regeln, die mir meine Grossmutter mitgegeben hat: Zum Beispiel, dass man bei der Anzucht von Pflanzen jeden Tag mit der Hand einmal über die kleinen Pflänzchen streichen sollte, weil sie dann buschiger und gesünder wachsen würden.

Streicheleinheiten

Beim Basilikum nützt dieser Ratschlag wirklich, das habe ich ausprobiert: Ich säte in zwei gleiche flache Blumenschalen, auf dieselbe Anzuchtserde, Basilkumsamen. Die Saat ging auf und bald begann ich in einer Schale mit den «Streicheleinheiten».

Ob es nun der Basilikum ist, oder …

Das heisst, ich fuhr beim Vorbeigehen mit der Hand über die Winzlinge. Nur einmal, aber jeden Tag. Beide Saatschalen wurden zur gleichen Zeit gewässert, standen nebeneinander im Wintergarten, aber die gestreichelten Pflanzen hatten viel früher kräftige, duftende Blätter, während die anderen eher in die Höhe wuchsen und insgesamt magerer aussahen.

Forscher streicheln auch

Und jetzt las ich in einer Zeitung, dass vor etwa zehn Jahren bei Pflanzen «Touch-gene» entdeckt wurden, und mein Grossmutter-Rezept nun auch wissenschaftlich untermauert ist.

… ein Zitronenbäumchen, das sich nicht entscheiden kann, ob es blühen oder fruchten soll, Streicheln tut allen gut.

Dort stand auch, dass Winzer, die ihre Reben mit Mozart beschallen, grössere, süssere und gesündere Traube ernten. Und ich suche nun noch nach Forschern, die herausfinden, was man dem Unkraut zuflüstern muss, damit es verschwindet. Und ob es etwas nützt, wenn ich meine Tomaten jeden Morgen mit einem fröhlichen «Guten Tag auch» begrüssen würde. Denn ganz im Ernst: Für eine maximale Ernte meiner Sweetie-Tomätchen würde ich das glatt tun.

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