Gesellschaft

Ein Sommer für die Schnecken

Der Garten im Juni. Sommer ists und keiner merkts. Keiner? Oh, doch, die Schnecken feieren eine nicht enden wollende Sommerparty.

Die Pfingstrosen lassen ihre vom Regen schweren Köpfe hängen, der Lavendel beginnt zwar zu blühen – wohl einfach, weil es Zeit ist – aber zum Duften reicht es nicht, die Salatköpfe stehen prall und aufrecht – und sind am nächsten Morgen nicht mehr da. Die Schnecken! Ihnen gefällt das ewige Regenwetter.

Gekommen, um zu fressen – alles

Eine grosse Wegschnecke kann in einer Nacht ohne weiteres einen kleinen Salatkopf vertilgen, wird sie doch bis 20 Zentimeter lang. Sie soll allerdings nicht, wie ihr Zweitname „Spanische Wegschnecke“ vermuten lässt, aus Spanien eingeschleppt worden sei. Ihre Herkunft ist schlicht unbekannt. Sie war einfach mal da, vielleicht aus Westfrankreich eingewandert. Fest steht, dass der Riesenschleimer seit den 70er-Jahren ist unseren Gärten anzutreffen ist, sich unter günstigen Bedingungen fast explosionsartig vermehrt und daher schwere Schäden anrichten kann.

So hässliche sind sie nicht, die gefrässigen Schleimer. (Alle Bilder Bernadette Reichlin)

Und das nicht nur an Gemüsekulturen und im Blumenbeet. Die heimische Rote Wegschnecke wird durch den aggressiven Einwanderer fast völlig verdrängt, hat sich in die Wälder und auf ungenutzte Wiesen zurückgezogen. Wer jetzt denkt, da sei der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben worden, liegt indes falsch. Von Biologen wird der Rückgang der Roten Wegschnecke bedauert und deshalb hat sie es auf die Rote Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten geschafft.

„Rasenmäherschnecken“ gibt es nicht

Schneckenarten gibt es ganz viele, darunter auch solche, die kleine Nacktschnecken auf ihrem Speiseplan haben. Die meisten Arten aber ernähren sich von allem, was organisch ist und ihnen eben so in die Quere kommt, Eier von Artverwandten inklusive. Wer einen Garten hat, weiss indes, dass Schnecken ganz schön wählerisch sind. Schon nur, dass sie, statt im Rasen die Gräser kurz zu halten, sich viel lieber im Gemüsebeet verlustieren.

Akeleien sind zart, wachsen dann, wenn es noch nicht so viel Grünes hat, werden aber trotzdem von Schnecken verschmäht.

Es gibt allerdings Pflanzen, die schmecken den Schnecken nicht. Akeleien zum Beispiel wachsen im Frühling ziemlich ungefährdet heran, obwohl es zu der Zeit noch wenig Grünzeug in den Gärten hat. Auch Farne, Phlox, Löwenmäulchen oder Nelken werden verschmäht, ebenso wie Thymian und Lavendel. Sogar die saftige Fetthenne, Sedum, verlockt keine Schnecke zum Dreinbeissen.

Im Nutzgarten kommt der Spinat relativ ungeschoren davon – die ganz kleinen Nacktschneckenfressen aber auch den – wie auch Randen, Sellerie und Zwiebeln. Auch der rote Eichblattsalat wird verschmäht – zumindest so lange, bis alle die grünen Salatpflanzen weggeputzt sind.

Und wenn es dann heiss wird?

Über Massnahmen zur Schneckenbekämpfung möchte ich jetzt nicht schreiben, die sind hinlänglich bekannt. Aber was machen Schnecken eigentlich, wenn es so richtig heiss und trocken wird. Dann sind sie nämlich plötzlich verschwunden. Während sich die Nacktschnecken an feuchte Stellen unter Büschen und Stauden verkriechen, haben die Häuschenschnecken einige Tricks auf Lager.

Erst mal verlassen sie die von der Sonne aufgeheizten und ausgetrockneten Böden und steigen an Stengeln und Zweigen hoch. Denn dort oben herrscht Lufttemperatur. Ein Tipp: Wer plötzlich solche „Kletterschnecken“ im Garten findet, kann sicher sein, dass das schöne und heisse Wetter noch einige Zeit anhält.

Ist doch hübsch, die Häuschenschnecke, die auch zur Kletterschnecke werden kann.

Dazu kommt, dass diese Schnecken ihr Haus „isolieren“. Sie sondern Schleim ab und kleben damit ihre Haustüre zu und polstern die ganze Schalen zusätzlich mit Schleim aus, der langsam eintrocknet. In diesem „Trockenschlaf“ verharren sie dann bis zum nächsten Regen. Dann aber geht es wieder los mit der ganzen Schneckenplage.