FrontKolumnenGut gedopt ist halb gewonnen

Gut gedopt ist halb gewonnen

Wo Geld im Spiel ist, sind die Betrüger nicht weit. Der Korruptionssumpf rund um den Sport ist allerdings besonders verwerflich und gehört radikal trocken gelegt.

Wir erinnern uns an das flächendeckende Doping in der ehemaligen DDR und der Sowjetunion, das als politisches Propaganda-Instrument die Sportler zu willfährigen Handlangern einer maroden Staatsdoktrin degradierte. Der Kalte Krieg war auch ein Krieg um die angestrebte sportliche Überlegenheit, und aufgeklärt wurden die wenigsten Vergehen.

Seither tobt weltweit in schummrigen Ärztelabors, unter weissen Doktorschürzen und zwielichtigen Helfershelfern ein hemdsärmliger Kampf um Sekundenbruchteile, Goldmedaillen und ewigen Ruhm. Am schlimmsten erwischte es den Radsport mit dem Paradebeispiel Lance Armstrong, der ab 1990 siebenmal die Tour de France gewann und 2012 das ganze Lügengebäude einstürzen liess. Schon früher lieferten die Anabolikaskandale der Muskelprotze in der Leichtathletik Schlagzeilen, dann folgten die gedopten Langläufer, bis man endlich gewahr wurde, dass auch die nationalen und internationalen Sportverbände mit im Bunde waren.

Und der lange Weg zu Wettskandalen und Schmiergeschäften im Fussball hat neuerdings sogar den Tennissport erreicht. Alarmierend war dann die Meldung, dass der Internationale Leichtathletikverband (IAAF) das Dopingtreiben von präsidialer Warte aus vertuscht und die Athleten gar erpresst hatte. Ganz neu ist die Nachricht, dass der Sportartikelgigant Adidas den Sponsorvertrag mit dem IAAF vorzeitig aufkündigen will, weil der neue IAAF-Präsident Sebastian Coe im Verdacht steht, den ihm nahe stehenden Rivalen Nike mit der Vergabe der Leichtathletik-WM 2021 nach Eugene in Oregon, wo Nike seinen Hauptsitz hat, begünstigt zu haben.

Wie war das schon wieder mit dem Sport als Vorbild für die Jugend?

Wer einst erhobenen Hauptes jegliche sportliche Betätigung wie noch zu Küblers und Koblets Zeiten empfahl, hat derzeit gemischte Gefühle, wenn Spitzenresultate aufhorchen lassen. Auch wenn die Sportnation Schweiz stolz ist auf einstige Bannerträger wie Bernhard Russi, Vreni Schmeider oder Erika Hess und heutzutage Federer, Wawrinka, Bencic, Ryf oder Hussein in der Gunst der Sportfans Spitzenplätze einnehmen, so führt auch in ihrem Interesse kein Weg an der Tilgung von Betrug und Korruption vorbei. Wenn weltweit Milliarden ohne verbindliche Standards und transparente Kontrollen hin- und herverschoben und vermarktet werden, dann sind die zwei Millionen, die Sepp Blatter Michel Platini als befremdlichen Freundschaftsdienst zusteckte, schon fast ein Kavaliersdelikt. So weit sind wir schon. Um Bodenhaftung wird gebeten.

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