Kultur

Mehr als nur Berufswahl

„Paul Klee. Ich bin Maler.“ Einblicke in die Hintergründe einer Berufung als interaktive Sommerausstellung im Zentrum Paul Klee, Bern.

1879 in Münchenbuchsee geboren, war Paul Klee anfänglich Lehrer am Bauhaus (Dresden, Weimar). Mit Beginn der Herrschaft der Nationalsozialisten dort entlassen, verliess er als einer der ersten Künstler Deutschland und kehrte in die Schweiz zurück. Doch schon früher, im März 1900, belegt ein Tagebuchbucheintrag, dass der bisher vor allem als grafischer Künstler tätige Klee sich mehr und mehr zur Auseinandersetzung mit der Farbe hingezogen fühlte. 1914 schliesslich stand fest: „Ich bin Maler.“ Er schrieb es nach dem entscheidenden Schlüsselerlebnis seiner künstlerischen Laufbahn, der Reise nach Tunesien nämlich, die er zusammen mit August Macke und Louis Moilliet 1914 unternommenen hatte.

Mit der Erkenntnis – oder war es ein Entschluss? – „Ich bin Maler“ erschöpft sich allerdings die künstlerische Entwicklung von Paul Klee keineswegs. Seine ersten in Öl gemalten Bilder bedeuten neben den gleichzeitig entstandenen Hinterglasbildern (zwischen 1905 und 1912) lediglich den Anfang eines schöpferischen Prozesses, der ihn über zahlreiche Materialien und Techniken zu immer neuen Meisterwerken anregte. Auch Auseinandersetzungen mit seinen künstlerischen Weggefährten führten ihn zu anregenden und herausfordernden Erkenntnissen. Sein Lebenswerk war für ihn ein Weg, den er forschend ging – sein künstlerischer Lebensweg führte zu Meilensteinen in seinem Werk.

Michael Baumgartner, Direktor Kunst und Sammlung des ZPK, gelingt es als Kurator der Ausstellung, die zahlreichen Zeugnisse des Wirkens und Suchens von Paul Klee auf fast zu unaufdringliche Weise vorzuzeigen. Glas, Textilien, Karton und die konventionelle Leinwand sind die Untergründe für die Arbeit mit Strukturen und Zusammensetzungen von Farben – Öl, Aquarellmaterialien trocken und nass, Pigmente, Kreide, Sand… Sähe man es nicht, man glaubte es kaum, was der Maler alles zum Experimentieren verwendet hat. Selbst Paletten, Pinsel und weitere Handwerksgegenstände hat er selber hergestellt, so ausgetüftelt, dass sie störungsfrei in seinen Händen lagen und ihn zum sinnenden Schauen und Gestalten Raum liessen.

Paul Klee in seinem Atelier, Kistlerweg 6, Bern, Sommer 1939. Foto: Felix Klee. Zentrum Paul Klee, Schenkung Familie Klee. © Klee-Nachlassverwaltung Bern

Die kleinformatigen und deshalb unaufdringlichen Bildschirmpräsentationen zu einzelnen Themen erweisen sich dabei als hilfreiche Vermittler von Hintergrund- und Zusatzinformationen. Ein Bijou der Ausstellung ist der Nachbau von Paul Klees letztem Berner Atelier am Kistlerweg. Ein Jahr vor seinem Tode hat ihn sein Sohn Felix dort fotografiert.

Daneben gibt es auch ein gegenwärtiges Atelier, integriert in die Ausstellungsräume und betrieben vom Team des Creaviva-Kindermuseums im ZPK. Man gehe hin und lasse sich zeigen, wie aufgrund verschiedener Vorlagen und Anregungen man erleben kann, wie das Malen, Zeichnen und Gestalten kreative Kräfte bewegt!

Aus den zahlreichen Werken zum Schluss noch zwei Beispiele. Zwei Jahre vor seinem Tod schuf Paul Klee mit Pastellfarbe auf Jute „Das Auge“, 45/46 x 64,5/66,5 cm.

das Auge

Paul Klee, Das Auge, 1938, 315. Pastell auf Jute, Privatbesitz Schweiz, Depositum im ZPK.

Kurze Zeit nachdem er die Sicherheit erlangt hatte, wirklich ein Maler zu sein – „Was für ein anziehendes Schicksal, heute die Malerei zu beherrschen (wie ehedem f. den Musiker)“  schrieb er im Mai 1918 in sein Tagebuch – entstand im selben Jahr sein Aquarell „Tiergarten“ 17,1 x 23,1 cm.

Tiergarten

Paul Klee, Tiergarten, 1918, 42. Aquarell auf Grundierung auf Papier auf Karton. Zentrum Paul Klee Bern

Die Ausstellung dauert bis am 30. Oktober 2016

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